Im Frühjahr 2026 hat Bundeskanzler Friedrich Merz sein Büro im Reichstagsgebäude mit einem auffälligen Kunstwerk von Marc Jung ausgestattet: dem „Power Eagle“. Der Bundesadler in Street-Art-Optik verbindet traditionelle Symbolkraft mit urbaner Dynamik und zeigt, wie zeitgenössische Kunst politische Räume prägt und Debatten anstößt.
Kunst im Kanzlerbüro: Wie Friedrich Merz Marc Jungs „Power Eagle“ einsetzt
Im Frühjahr 2026 hat Bundeskanzler Friedrich Merz sein Büro im Reichstagsgebäude mit einem ungewöhnlichen Kunstwerk ausgestattet: einem farbenstarken, expressiven Bundesadler des zeitgenössischen Künstlers Marc Jung.
Das Werk, oft als „Power Eagle“ bezeichnet, verbindet die traditionelle Symbolik des Bundesadlers mit der rohen Energie von Street Art und Graffiti. Leuchtende Farben, dynamische Linien und eine fast rebellische Bildsprache verwandeln das staatstragende Emblem in ein modernes visuelles Statement – eines, das bewusst auffällt.
Ausgewählt wurde das Kunstwerk über die Artothek des Deutscher Bundestag, die Kunst gezielt in politische Räume bringt. Damit wird deutlich: Kunst ist hier nicht bloß Dekoration, sondern Teil öffentlicher Repräsentation.
Marc Jung – Street Art zwischen Symbol und Statement
Marc Jung gehört zu den Künstlern, die Urban Art konsequent mit klassischen Motiven verbinden. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Graffiti, figurativer Malerei und gesellschaftlicher Reflexion.
Mit dem „Power Eagle“ greift er eines der bekanntesten deutschen Hoheitszeichen auf – den Bundesadler – und übersetzt ihn in eine zeitgenössische Bildsprache. Das Ergebnis ist ein Werk, das Spannung erzeugt: zwischen Tradition und Gegenwart, zwischen staatlicher Autorität und künstlerischer Freiheit.
Gerade diese Reibung macht die Arbeit interessant. Sie lädt nicht nur zum Betrachten ein, sondern zur Auseinandersetzung: Wie modern darf ein staatliches Symbol sein? Und wie viel Interpretation verträgt politische Repräsentation?
Die Artothek des Bundestages – Kunst als Teil politischer Räume
Die Artothek des Deutscher Bundestag ist weit mehr als eine Sammlung. Sie ermöglicht es Abgeordneten und Regierungsmitgliedern, Kunstwerke temporär für ihre Büros auszuleihen.
Über einen Kunstbeirat werden Auswahl und Ankauf gesteuert. Ziel ist es, zeitgenössische Kunst sichtbar zu machen und den Dialog zwischen Politik und Kultur zu fördern.
So entstehen Arbeitsräume, die nicht nur funktional sind, sondern auch kulturell aufgeladen. Kunst wird Teil politischer Kommunikation – subtil, aber wirkungsvoll.
Kunst in politischen Machtzentren – ein internationaler Blick
Der Einsatz von Kunst in politischen Spitzenbüros ist kein deutsches Phänomen.
Im Oval Office der White House wählen US-Präsidenten gezielt Gemälde und Skulpturen aus, die ihre politischen Werte und historischen Bezüge widerspiegeln.
Auch in der Downing Street 10, dem Amtssitz des britischen Premierministers, gehört Kunst zur Inszenierung politischer Identität und nationaler Geschichte.
Vor diesem Hintergrund wirkt auch das Kanzlerbüro in Berlin weniger wie ein neutraler Arbeitsraum – und mehr wie ein bewusst gestalteter Ort mit symbolischer Aussagekraft.
Zwischen Debatte und Deutung – wenn Kunst politisch wird
Die Entscheidung für ein Street-Art-inspiriertes Werk im Kanzlerbüro bleibt nicht ohne Diskussion.
Kritik kann sich dabei auf verschiedene Ebenen richten: auf den Stil, die Auswahl oder die Frage, welche Form von Kunst staatliche Repräsentation angemessen widerspiegelt. Solche Debatten sind Teil einer offenen Gesellschaft – sie zeigen, dass Kunst im politischen Raum wahrgenommen und ernst genommen wird.
Gleichzeitig gilt: Das Werk selbst steht zunächst für sich. Marc Jung hat ein Bild geschaffen, das Aufmerksamkeit erzeugt, Emotionen anspricht und Interpretationsräume öffnet. Genau darin liegt eine seiner zentralen Qualitäten.
Kunst lässt sich nicht auf politische Positionen reduzieren. Sie kann Debatten auslösen, ohne eindeutig Stellung zu beziehen – und gerade dadurch ihre Wirkung entfalten.
Fazit – Ein Adler, der mehr will als repräsentieren
Der „Power Eagle“ im Kanzlerbüro ist mehr als ein dekoratives Element. Er ist ein Beispiel dafür, wie Kunst politische Räume prägen und aufladen kann.
Durch die Verbindung von Street Art und staatlicher Symbolik entsteht ein Spannungsfeld, das Fragen stellt statt Antworten vorgibt. Genau das macht das Werk relevant – nicht nur für Kunstinteressierte, sondern für alle, die sich für das Verhältnis von Kultur und Politik interessieren.
Die Artothek des Bundestages schafft dafür die Grundlage: Sie bringt Kunst dorthin, wo Entscheidungen getroffen werden – und macht sichtbar, dass auch Macht Räume braucht, die mehr sind als funktional.
Manchmal genügt dafür ein Bild.
Marc Jung – Kunst zwischen Chaos und Bühne
Marc Jung zählt zu den spannendsten Stimmen der deutschen Gegenwartskunst. Er bewegt sich zwischen Urban Art, Graffiti‑Ästhetik und klassischer Malerei und lässt dabei bewusst Grenzen verschwimmen. Seine Werke entstehen oft in einer Mischung aus Sprühdose, Pinsel und Farbe – Schichten übereinander, in denen sich Energie, Kontrast und Bildsprache gegenseitig befruchten.
Über seine eigene Arbeitsweise sagt Jung:
„Ich stelle dar, was ich sehe, so wie ich es sehe“ – ein Satz, der simpel klingt, aber seine Herangehensweise präzise beschreibt: direkt, ohne künstliche Fassade, ohne großen theoretischen Überbau.
Jung beschreibt seine Kunst als einen Fluss zwischen Ordnung und Anarchie, in dem klassische Bildmuster genauso auftreten können wie chaotische Graffiti‑Formen. Dieser Spannungsbogen zieht sich durch viele seiner Arbeiten und macht sie auf den ersten Blick wild, energiegeladen und gleichzeitig durchdacht.
Für Jung ist Kunst kein hermetisches Spezialgebiet, sondern Ausdruck seiner Wahrnehmung – roh, unmittelbar und ohne Rücksicht auf vorgefertigte Kategorien. Seine Arbeiten sind daher oft ein visuelles Spannungsfeld zwischen Street‑Art‑Sprache und klassischem Bildaufbau.
Weitere Informationen
Titelbild: Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) und der Thüringer Künstler Marc Jung (40). Foto: Bundespresseamt
Von uns ausgewählte Veranstaltungen finden Sie unter >>>Events<<<
Unsere Interviews finden Sie hier: Interview| Arttrado.de
Wenn Sie uns über ihr spannendes Kunstprojekt informieren wollen, nutzen Sie unseren Kontakt.
