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Erfahrungen und Klischees
Interview: Elmar Hund – Über seine Kunst in China

Interview: Elmar Hund – Kunst in China Der deutsche Künstler Elmar Hund reiste in den letzten 12 Jahren fast 50
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Interview: Elmar Hund – Kunst in China

Der deutsche Künstler Elmar Hund reiste in den letzten 12 Jahren fast 50 mal nach China um dort seine Kunst zu präsentieren und zu verkaufen. Dabei machte er einige Erfahrungen und Beobachtungen. Wir hätten uns gerne persönlich mit ihm getroffen, während der Corona-Krise entschieden wir uns allerdings für ein Textinterview. Interessant für Künstler, Kunstfreunde und Liebhaber des Reichs der Mitte.

 

Interview: Elmar Hund

Ein leichter Einstieg, stimmt das Gerücht, das man trinkfest sein sollte?

Das stimmt in jeder Hinsicht! Vom kleinen Angestellten bis zum hochrangigen Beamten gibt es in dieser Hinsicht keinen Unterschied. Etwas zu Feiern gibt es immer und das ausgiebig. Der Ablauf ist aber immer gleich. Man trifft sich zum Essen im Restaurant, meistens mit eigenem Koch und separaten Räumlichkeiten mit WC/Dusche und Ruheraum! Dabei sind dann alle, die irgendetwas mit dem Anlass zu tun haben. Also vom Fahrer bis zum Oberboss. Schon vor dem Essen wird mit lokalem Bier begonnen. Während des Essens geht man dann meist zu französischem Wein über. Getrunken wird dieser aber immer in ex aus kleinen Gläschen. Erst nach dem essen ist der chinesische Schnaps dran. 50-60% schwer wird dieser in kleine Karaffen gefüllt, die jeder dann vor sich hat. Hat man den Einstieg mit Bier und Wein einigermaßen überstanden, geht es dann richtig zur Sache. In Schnapsgläschen wird jedem zu geprostet. Man muss dann erst zum Chef und mit ihm auf beste Zeiten anstoßen und das geht dann hin bis auch zum Fahrer. Es herrscht aber die Sitte, dass dies jeder auch so macht. Nach zig Runden beginnt es dann echt kompliziert zu werden, wenn dann die Gläschen übergangen werden und man gleich zur Karaffe greift, ist die Mehrzahl der beteiligten Personen nicht mehr auffindbar, Um das Gesicht zu wahren, muss man als Gast, als Deutscher sowieso, da die als trinkfest gelten, auf jeden Fall bei den letzten sein. Ich habe dies eigentlich fast immer so erlebt bei unzähligen Festen, Sitzungen, Ausstellungen oder was immer wenn es um Verhandlungen geht. Ob dies überall der Fall ist weiß ich nicht. Ich bin in ganz China rumgekommen und konnte diesbezüglich keinen wesentlichen Unterschied feststellen. Die härteste Zeit in der Richtung war in der Mongolei. Das kann man unbeschadet fast nicht überstehen.

Ein Missgeschick oder eine unangenehme Situation die Sie sich lieber gespart hätten?

Wenn peinlich, dann war teilweise nach Verkäufen von Gemälden. Egal unter welchen Management, es wurde versucht, den Preis nach oben zu diktieren. Das Problem war, dass man die Preise meistens falsch eingeschätzt hatte. Hat der Manager mitbekommen, das manche Gemälde von mehreren Interessenten begehrt waren, wurde der Preis einfach geändert… nach oben. Da ich ja bei der Übergabe immer dabei war, hat man mich schon mal als gierigen Deutschen dargestellt und ein Verkauf ist geplatzt.

Wie viele Werke haben Sie in China verkauft?

Genau kann ich das nicht sagen, da manche Verkäufe nicht nach Vertrag abgewickelt wurden und ich mit der Zeit auch den Überblick verloren habe. In der Hinsicht bin ich echt kein Kaufmann. Transportiert wurden Gemälde im unteren hunderter Bereich.

Wie transportiert man Kunstwerke nach China? Was muss man beachten? Steuern? Sicherheit?

Das Thema Transport ist ein ziemlich umfangreich und ich werde darauf noch näher eingehen in meinem persönlichen Bericht an anderer Stelle. Am Anfang ging das alles zu meinen Kosten. Da ich ja alle Größen bis 2 m anbiete, war es sehr teuer und schwer das nach China zu verschicken. In der Regel waren es Holzboxen mit bis zu 600 kg, da die meisten Bilder nicht zerlegbar waren. Manches habe ich im Flugzeug mitgenommen oder als Rolle im Handgepäck und vor Ort fertig gestellt. Dabei konnte man auf gut Glück agieren. Kontrolliert wurde ich in China noch nie. Die Luft- oder Seefracht musste verzollt werden, was mein Agent in China immer irgendwie geschafft hatte (Korruption).Normalerweise sind Gemälde Luxussteuerpflichtig bei der Einfuhr mit ca. 200 %. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten dies zu umgehen. Steuer muss man nach dem Verkauf bezahlen, was in der Regel das Museum oder die Galerie übernimmt. Deshalb ist eine Mage von 50-60% des Verkaufspreises gleich weg.

Welches ist ihr teuerstes verkaufte Werk?

Das teuerste Bild von mir wurde 2015 bei einer Onlineversteigerung für 1100000 RMB (ca. 135.000€) verkauft. Ich selbst hatte diese Bild für 2.900,- € an einen Sammler verkauft.

Mussten Sie während ihres Aufenthaltes viele Kompromisse eingehen?

Auf jeden Fall musste ich sehr viel Kompromisse eingehen. Wie schon erwähnt, habe ich mehrfach Gemälde abgeschrieben oder verloren durch Zerstörung oder meistens durch gierige Zeitgenossen und mangels meinerseits im Ablauf der chinesischen Gesetze und Arbeitsweisen. Ebenso war ich sehr oft behindert an meinen persönlichen Interessen und der Auffassung mein Leben zu gestalten. Es ist nun mal so, dass man immer behütet und beschützt werden will, was am Ende ein eigenes Handeln vielmals unmöglich macht. Entweder ist man da nicht empfindlich, oder es geht voll daneben.

Gab es einen Kulturschock?

Im Grunde genommen war ich auf vieles in China vorbereitet durch Recherchen im Internet oder durch Befragen von Chinesen, die in Deutschland leben. Kulturgeschockt war ich eigentlich nicht, obwohl mich vieles so beeindruckt hat, dass schon schwer war das alles irgendwie zu verarbeiten. Alles was ich im Fernsehen gesehen hatte, traf so nicht ein oder ganz selten. Ich war mit Einheimischen unterwegs und habe Dinge erleben dürfen, die man als normaler Tourist nie in Erfahrung bringen kann. Das was mich am Meisten beeindruckt hat, ist die unglaubliche Technologie und wie modern die Großstädte gehalten sind, die monumentalen Bauten und zum Teil die glamourösen kapitalistisch voll am Anschlag gehaltenen Einkaufszentren und Wohngebiete.

Was sagen Sie über die Chinesische Politik?

Ich halte mich aus der Politik raus, obwohl ich einiges dazu sagen könnte, zumal da ich manche Dinge auch hautnah erfahren hatte. 2012 war das Deutsch-Chinesische Kulturjahr in Deutschland. es gab zahlreiche Veranstaltungen in allen Kunstbereichen hervorgerufen durch die guten politischen und kulturellen Beziehungen beider Länder. Die einzige Ausstellung dazu in China war in Chengdu in der riesigen Sichuan-Artakademie. Ich war in diesem Projekt als einziger deutscher Künstler vertreten. Es gab in China eine Wanderausstellung, die ich zusammen mit Prof. Wang Mingping abhalten durfte. über 250.000 Leute habe diese Ausstellung gesehen. Wang Mingping ist ein Kulturminister und ein sehr berühmter und angesehener Künstler in China. Zusammen wollten wir diese Ausstellung in Deutschland machen. Da aber hierzulande so etwas umfassend geplant und genehmigt werden muß, sind wir bereits am sehr träge arbeitenden Auswärtigen Amt gescheitert. Wir haben diese Ausstellung dann auf eigen Kosten in Baden-Baden durchgeführt. Von der chinesischen Seite waren mehrere hochrangige Beamte, Konsule etc. vor Ort. Von der deutschen Seite lediglich der stellvertretende Bürgermeister. Später hatte ich noch schriftlich die Info erhalten, mich aus kultur-politischen Themen heraus zu halten. Diese Vorgehensweise wäre in China undenkbar gewesen. In China selbst wurde ich nicht mit der Politik direkt konfrontiert, obwohl ich viel Kontakt zu solchen Leuten hatte. Ich denke es war Voraussetzung sich nicht zu äußern.

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Gab es „schlechte“ Erfahrungen bzw. Gewissensbisse wo Sie erlebtes doch gerne kommentiert hätten?

Schlechte Erfahrungen gab es auch ziemlich viele. Vom Verlust einer stattlichen Anzahl meiner Bilder bis hin zur Korruption und Geldgier. Ein schlechtes Gewissen hatte ich eigentlich nie, obwohl ich manchmal die „kleinen“ Mitarbeiter und Helfer oft bedauert habe, die mir letztendlich am meisten geholfen haben.

43 mal in 12 Jahren? Flugangst scheinen Sie nicht zu haben. Geht das Kapitel China für Sie weiter?

Nein sicherlich keine Flugangst. Aber bisher war auch noch nirgends ein Zwischenfall. Die Chinesischen Airlines sind sehr sicher.
Alles wartet auf irgendein Ende der Corona-Pandemie. Ich stehe im ständigen Kontakt mit der derzeitigen Managerin in Shanghai. Ca. 50 Gemälde befinden sich sicher eingelagert in Hohot (Innere Mongolei). Geplant sind Ausstellungen im Artmuseum in Hong Kong, verschiedene Kunstmessen wie Artfair oder Artexpo in Shanghai und Peking. Ebenfalls gehen 2 Werke an Christi ́s zur Versteigerung nach Peking, dies allerdings erst nach der Artfair.

Was kommt nach China?, ein „neues“ Land? Oder haben Sie alles gesehen?

Nun ich denke im Betracht auf mein Alter will ich nicht all zu viele Experimente mehr starten. Ich habe Anfragen aus Singapur, Taiwan oder Südamerika. Das einzige was ich, außer China noch machen würde, ist Japan. Aber da verhält es sich nicht anders sonst wo auf der Welt. Ohne großes Glück und die richtigen Verbindungen ist man mit normalen“ Budget schon am Ende bevor es angefangen hat. Die USA auf keinen Fall mehr. VAE habe ich auch schon hinter mir und wird so auch nicht mehr im Programm sein.

Sind Ausstellungen in Deutschland für Sie noch reizvoll?

Ich bin eigentlich bei jeder Ausstellung dabei und setze da keine großen Prioritäten. Ich habe hier in der Region auch schon Ausstellungen in Krankenhäusern hinter mir und empfinde das als nicht schlimm so etwas zu machen. Nur eben Kunstmärkte oder wenn ich es mal so sagen darf, Hausfrauenmärkte oder Hobbykunstveranstaltungen mache ich nicht mit. Eigentlich ist mir der Kunstmarkt in Deutschland am Wenigsten bekannt. Als Autodidakt habe ich es sehr schwer mich irgendwo in Germany zu behaupten. Die Ansehensweisen mancher Galeristen ist für mich echt fragwürdig. Da ist es wieder… das Thema Kunst. Darüber will ich nichts mehr sagen und bin es leid gerade aufgrund meines Stil mich zu rechtfertigen. Ich glaube , da kann man schon eine gewisse Art von Frustration herauslesen. Ich habe hier aber auch mein Kunden und Interessenten. Reizvoll ist für mich jede Ausstellung, der Kontakt zu anderen Künstlern und Kunstinteressenten.

Wer war die größte Persönlichkeit die Sie bei einer Ausstellung in China kennenlernen durften?

Eigentlich gibt es da einige Persönlichkeiten die gleichermaßen wichtig sind. Aber am meisten hat mich das Treffen mit einem der größten Chinesischen Gegenwartskünstler, der auch international bekannt ist, Zhou Chunya, beeindruckt.

Welches Kunstwerk was Sie in China gesehen haben hat Sie am meisten beeindruckt?

Namen von Bildern oder Künstler kann ich mir auf chinesisch nicht merken, aber der Besuch der Staatlichen Kunstgalerie in Peking spricht für sich. Da war ein Gemälde von ca. 15 Meter Länge und 6 Metern Höhe. Das war einfach etwas , was ich noch nie so gesehen hatte. Auch alles andere was gemalt wurde ist einfach unbeschreiblich, das Können der Maler, Detailreich bis auf den mm, erschaffen über Jahre hinweg.

Ein chinesischer Künstler den Sie uns ans Herz legen wollen?

Wang Mingping und eben Zhou Chunya.

3 wichtige Unterschiede des deutschen Kunstmarktes und des chinesischen?

In erster Line ganz klar der Stil. Die Mittelschicht in China ist sehr gewachsen, was die meisten finanziell gut stellt. Wie ich immer wieder gehört habe, sind viele Chinesen des traditionellen Stil überdrüssig. Man will sich zuhause so einrichten, wie man glaubt es in Europa der Fall ist. Man will den gleichen Porsche oder Mercedes fahren und auch die gleichen Dinge an die Wand hängen. Dies war ein Vorteil für mich, da ich durch meine bunte Art und Weise zu malen aufgefallen bin und es so auch gefallen hatte. Natürlich musste ich mich anpassen, total abstrakte Kunst hat nicht funktioniert. Sicherlich gibt es sehr viele chinesische Künstler die dies auch tun, aber die habe es schwerer, weil es ja nicht so ganz zur chinesischen Kultur passt. Der Kunstmarkt ist sehr geteilt. es gibt ganze Straßenstriche in Peking z.B. die nur Bilder malen. Technisch hervorragende Arbeiten, aber meistens Kopien von irgendwas. das sind Dinge für den Export oder für die, die wenig Geld haben. Dann die absolut hochpreisigen traditionellen Gemälde, die dann mal schon 2-stellige Millionenbeträge kosten, aber ein sehr großer Markt beinhaltet. Ein weiterer Unterschied, mal von den ganz teuren Objekten abgesehen, ist das Material. Leinwände sind noch einigermaßen in Ordnung, aber Keilrahmen oder Bilderrahmen sind aus Plastik oder Bauholz. Die Farben sind billig und für mich zumindest keine Alternativen zu dem was es hier gibt. Davon wird bestimmt auch viel in China hergestellt, aber man bekommt es dort nicht zu
kaufen oder nur sehr schwer.

Der Kunstmarkt in China ist gewaltig mit Potential bestückt. Es gibt einfach schon mal wegen der Bevölkerungszahl viel mehr Käufer und das in Hinsicht des Kapitals. Wenn man in die Lagekommt, in China auszustellen, ist von vorne Weg ein gewisser Erfolg vorprogrammiert und dies ist der wichtigste Punkt. Ich musste mich sozusagen auf die Wünsche der Kundschaft dort einstellen, dann war es ein einfacher Weg. Man kann sehr viel Geld verdienen wenn man geschickt ist und über manche Ding hinwegsieht und auch Abstriche macht. Es gibt sehr viel Kunstsammler, die sehr sehr viel Geld für westliche Kunst ausgeben. Da ist aber ein guter Name nicht immer der Türöffner. Ich traf 2015 auf eine Ausstellung eines der Top Künstler aus Deutschland, der international auch an der Front steht. Er hatte aber nicht so den Erfolg und Publicity, den er sonst hatte. Als erstes war seine Überheblichkeit und Arroganz was keinem passte. Das andere Problem waren seine Gemälde. Zu abstrakt, provozierend, für Chinesen hässlich und mit, wie man mir sagte, Fratzen übersäht, was an das chinesisch-japanische Massaker erinnert hat. In Deutschland wären solche Äußerungen, schon wegen des Namens, nie gewagt worden. Am Schluss kann ich nur sagen, es war größtenteils Glück, die richtigen Leute getroffen zu haben und gewissermaßen tolerant allem Neuen entgegenzutreten.

Und als letztes, welche chinesische Speise hat es Ihnen angetan?

Traditionelle chinesische essen ist nicht so wie man es hier aus dem Chinarestaurant kennt. Es ist in jeder Provinz anders. Der deutsche Gaumen ist da manchmal wirklich bis auf das Letzte ausgereizt. Von der Verträglichkeit über die Inhalte ist es immer etwas anderes. Ich persönlich kam nicht klar damit, was vielleicht daran liegt, dass ich da ziemlich verwöhnt bin. Am liebsten esse ich Fire-Reis oder Nudeln mit Garnelen. Alle 2 oder 3 Tage musste ich aber immer in irgendeinen Paulaner Biergarten gehen und was „Normales“ essen. Deutsche Küche findet man in Großstädten häufig. In Chengdu war ich sehr oft bei einem Freund aus Baden-Baden, der dort eine kleine Imbisskette hatte mit Döner und Currywurst. Mahlzeit

Weitere Informationen

Einen weiteren Erfahrungsbericht finden Sie hier: Karriere als Künstler in China? – Ein Erfahrungsbericht

Weitere Informationen über Elmar Hund gibt es auf seiner Website: ARTJUST

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