Mit der Ausstellung Trasferta zeigt Paolo Moretto gemeinsam mit dem Künstler Axel Beyer im Hamburger Offspace nachtspeicher23 eine Serie von Arbeiten, die sich zwischen Collage, Objekt und Malerei bewegen. Seine Werke erscheinen wie visuelle Schichtungen – aus Fotografien, Materialien und Spuren, die sich zu offenen Bildräumen verdichten.
Paolo Moretto im Interview – Zwischen Fragment, Erinnerung und Haltung
Paolo Moretto, geboren 1959 in Verona, Italien. Seine Ausbildung erhielt er in den Jahren 1985 bis 1989, sowohl in der staatlichen Kunstschule für Bildhauer „Scuola d´Arte Paolo Brenzoni“ in Verona (Schüler von L. Brazzarola) als auch bei dem Privatdozent für Kunstgeschichte und Malerei, G. Longhetto.
1998 war Moretto Stipendiat der Druckwerkstatt der Städtischen Galerie Wolfsburg, 2003 erhielt er ein Arbeitsstipendium im Paul-Ernst-Wilke-Atelier/Bremerhaven Anfang bis Mitte der 90er Jahre war Paolo Moretto in Oldenburg ansässig und dort Mitglied der inzwischen historischen Produzentengalerie und Ateliergemeinschaft KARG. Heute lebt und arbeitet Moretto als freischaffender Künstler in Hamburg, Deutschland.
Dort zeigt er aktuell auch gemeinsam mit Axel Beyer die Ausstellung TRASFERTA. Der Titel der Ausstellung – „Unterwegssein“ – lässt sich dabei nicht nur geografisch lesen, sondern auch als künstlerisches Prinzip: Morettos Praxis ist geprägt von Bewegung im Denken, im Material und im Bild. Ausgangspunkt ist Neugier, verstanden als Form von Forschung. Daraus entstehen Arbeiten, die weniger linear erzählen als vielmehr Assoziationen freisetzen – ohne dabei auf narrative Tiefe zu verzichten.
Gleichzeitig zeigt sich in seiner Haltung eine deutliche Distanz zum etablierten Kunstbetrieb. Moretto versteht Kunst als eigenständigen Denkraum – jenseits von Marktlogiken und schnellen Lesbarkeiten. Seine Arbeiten fordern Aufmerksamkeit, Zeit und die Bereitschaft, sich auf Fragment und Vieldeutigkeit einzulassen.
Über Paolo Moretto
Paolo Moretto arbeitet mit Collage, Mixed Media und objekthaften Konstruktionen. Seine Bildsprache speist sich aus Fragmenten – visuellen wie materiellen – und verbindet persönliche, historische und kulturelle Referenzen.
Inspiration findet er häufig in unspektakulären Kontexten: Industriegebiete, urbane Zwischenräume oder Überreste von Werbeplakaten werden zu Ausgangspunkten seiner Arbeiten. Dabei ist der Zufall weniger prägend, als es zunächst scheint – vielmehr folgt jede Kombination einer bewussten Setzung.
Seine künstlerischen Einflüsse reichen von historischen Avantgarden bis zur Nachkriegsmoderne, darunter Positionen wie Robert Rauschenberg, Mario Schifano oder Sigmar Polke. Auch Strömungen wie Dada, Pop Art oder der Situationismus bilden wichtige Bezugspunkte.
„Nur die Götter wissen, wann es fertig ist“ – Paolo Moretto
Auszüge aus dem Gespräch mit Paolo Moretto
Wie würden Sie Ihre künstlerische Sprache in einem Satz beschreiben?
„Mir fehlt ein passender Ausdruck … nur ein Wort: situationistisch.“
Welche Rolle spielt Bewegung oder Reise in Ihrer Arbeit?
„Ich reise relativ gerne – aber nur in Europa. Ein Flug darf nicht länger als drei Stunden dauern.“
Wie entsteht eine neue Arbeit?
„Ich glaube, Neugier ist die Grundlage der Forschung.“
Wie entscheiden Sie, welche Materialien zusammenkommen?
„Ich entscheide anhand des Themas, das ich mir selbst vorgeschlagen habe.“
Wann ist eine Arbeit für Sie fertig?
„Das hängt davon ab … sobald mich die Kombination zufriedenstellt. Aber das heißt nicht, dass es fertig ist – nur die Götter wissen es!“
Welche Rolle spielt der Zufall in Ihren Collagen?
„Der Zufall spielt in dem von mir geschaffenen System eine minimale Rolle; bewusst muss alles zusammenpassen.“
Was inspiriert Sie im Alltag?
„Gewöhnliche Plätze, Industriegebiete – und Überreste von Werbeplakaten.“
Arbeiten Sie eher narrativ oder assoziativ?
„Wenn wir assoziativ im sozialen Sinne meinen … ja. Aber an Erzählung mangelt es nicht.“
Warum arbeiten Sie in Serien?
„Serielle Kreation umfasst eine Vielzahl von Perspektiven – und nimmt eine eher erzählerische Bedeutung an.“
Welche Rolle spielt der Ausstellungsraum?
„Ein Ausstellungsraum ist die Bühne der Erzählung. Im nachtspeicher23 spielt er durch seine besonderen und begrenzten Dimensionen eine herausfordernde Rolle.“
Arbeiten Sie gerne mit anderen zusammen?
„Ja – ein intellektueller Austausch muss stattfinden, auf Grundlage von Kompromissen.“
Welche Einflüsse prägen Ihre Arbeit?
„Russischer Suprematismus, Dada, Futurismus, Situationismus, internationale Pop Art … und Künstler wie Rauschenberg, Schifano, Polke, Dieter Roth, Martin Kippenberger …“
Wie stehen Sie zum Kunstmarkt?
„Der Kunstmarkt … pfeif drauf! Der ist purer Dreck!“
Kann Collage heute noch subversiv sein?
„Die Kunstwelt befindet sich im kompletten Chaos … der einzige Weg ist, im ‚Underground‘ zu bleiben, um tun zu können, was man will.“
Weitere Informationen
Mehr über den Künstler finden Sie auf seiner Webseite: https://www.paolomoretto.com/biographie/
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