Die Ausstellung *„#printisnotdead #printiskillingyou – Teil 6“* in der Galerie BOHAI e. V. in Hannover widmet sich einem Medium, das im Zeitalter digitaler Bildproduktion erstaunlich lebendig geblieben ist: der Druckgrafik. Seit 2021 stellt die Ausstellungsreihe künstlerische Positionen vor, die analoge Druckverfahren als zentrale Ausdrucksform nutzen – ein bewusst gesetzter Kontrapunkt zu einer Welt, in der Bilder meist immateriell und massenhaft zirkulieren.
Kunst in Hannover: Gfeller + Hellsgård Ausstellung in der Galerie Bohai
Mit der aktuellen Ausgabe der Reihe #printisnotdead #printiskillingyou sind *Gfeller + Hellsgård* zu Gast in Hannover. Die Galerie Bohai zeigt das international renommiertes Künstlerduo, das seit zwei Jahrzehnten die Möglichkeiten des experimentellen Siebdrucks und anderer analoger Drucktechniken ausgelotet hat.
Gezeigt werden 14 großformatige mixed media Kunstwerke, sowie 2 Serien mit verschiedenen Motiven und Auflagen. Die Ausstellung bietet einen konzentrierten Einblick in eine künstlerische Praxis, die den analogen Druck nicht als nostalgisches Medium versteht, sondern als radikal zeitgenössisches Experiment.
Die Vernissage fand am 06.03.2026 statt. Die Ausstellung ist noch bis zum 29. März zu den regulären Öffnungszeiten der Galerie Bohai zu besichtigen. Teil des Rahmenprogrammes ist eine Filmvorführung »Playtime«, Jacques Tati, FRA/ITA 1967 am Do. 19.03. 18:30 Uhr. Kostenfreier Eintritt. Anmeldung erforderlich. Sowie ein Artist Talk am So. 29.03. um 16:00 Uhr.
Von Punkpostern zur musealen Druckkunst
Hinter dem Namen Gfeller + Hellsgård stehen die Künstler *Christian „Meeloo“ Gfeller* und *Anna Hellsgård*, deren Zusammenarbeit aus der unabhängigen Grafik- und Musikszene der 1990er Jahre hervorging. Ihre ersten Arbeiten entstanden im Umfeld von Punk-, Noise- und Independent-Kultur in Straßburg: Poster, Zines und visuelle Experimente, die eng mit subkulturellen Netzwerken verbunden waren.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich diese grafischen Experimente zu einem eigenständigen künstlerischen Werk. Das Duo entwarf unter anderem Plakat- und Coverarbeiten für Musiker wie Sonic Youth, PJ Harvey, Nick Cave oder Animal Collective – ein Umfeld, das ihre visuelle Sprache nachhaltig geprägt hat.
Heute finden sich Arbeiten des Duos in bedeutenden internationalen Sammlungen, darunter das Museum of Modern Art in New York, das Metropolitan Museum of Art oder die Staatsbibliothek zu Berlin.
Der Druck als Experiment
Das künstlerische Interesse von Gfeller + Hellsgård richtet sich weniger auf die Perfektion eines einzelnen Drucks als auf den Prozess selbst. Typisch für ihre Arbeit ist ein vielschichtiges Vorgehen: Fotokopieren, Ausschneiden, Collagieren und das Überlagern von Bildfragmenten bilden die Grundlage für komplexe Siebdrucke mit intensiven Farbflächen.
Gerade das Unvorhersehbare im Druckprozess – Verschiebungen, Farbüberlagerungen oder scheinbare „Fehler“ – wird von den Künstlern bewusst als gestalterisches Mittel eingesetzt. Was im klassischen Druck als Makel gelten würde, erscheint hier als ästhetischer Mehrwert. Seit etwa 2011 konzentrieren sie sich zunehmend auf freie, nicht-figurative und experimentelle Arbeiten, in denen der Druck selbst zum Thema wird.
Raum, Material und Transparenz
Für die Ausstellung in Hannover hat das Duo eine ortsspezifische Installation entwickelt. Großformatige Plexiglasscheiben, bedruckt mit Spiegel- und Transparentfarben, verwandeln den Ausstellungsraum in ein vielschichtiges Spiel aus Reflexion, Farbe und Überlagerung.
Typisch für Gfeller + Hellsgård ist dabei die Erweiterung der Druckgrafik in den Raum: Bedruckt werden nicht nur Papier, sondern auch Materialien wie Holz, Glas oder Alltagsobjekte. Dadurch entstehen Arbeiten, die zwischen Grafik, Installation und Objektkunst oszillieren.
Der Raum selbst wird so Teil des Bildes – ein Konzept, das an experimentelle Traditionen der Druckgrafik seit den 1960er Jahren erinnert, gleichzeitig aber stark von der Do-it-yourself-Ästhetik der Independent-Kultur geprägt bleibt.
Druckkunst als kulturelle Haltung
Die Ausstellung macht deutlich, dass analoge Druckverfahren keineswegs nostalgische Relikte sind. Im Gegenteil: Gerade ihre Materialität und Prozesshaftigkeit verleihen ihnen eine besondere Relevanz und Individualität in einer Zeitdigitaler Bilderfluten. Die Serie *„#printisnotdead #printiskillingyou“* formuliert diese Gedanken bereits im Titel – als ironisches Manifest für ein Medium, das immer wieder totgesagt wird und dennoch beständig neue Ausdrucksformen hervorbringt.
Gfeller + Hellsgård zeigen eindrucksvoll, dass Druckgrafik nicht nur reproduzierendes Handwerk ist, sondern ein experimentelles Feld zwischen Kunst, Design und visueller Kultur.
Einen Einblick in die Ausstellung finden Sie auf dem Instagram-Kanal des Künstlerduos.
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Galerie Bohai e.V. Hannover
Der Galerie BOHAI e. V. ist ein gemeinnütziger Kunstverein. Sie sehen sich als ein Ort für zeitgenössische Bildende Kunst und bieten Kunst- und Kulturschaffenden einen Raum, um unter umfassender Begleitung ihre Arbeiten auszustellen. Bei ihnen steht Kunst für eine Möglichkeit für menschlichen Ausdruck und zwischenmenschlichen Austausch. Dabei ist es ihr Anspruch, demokratische Strukturen und Werte unserer Zivilgesellschaft zu verteidigen und zu stärken. Kunst leistet einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Der Kunstverein ist ein Dritter Ort für alle Menschen, unabhängig von sozialer oder ethnischer Herkunft, Geschlecht, Alter, Religion, Begabung und Bildung. Der Verein räumen der Vermittlung einen hohen Stellenwert ein. Der Zugang zur Kunst wird durch ein Rahmenprogramm gefördert. Sie bieten Formate der Kulturellen Bildung, um das eigene künstlerische Arbeiten anzuregen. Der Verein sieht sich als Teil der Freien Szene und engagieret sich für kulturpolitische Netzwerkarbeit.
Das Programm, die Öffnungszeiten und weitere Informationen zur Galerie finden Sie hier: https://www.galeriebohai.com/program-2026
Weitere Informationen
Mehr über die Künstler finden Sie hier: https://gfellerhellsgard.com/
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