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„Fictional Healing“
Daniel Hopp im Interview: Zwischen Realität, Spiel und Beziehung

Daniel Hopp. Ficitonal Healing, 2025/26. Filmstill Courtesy der Künstler /ania maria wanda - Daniel Hopp im Interview: Zwischen Realität, Spiel und Beziehung - Fictional Healing / Fiktionale Heilung Ausstellung im Kunsthaus Hamburg. Kunst entdecken auf ARTTRADO Plattform für Kunst und Kultur. Fotokunst Filmkunst Hamburg. Kunstveranstaltung Presse

Daniel Hopp im Interview: Zwischen Realität, Spiel und Beziehung Daniel Hopp ist ein zeitgenössischer Künstler, der sich mit den Schnittpunkten
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In seiner neuen Ausstellung „Fictional Healing“ in Hamburg lädt der Künstler Daniel Hopp die Besucher:innen ein, eine Welt zu betreten, die sich zwischen Selbstermächtigung, Kontrollverlust und absurden Momenten bewegt. Hopp verhandelt in seiner Arbeit Grenzen zwischen Fiktion und Realität, zwischen Partizipation und Verantwortung – und zeigt, wie Kunst aus Beziehung und Spiel entsteht. Wir haben mit ihm über seine Arbeitsweise, gesellschaftliche Randzonen und die Entstehung seiner Bilder gesprochen.

Daniel Hopp im Interview: Zwischen Realität, Spiel und Beziehung

Daniel Hopp ist ein zeitgenössischer Künstler, der sich mit den Schnittpunkten von Fiktion, Realität und gesellschaftlichen Randzonen beschäftigt. Häufig arbeitet er partizipativ und kollaborativ, indem er andere Menschen in seine Projekte einbezieht. Humor, Instabilität und das Spiel mit Machtverhältnissen sind zentrale Elemente seiner Arbeit. Mit seinem Alter Ego Daniel Benjamin hinterfragt er Rollen, Beziehungen und die Grenzen der Darstellung – immer in einem Spannungsfeld zwischen Dokumentation und Fiktion.

Mehr über seine Ausstellung finden Sie hier: Fictional Healing im Kunsthaus Hamburg

Interview mit Daniel Hopp

Wenn Sie Ihre Arbeit in einem Satz beschreiben müssten – welche Geschichte erzählen Ihre Bilder eigentlich?

„Fictional Healing“ zeigt eine Realität, die nicht stabil ist. Sie schwankt zwischen Selbstermächtigung und Kontrollverlust und das ist schmerzhaft, lustig und absurd.

Erinnern Sie sich an einen Moment während der Arbeit, der Sie besonders überrascht hat?

Der Moment, als mein Alter Ego Daniel Benjamin merkt, dass sich bei „Fictional Healing“ nicht alles nur um ihn dreht. Alleine wäre da nie draufgekommen, das hat der Arbeitsprozess mit Anderen hervorgebracht.

Warum interessieren Sie sich für gesellschaftliche Randzonen?

Vielleicht weil ich selbst nie das Gefühl hatte, in der „Mitte“ zu stehen. Ich kenne diese Zwischenräume ziemlich gut – auch durch eigene Erfahrungen, die mich an den „Rand“ gebracht haben.

„Fictional Healing“ ist eine Einladung, sich mit Obdachlosenunterkünften, Freundschaft, 5-Euro-Sex, Crack, Zärtlichkeit oder der Beseitigung einer Leiche zu beschäftigen. Ich lade die Besucher ein, sich einfach auf das Spiel einzulassen. – Daniel Hopp

Wann wissen Sie, dass eine Idee stark genug für ein Projekt ist?

Wenn ich sie nicht erklären kann.

Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Kunst mehr redet als verändert?

In „Fictional Healing“ reden wir sehr viel. Sprache ist hier selbst Handlung. Erst das Sprechen verschiebt die Rollen. Teilnehmende übernehmen die Rolle der Regie, die Regie wiederum wird zum Schauspieler. Diese sorgsamen Machtverschiebungen sind immer fragil. Die Sprache bricht dann auch manchmal zusammen. Sie wird fragmentarisch, aggressiv oder zirkulär.

Das zeigt sich besonders in emotionalen oder eskalierenden Momenten. Hier wird die Sprache nicht mehr kontrolliert, sondern passiert einfach. Das Zusammenspiel von Sprache und Veränderung ist eine wesentliche Erfahrung, die man beim „Fictional Healing“ macht.

Werden Themen wie Ausgrenzung in Zukunft verschwinden?

Gesellschaften produzieren ständig neue Formen von Normalität – und damit auch neue Formen von Abweichung.

Wo endet die künstlerische Freiheit und wo beginnt Verantwortung?

Das ist eine permanente Verhandlung. Meine Arbeit verhandelt ständig zwischen den Handlungsspielräumen, die im Spiel erzeugt werden, und der Verantwortung gegenüber den realen Situationen, die in der Konsequenz entstehen.

Wie vermeiden Sie die Ästhetisierung von Leid?

Die Leute, mit denen ich arbeite, haben eine enorme Fantasie, Humor und Intelligenz. Das passt nicht in die Kategorien, die unsere Gesellschaft für sie vorgesehen hat – und genau daraus entstehen in Fictional Healing die Bilder, nicht aus einer Außenbeschreibung von Leid.

Ist Partizipation politisch oder eine Methode?

Beides. Ohne andere Menschen könnte meine Arbeit gar nicht entstehen. Gleichzeitig entsteht in jeder Zusammenarbeit eine politische Situation, weil Fragen von Macht, Verantwortung und Beziehung auftauchen – auch darin, wie Bilder entstehen, wer daran beteiligt ist und welche Beziehungen dabei sichtbar werden.

Kann Fiktion näher an der Wahrheit sein als Dokumentation?

In Fictional Healing wird Fiktion zu einer Praxis, in der Erfahrungen übersetzt werden – indem andere Körper sie spielen und neu anordnen. An einem Punkt wird mein Alter Ego Daniel Benjamin zum Beispiel gefragt: „Kann es sein, dass du versuchst, deinen Film dramatischer zu machen, als er ist?“ Dadurch wird etwas sichtbar, das im Dokumentarischen oft verborgen bleibt – weil die Realität selbst schon instabil ist und immer wieder hinterfragt wird.

Kann Kunst noch differenzierte Perspektiven zeigen?

Meine Arbeit zeigt die Differenz zwischen Erfahrung und Darstellung. Zwischen Leben und Spiel. In Fictional Healing bleibt unklar, was dokumentarisch und gespielt wurde. Diese Unschärfe ist produktiv.

Wie verhindern Sie, dass Menschen zu Material für Ihre Kunst werden?

Die Beziehung ist das Material. Fiktionale Heilung ist Beziehungsarbeit. Die Bilder entstehen aus diesen Beziehungen – in denen ich selbst genauso involviert bin. Die Frage ist, wer in einer Situation wen formt und welche Bilder daraus entstehen.

Ist das Publikum der Kunstinstitutionen ein Problem?

Auch ich liebe das Publikum von Fictional Healing. Weil es nicht außerhalb der Situation steht, sondern Teil der Beziehung ist – und damit selbst Teil der Bilder wird, die entstehen.

Funktioniert der Kunstbetrieb zu schnell für Ihre Arbeit?

Mich interessiert nur die Zeitlichkeit meiner künstlerischen Arbeit.

Warum spielt Humor eine Rolle in Ihren Arbeiten?

Weil Humor in Fictional Healing oft genau in den Momenten entsteht, in denen etwas kippt. Und weil ständig etwas außer Kontrolle gerät, muss man einfach lachen.

Welche Frage sollte das Publikum unbedingt stellen?

Wo kann ich jetzt sofort das Werk des Künstlers kaufen?

Weitere Informationen

Zur Webseite des Künstlers: https://www.daniel-hopp.com/

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