Gaby Fey inszeniert Kunstgeschichte unter Wasser: Ihre aufwendig choreografierten Fotografien verbinden ikonische Gemälde mit surrealen Unterwasserwelten und schaffen eine einzigartige Bildsprache zwischen Kontrolle, Zufall und Transformation.
Gaby Fey: Unterwasserfotografie zwischen Kunstgeschichte und Inszenierung
Die deutsche Fotokünstlerin Gaby Fey zählt zu den markantesten Positionen der zeitgenössischen Unterwasserfotografie. Ihre Arbeiten verbinden kunsthistorische Referenzen mit aufwendig inszenierten Bildwelten und bewegen sich an der Schnittstelle von Fotografie, Performance und visueller Erzählung.
Unterwasser als künstlerischer Raum
Das zentrale Element in Gaby Feys Arbeit ist das Wasser – nicht als Kulisse, sondern als eigenständiger Bildraum.
Ihre Inszenierungen entstehen vollständig unter der Wasseroberfläche, entweder im eigenen Pool oder im Mittelmeerraum in Südfrankreich, wo die Künstlerin regelmäßig arbeitet. Dort entwickelt sie komplexe Szenen, die in enger Zusammenarbeit mit Models, Kostümen und Requisiten entstehen.
Die Bedingungen unter Wasser verändern dabei jedes klassische Verständnis von Fotografie:
Licht bricht anders, Bewegungen verlangsamen sich, Stoffe beginnen zu schweben. Kontrolle und Zufall stehen in permanenter Spannung zueinander.
Gerade diese Unberechenbarkeit prägt die charakteristische Bildsprache ihrer Arbeiten.
„Historical Composings“ – Kunstgeschichte unter Wasser neu gedacht
Einem breiteren Publikum wurde Gaby Fey durch ihre Serie der sogenannten historical composings bekannt.
In diesen Arbeiten überträgt sie ikonische Werke der Kunstgeschichte in eine unterwasserbasierte Bildsprache und setzt sie fotografisch neu in Szene.
Zu den bekanntesten Referenzen zählen unter anderem:
„Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci
„Das Floß der Medusa“ von Théodore Géricault
„Die Freiheit führt das Volk“ von Eugène Delacroix
Statt bloßer Nachstellung entstehen eigenständige Interpretationen, in denen die bekannten Motive ihre statische Form verlieren. Körper, Stoffe und Objekte beginnen zu treiben, Perspektiven lösen sich auf, und historische Bildkompositionen werden in eine fast schwerelose Dramaturgie überführt.
So entsteht eine neue Lesart kunsthistorischer Ikonen – zwischen Wiedererkennbarkeit und Auflösung.
Neue Werkreihe: „Partition de fleurs“
Mit ihrer aktuellen Serie „Partition de fleurs“ erweitert Gaby Fey ihr künstlerisches Vokabular.
Im Zentrum stehen Blumenstillleben, die sich auf die Tradition der Vanitas-Malerei des Barock beziehen – ein Motivkreis, der Vergänglichkeit, Schönheit und Tod thematisiert.
Doch statt klassischer Malerei nutzt Fey erneut die Unterwasserfotografie als Medium. Florale Arrangements werden in Bewegung versetzt, ergänzt durch lebendige Elemente wie Fische oder Quallen, die traditionelle Vanitas-Symbole ersetzen.
Die Serie verbindet kunsthistorische Referenz mit zeitgenössischer Bildsprache und überführt das Stillleben in einen fließenden, organischen Zustand.
Zwischen Kontrolle und Kontrollverlust
Ein zentrales Spannungsfeld in Feys Arbeit ist die Balance zwischen präziser Inszenierung und zufälliger Bewegung.
Jede Szene wird detailliert vorbereitet – von der Komposition über das Licht bis hin zu Kostüm und Choreografie. Gleichzeitig bleibt das Wasser ein nicht vollständig kontrollierbares Element, das jede Planung im Moment der Aufnahme verändert.
Diese Spannung zwischen Kontrolle und Auflösung verleiht ihren Arbeiten eine besondere ästhetische Qualität: Sie wirken zugleich komponiert und lebendig, konstruiert und organisch.
Unterwasserfotografie als Erweiterung der Wahrnehmung
Die Arbeiten von Gaby Fey zeigen, wie stark sich Fotografie als Medium erweitern lässt, wenn klassische Grenzen aufgehoben werden.
Ihre Bildwelten bewegen sich zwischen Kunstgeschichte, Inszenierung und fotografischer Experimentierpraxis. Dabei entstehen Arbeiten, die vertraute Motive neu lesbar machen und zugleich Fragen nach Erinnerung, Vergänglichkeit und Transformation aufwerfen.
Eine feste Größe der zeitgenössischen Fotokunst
Mit ihrem unverwechselbaren Ansatz hat sich Gaby Fey als eigenständige Stimme in der internationalen Fotografie etabliert.
Ihre Werke verbinden technische Präzision mit erzählerischer Dichte und erweitern das Verständnis von Fotografie als künstlerischem Medium.
Ob großformatige historische Tableaus oder fragile Stillleben unter Wasser – ihre Arbeiten öffnen einen Raum, in dem sich Kunstgeschichte, Körper und Natur auf neue Weise begegnet.
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