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The World is falling apart
Alexandra Kordas im Grenada-Pavillon der Biennale Arte 2026

"The World is falling apart" von Alexandra Kordas im Grenada-Pavillon Biennale 2026. The World is falling apart Skulptur. Die Poetik der Korrespondenz kuratiert von Daniele Radini Tedeschi. Photo: Tobias Hase Munich, Germany, 29.01.2026

Alexandra Kordas im Grenada-Pavillon der Biennale Arte 2026 Mit The World is falling apart setzt die Münchner Künstlerin Alexandra Kordas
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Im Grenada-Pavillon der Biennale Arte 2026 entfaltet Alexandra Kordas mit The World is falling apart eine leise, aber eindringliche Skulptur über Fragilität, Übergang und das Gleichgewicht im Zerfall. Eingebettet in das Konzept der „Poetik der Korrespondenz“ wird das Werk zu einem sensiblen Resonanzraum für eine Welt im Umbruch.

Alexandra Kordas im Grenada-Pavillon der Biennale Arte 2026

Mit The World is falling apart setzt die Münchner Künstlerin Alexandra Kordas im Pavillon von Grenada einen stillen, aber nachhaltigen Akzent innerhalb der Biennale. Eingebettet in das kuratorische Leitmotiv In Minor Keys und den spezifischen Ausstellungskontext des Pavillons entfaltet die Skulptur ihre Wirkung nicht isoliert, sondern als Teil eines vielstimmigen, relational gedachten Gefüges.

Die Poetik der Korrespondenz

Der von Daniele Radini Tedeschi kuratierte Beitrag Grenadas steht unter dem Titel „Die Poetik der Korrespondenz“ und versteht sich als reflexiver Raum des Austauschs – zwischen Inseln, Kulturen, Materialien und historischen Erfahrungen. Ausgangspunkt ist die Vorstellung, dass Bedeutung nicht linear entsteht, sondern in Netzwerken: als ein Prozess von Beziehung, Resonanz und gegenseitiger Formung. Der Pavillon begreift Grenada dabei nicht nur geografisch, sondern als Knotenpunkt einer erweiterten, diasporischen und ökologischen Verflechtung.

In diesem Kontext erscheint Kordas’ Skulptur wie eine Verdichtung genau dieser Idee. The World is falling apart operiert nicht als singuläres Objekt, sondern als sensibles Element innerhalb eines größeren Systems von Bezügen. Ihre Form wirkt fragmentiert und zugleich verbunden – als würde sie selbst in einem Zustand permanenter Korrespondenz stehen: mit dem Raum, mit anderen Arbeiten, mit den Betrachtenden.

Fragment und Übergang: Formen des Zerfalls

Der Titel legt eine drastische Lesart nahe, doch das Werk verweigert jede plakative Zuspitzung. Stattdessen entfaltet sich eine fragile Struktur zwischen Stabilität und Auflösung. Dunkle, verdichtete Partien stehen neben helleren, offeneren Fragmenten; tektonische Verschiebungen treffen auf Momente fast schwebender Ruhe. Zerfall erscheint hier nicht als Endpunkt, sondern als Übergangszustand – als etwas, das neue Relationen überhaupt erst ermöglicht.

Gerade darin berührt sich die Arbeit mit dem kuratorischen Denken des Pavillons. „Die Poetik der Korrespondenz“ versteht Kunst nicht als abgeschlossenes Objekt, sondern als Beziehung – als fortlaufenden, dialogischen Prozess. Diese Idee, die sich auch auf Denker wie Édouard Glissant und Tim Ingold bezieht, wird in Kordas’ Skulptur auf eine körperlich erfahrbare Ebene übersetzt. Ihre Arbeit „antwortet“ nicht, sondern tritt in ein Verhältnis ein – sie bleibt offen, reagierend, unabschließbar.

Raum und Resonanz: Der Pavillon als Träger der Bedeutung

Auch der Ausstellungsort verstärkt diese Lesart. Der Pavillon befindet sich im Spazio Berlendis im venezianischen Stadtteil Cannaregio – einem historisch vom Austausch geprägten Gebiet, dessen Nähe zum Wasser und zu Handelsrouten die Idee von Zirkulation und Verbindung räumlich erfahrbar macht. Die Skulptur steht hier nicht neutral im Raum, sondern ist Teil einer Umgebung, die selbst als Metapher für Weitergabe, Strömung und Resonanz fungiert.

Innerhalb dieses Gefüges entfaltet The World is falling apart eine eigentümliche Intensität. Sie ist keine laute Geste, sondern ein insistierendes Moment der Verlangsamung. Während viele Beiträge der Biennale globale Krisen und Umbrüche direkt adressieren, verschiebt Kordas den Fokus: weg von der Darstellung äußerer Zustände hin zu deren innerer Erfahrung. Ihre Skulptur macht nicht den Zerfall der Welt sichtbar, sondern das Empfinden eines solchen Zustands – ein fragiles Gleichgewicht zwischen Unsicherheit und Möglichkeit.

Die Künstlerin: Alexandra Kordas

Alexandra Kordas (1958, München) fand vergleichsweise spät zur bildenden Kunst, nachdem sie zuvor als Schauspielerin und Drehbuchautorin tätig war. Diese biografische Verschiebung ist in ihrem Werk präsent: Ihre Skulpturen besitzen eine ausgeprägte Körperlichkeit und eine fast szenische Qualität, die Betrachtende unmittelbar einbindet.

Seit ihrem künstlerischen Durchbruch 2018 entwickelte sie eine eigenständige, introspektive Praxis, die sich mit Brüchen, Übergängen und existenziellen Grenzerfahrungen auseinandersetzt. Themen wie Verlust, Krieg und innere Spannungen durchziehen ihre Arbeiten, ohne je illustrativ zu werden. Formen entstehen aus einem prozesshaften, intuitiven Zugriff heraus – als Verdichtungen innerer Zustände, die sich einer eindeutigen Lesart entziehen.

Charakteristisch ist die Balance zwischen expressiver Geste und formaler Präzision. Kordas arbeitet mit Material als etwas Wandelbarem, Widerständigem – ihre Skulpturen erscheinen nie abgeschlossen, sondern bleiben in einem Zustand latenter Bewegung. In diesem Sinne fungieren sie als eine Art seismografisches Instrument: nicht für die großen Erschütterungen, sondern für die feinen, oft kaum wahrnehmbaren Verschiebungen darunter.

Ihre Arbeiten wurden in den letzten Jahren international gezeigt, unter anderem in Rom, Madrid, London, Zürich und New York City. 2026 folgt eine Einzelausstellung in der Kunsthalle LV 1871 in München.

Mit The World is falling apart gelingt Alexandra Kordas innerhalb des Grenada-Pavillons ein Werk, das die Idee der Korrespondenz nicht nur illustriert, sondern verkörpert. Es ist eine Skulptur, die sich nicht festlegt, sondern in Beziehung bleibt – zu Raum, Kontext und Betrachtung. Und gerade in dieser Offenheit liegt ihre Präzision: als leise, aber nachhaltige Form des Denkens im Sinne der Biennale Arte 2026.

Der Grenada-Pavillon: Kontext, Akteure, Verflechtungen

Mit seiner neunten Teilnahme an der Biennale Arte 2026 positioniert sich der Pavillon von Grenada erneut als eine der konsequentesten Stimmen der Karibik im internationalen Kunstdiskurs. Organisiert vom Grenada Arts Council, versteht sich der Beitrag nicht nur als nationale Repräsentation, sondern als bewusst gesetzter Knotenpunkt globaler Beziehungen und kultureller Austauschprozesse.

Im Zentrum steht das Ausstellungskonzept „The Poetics of Correspondence“, kuratiert von Daniele Radini Tedeschi und verantwortet von Kommissarin Susan Mains. Der Pavillon denkt Kunst explizit als relationale Praxis: als ein Netzwerk aus Verbindungen zwischen Inseln, Diaspora, Materialien und Geschichten.

Diese Perspektive ist eng mit dem übergeordneten Biennale-Leitmotiv In Minor Keys verbunden, das – initiiert von Koyo Kouoh – den Fokus auf leise, relationale und nicht-spektakuläre Formen künstlerischer Artikulation legt.

Auffällig ist dabei die bewusste Verschiebung vom Objekt hin zur Beziehung: Kunst wird hier nicht als abgeschlossene Form verstanden, sondern als Prozess des „In-Korrespondenz-Tretens“ – mit anderen Werken, mit Kontexten und mit den Betrachtenden selbst.

Infobox: Grenada-Pavillon 2026

Titel: The Poetics of Correspondence
Biennale Arte 2026 – Leitmotiv: In Minor Keys
Ort: Spazio Berlendis, Cannaregio, Venedig.
Laufzeit: 9. Mai – 22. November 2026.
Preview: 6.–8. Mai 2026.
Eröffnung: 8. Mai 2026, 16:30 Uhr.
Kommissarin: Susan Mains.
Kurator: Daniele Radini Tedeschi.

Künstler:innen: Alexandra Kordas, Arthur Daniel, Josine Dupont, Edward Bowen, Russell Watson, Chris Mast & Lilo Nido, The Holzwege Group (Cinzia Bulone, Carlo Caldara, AyaMarray, Andrea Saltarelli, Luigina Fernanda Paola Cerrina).

Weitere Informationen

Mehr über den Grenada Pavillon finden Sie hier: https://grenadavenice.org/

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