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Neues Museum für visuelles Erzählen
George Lucas eröffnet Museum in Los Angeles: Star Wars, Frida Kahlo und Banksy

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Ein Museum, in dem Frida Kahlo, Vincent van Gogh und Norman Rockwell auf „Star Wars“, Comics, Manga und Arbeiten von
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George Lucas und Mellody Hobson eröffnen in Los Angeles das Lucas Museum of Narrative Art. Mehr als 40.000 Werke verbinden Malerei, Illustration, Comics, Fotografie und Filmgeschichte. Dabei geht es um eine grundsätzliche Frage: Warum trennt der klassische Kunstbetrieb noch immer zwischen Hochkultur und populären Bildern?

Ein Museum, in dem Frida Kahlo, Vincent van Gogh und Norman Rockwell auf „Star Wars“, Comics, Manga und Arbeiten von Banksy treffen, klingt zunächst wie eine ungewöhnliche Zusammenstellung. Genau diese Mischung ist jedoch das Programm des neuen Lucas Museum of Narrative Art in Los Angeles.

Am 22. September 2026 öffnet das von „Star Wars“-Schöpfer George Lucas und der Unternehmerin Mellody Hobson gegründete Museum erstmals regulär für das Publikum. Es widmet sich nicht einer bestimmten Epoche, Stilrichtung oder Kunstgattung, sondern dem Erzählen durch Bilder.

Die Sammlung reicht von historischen Gemälden und Illustrationen über Fotografie, Comics und Wandbilder bis zu Kostümen, Entwürfen und Requisiten aus der Filmgeschichte. Mehr als 40.000 Werke gehören inzwischen zum Bestand. Zur Eröffnung sind rund 1.300 Objekte in mehr als 30 Galerien zu sehen.

Das Lucas Museum will damit nichts weniger, als den Begriff des Kunstmuseums zu erweitern.

Mehr als ein „Star Wars“-Museum

Der Name George Lucas weckt zwangsläufig bestimmte Erwartungen. Viele Besucher dürften vor allem Lichtschwerter, Raumschiffe, Kostüme und Entwürfe aus „Star Wars“ sehen wollen. Diese gehören tatsächlich zur Sammlung – bilden aber nur einen Teil des Museums.

Lucas begann nach Angaben des Hauses bereits während seiner Studienzeit Kunst zu sammeln. Damals kaufte er originale Comiczeichnungen, weil sie zu den wenigen Arbeiten gehörten, die er sich leisten konnte. Aus diesen frühen Erwerbungen entstand über mehr als fünf Jahrzehnte eine Sammlung von über 40.000 Werken.

Gemeinsam mit Mellody Hobson entwickelte Lucas daraus die Idee für ein Museum, das unterschiedliche Formen visuellen Erzählens gleichberechtigt nebeneinanderstellt. Eine Illustration, ein Comic oder ein Filmkostüm soll nicht automatisch als kulturell weniger bedeutend gelten als ein Gemälde oder eine Skulptur.

Das Museum versteht narrative Kunst entsprechend weit: Gemeint sind Bilder, die Geschichten erzählen, Figuren erschaffen, gesellschaftliche Vorstellungen prägen oder gemeinsame Erinnerungen formen.

Damit ist das Lucas Museum deutlich mehr als ein öffentlich zugängliches Archiv der Filmkarriere seines Gründers.

Von Höhlenmalerei bis Banksy

Die Eröffnungsausstellungen zeichnen eine sehr weit gefasste Geschichte des visuellen Erzählens nach. Sie beginnt bei frühen religiösen und mythologischen Bildwelten und reicht bis zu Comics, Manga, Fotografie, Street Art und modernem Kino.

Zu den vertretenen Künstlerinnen und Künstlern gehören unter anderem Artemisia Gentileschi, Vincent van Gogh, Frida Kahlo, Norman Rockwell, Charles White, Jacob Lawrence, Diego Rivera, Takashi Murakami, Robert Capa, Gordon Parks, Judith F. Baca, Charles Schulz, Frank Miller und Banksy.

Einzelne Bereiche widmen sich Themen wie Liebe, Familie, Arbeit, Kindheit, Sport, Abenteuer und Gemeinschaft. Andere untersuchen bestimmte Medien und Genres – darunter Kinderbuchillustration, Comics, Manga, Graphic Novels, Fotografie, Wandmalerei, Fantasy und Film.

Die Zusammenstellung folgt damit weniger einer klassischen kunsthistorischen Chronologie als menschlichen Erfahrungen und wiederkehrenden Erzählmustern.

Besonders interessant ist die Einbeziehung von Kunstformen, die in traditionellen Museen lange nur am Rand vorkamen. Illustratoren wie Norman Rockwell, N. C. Wyeth und Jessie Willcox Smith erhalten eigene Galerien. Comiczeichner stehen neben Malern, Filmrequisiten neben Skulpturen und Straßenkunst neben historischen Bildwelten.

Banksy zieht ins Museum ein

Auch Banksy ist im neuen Museum vertreten. Nach Angaben des Hauses werden sowohl bekannte Arbeiten als auch bisher nicht öffentlich gezeigte Erwerbungen präsentiert, die direkt aus dem Studio des Künstlers stammen sollen.

Das ist bemerkenswert, weil Banksys Werk ursprünglich aus dem öffentlichen Raum kommt und sich wiederholt gegen die Mechanismen des etablierten Kunstmarktes gerichtet hat. In Los Angeles wird diese Kunst nun Teil einer dauerhaften Museumssammlung.

Damit stellt sich dieselbe Frage, die Banksys Karriere seit Jahren begleitet: Was geschieht mit subversiver Street Art, wenn sie gesammelt, konserviert und institutionell präsentiert wird?

ARTTRADO hat den Zusammenhang zwischen Künstlername, öffentlicher Erzählung und Marktwert bereits im Beitrag „Banksy, Stallone, Dylan: Warum im Kunstmarkt der Name mehr zählt als das Meisterwerk“ untersucht.

Im Lucas Museum wird Banksy allerdings nicht nur als teurer oder geheimnisvoller Künstler gezeigt. Seine Arbeiten stehen im Kontext öffentlicher Bilderzählungen – gemeinsam mit politischen Wandbildern, Illustrationen und visuellen Erzählformen, die außerhalb klassischer Museumsräume entstanden sind.

„Star Wars in Motion“ zeigt die Kunst hinter der Bewegung

Ganz ohne „Star Wars“ kommt das Museum selbstverständlich nicht aus. Die Eröffnungsausstellung „Star Wars in Motion“ konzentriert sich auf Fahrzeuge und Bewegung innerhalb der ersten sechs Filme der Saga.

Gezeigt werden Konzeptzeichnungen, Kostüme, Modelle und Requisiten – darunter Entwürfe zu Luke Skywalkers Landspeeder aus „Eine neue Hoffnung“ und der erste physische Bau von General Grievous’ Wheel Bike aus „Die Rache der Sith“.

Die Präsentation behandelt diese Objekte nicht lediglich als Erinnerungsstücke für Filmfans. Sie zeigt, wie Designer, Zeichner, Modellbauer, Kostümbildner und Spezialeffektteams gemeinsam eine glaubwürdige Bildwelt erschufen.

Gerade darin liegt ein wichtiger Unterschied zu vielen kommerziellen Filmausstellungen. Das Lucas Museum versucht, die Requisiten in eine umfassendere Geschichte visueller Gestaltung einzuordnen. Ein Raumschiff ist dann nicht nur ein berühmtes Objekt aus einem Film, sondern das Ergebnis von Zeichnung, Design, Modellbau, Erzählung und technischer Innovation.

Zum Bestand gehört das vollständige Lucas-Archiv aus den Jahren 1971 bis 2012. Es dokumentiert die Entstehung jener Filmwelten, mit denen George Lucas die globale Popkultur nachhaltig geprägt hat.

Warum Illustration lange nicht als große Kunst galt

Das Museum greift damit eine alte Hierarchie des Kunstbetriebs an. Gemälde, Skulptur und später Fotografie wurden in Museen gesammelt, erforscht und kunsthistorisch eingeordnet. Illustrationen, Comics, Plakate, Filmzeichnungen und andere populäre Bilder galten dagegen häufig als angewandt, kommerziell oder massenkulturell.

Dabei prägen gerade diese Bilder den Alltag vieler Menschen wesentlich stärker als klassische Museumswerke.

Millionen Menschen kennen Figuren aus Comics, Filmen und Kinderbüchern. Sie erinnern sich an Plattencover, politische Plakate, Werbebilder oder Wandmalereien. Solche Bilder vermitteln Vorstellungen von Heldentum, Familie, Schönheit, Macht, Geschlecht und Gesellschaft.

Das Lucas Museum argumentiert deshalb, dass ihre kulturelle Wirkung nicht geringer ist, nur weil sie ursprünglich für ein Buch, einen Film, eine Zeitschrift oder den öffentlichen Raum geschaffen wurden.

Diese Idee wirkt längst überfällig. Dennoch birgt sie ein Problem: Wenn nahezu jedes erzählende Bild zur narrativen Kunst erklärt werden kann, wird der Begriff schnell sehr weit. Das Museum muss deshalb beweisen, dass seine ungewöhnlichen Gegenüberstellungen mehr hervorbringen als prominente Namen und visuelle Überraschungen.

Ein privater Sammler schreibt Kunstgeschichte

So offen das Museum auftreten möchte, seine Sammlung bleibt stark durch die Interessen seiner Gründer geprägt. George Lucas und Mellody Hobson entscheiden mit ihrer Sammlung darüber, welche Illustratoren, Filme, Comics und Bildgeschichten museale Anerkennung erhalten.

Das ist nicht grundsätzlich ungewöhnlich. Viele bedeutende Museen entstanden aus privaten Sammlungen. Dennoch ist es wichtig, das Lucas Museum nicht als neutrale Gesamtdarstellung visueller Kultur zu betrachten.

Es zeigt eine bestimmte Vorstellung davon, welche Bilder gesellschaftliche Bedeutung besitzen. Diese Vorstellung ist stark von amerikanischer Illustration, Filmgeschichte, populärer Kultur und den persönlichen Interessen von Lucas geprägt.

Gerade das macht das Museum jedoch interessant. Es versteckt seinen Ausgangspunkt nicht, sondern entwickelt aus einer privaten Sammlung eine öffentliche These: Narrative Kunst sei keine Nebengattung, sondern eine der ältesten und einflussreichsten Formen menschlicher Kultur.

Das Gebäude sieht selbst wie ein Raumschiff aus

Nicht nur die Sammlung, auch die Architektur dürfte für Aufmerksamkeit sorgen. Entworfen wurde das Gebäude vom chinesischen Architekten Ma Yansong und seinem Büro MAD Architects in Zusammenarbeit mit Stantec.

Der geschwungene Bau umfasst rund 27.900 Quadratmeter und kommt nach Angaben des Museums ohne eine einzige gerade Außenlinie aus. Mehr als 1.200 individuell geformte Fassadenelemente bilden eine fließende Hülle, die je nach Perspektive an ein Raumschiff, eine Wolke oder eine futuristische Landschaft erinnert.

Im Inneren stehen rund 9.300 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Hinzu kommen zwei Kinos, Lern- und Veranstaltungsräume, eine Forschungsbibliothek, Gastronomie und öffentlich zugängliche Bereiche.

Das Museum steht im Exposition Park im Süden von Los Angeles. Die zuvor weitgehend versiegelte Fläche wurde in einen rund 5,3 Hektar großen Campus mit Parkanlagen umgewandelt. Mehr als 300 neu gepflanzte Bäume, Wiesen, ein Amphitheater, ein Hängegarten und monumentale Skulpturen umgeben das Gebäude.

Damit wird die Architektur selbst Teil der Erzählung. Besucher sollen nicht erst im Ausstellungsraum in eine andere Welt eintreten – der Eindruck beginnt bereits beim Blick auf das Gebäude.

Kunstmuseum oder monumentales Lebenswerk?

Das Lucas Museum lässt sich auf verschiedene Weise lesen. Es ist ein Kunstmuseum, ein Filmarchiv, eine private Sammlung, ein architektonisches Großprojekt und zugleich George Lucas’ kulturelles Vermächtnis.

Natürlich profitiert das Haus enorm von seinem berühmten Gründer. Ähnlich wie bei prominenten Persönlichkeiten, die selbst Kunst produzieren, stellt sich auch hier die Frage, welchen Anteil der bekannte Name an der Aufmerksamkeit besitzt. ARTTRADO hat diesen Mechanismus zuletzt am Beispiel Johnny Depps als bildender Künstler betrachtet.

Der entscheidende Unterschied liegt im Anspruch: Lucas will nicht nur seine eigenen Entwürfe, Filme und Erinnerungsstücke zeigen. Er nutzt seine Sammlung, um eine alternative Kunstgeschichte vorzuschlagen.

In dieser Kunstgeschichte stehen Gemälde, Comics, Illustrationen, Fotografien, Murals und Filme nicht auf verschiedenen kulturellen Stufen. Sie werden danach betrachtet, was sie erzählen, welche Gefühle sie auslösen und welche gesellschaftlichen Vorstellungen sie verbreiten.

Ob das auf Dauer überzeugt, wird sich erst im Ausstellungsalltag zeigen. Die bloße Nähe von van Gogh, Frida Kahlo, Banksy und „Star Wars“ ergibt noch keine schlüssige Kunstgeschichte. Sie eröffnet aber eine Diskussion, die viele klassische Museen lange vermieden haben.

Ein Museum für Bilder, die Menschen tatsächlich kennen

Vielleicht liegt genau darin die größte Stärke des Lucas Museum of Narrative Art.

Es nimmt Bilder ernst, die Millionen Menschen geprägt haben, ohne dass sie diese bisher unbedingt als Kunst wahrgenommen haben. Comics, Filmkulissen, Illustrationen und populäre Bildwelten werden nicht als unterhaltsames Zusatzprogramm behandelt, sondern ins Zentrum eines großen Museums gestellt.

Das kann populistisch wirken. Es kann aber auch helfen, Menschen einen Zugang zur Kunst zu eröffnen, die sich in klassischen Museen bisher nicht angesprochen fühlten.

George Lucas und Mellody Hobson haben kein weiteres Museum für einen bereits festgeschriebenen Kanon gebaut. Sie haben ein Haus geschaffen, das darüber streiten möchte, was überhaupt in diesen Kanon gehört.

Dass dabei „Star Wars“ auf Frida Kahlo, Norman Rockwell auf Banksy und Comics auf historische Malerei treffen, ist deshalb kein Nebeneffekt.

Es ist die eigentliche Aussage des Museums.

Lucas Museum of Narrative Art

Eröffnung: 22. September 2026
Ort: Exposition Park, Los Angeles
Adresse: One Lucas Plaza, 3800 South Vermont Avenue, Los Angeles
Gründer: George Lucas und Mellody Hobson
Architektur: Ma Yansong/MAD Architects mit Stantec
Landschaftsplanung: Mia Lehrer/Studio-MLA
Sammlung: mehr als 40.000 Werke
Eröffnungspräsentation: rund 1.300 Werke in mehr als 30 Ausstellungsbereichen
Schwerpunkte: Malerei, Illustration, Comics, Manga, Fotografie, Street Art, Wandmalerei und Film
Besonderheit: vollständiges Lucas-Archiv von 1971 bis 2012

Weitere Informationen

Titebild: Das von Ma Yansong und MAD Architects entworfene Lucas Museum of Narrative Art im Exposition Park von Los Angeles. Foto: Hufton+Crow / Courtesy Lucas Museum of Narrative Art

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