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Hülle und Kern. Multiples von Joseph Beuys – Kunst demokratisch im LWL Museum


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Hülle und Kern. Multiples von Joseph Beuys – Kunst demokratisch im LWL Museum

Mit 150 Multiples von Joseph Beuys erhielt das LWL-Museum für Kunst und Kultur jüngst eine umfangreiche Schenkung der Familie Rotert. Eine Auswahl, darunter Postkarten, Fotografien, Grafikeditionen sowie zahlreiche Objekte, wird nun der Öffentlichkeit vorgestellt. Im historischen Lichthof, in dem Beuys zu den Skulptur Projekten 1977 die Arbeit „Unschlitt“ ausstellte, entfalten die Multiples die Grundzüge seiner künstlerischen Auseinandersetzung.

Multiples sind Objekte, von denen mehrere Exemplare hergestellt werden. Diese Kunstform entstand zu Beginn der 1960er Jahre und sollte es ermöglichen, Kunstwerke einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Das entsprach dem demokratischen Ansatz von Kunst in dieser Zeit und vor allem Beuys’ eigenem Kunstverständnis. Er prägte den berühmten Satz „Jeder Mensch ist ein Künstler“ und war der Auffassung, dass politisches und gesellschaftliches Handeln im Sinne des Gemeinwohls jeden zum Schöpfer einer sozialen Plastik macht. Mit diesem erweiterten Kunstbegriff revolutionierte Beuys das Kunstverständnis seiner Zeit. Mit den Multiples schuf er zugleich erschwingliche und demokratische Werke für jedermann, die seine künstlerischen Ideen wie Vehikel in die Lebenswelt der Menschen transportierten – so auch in die vom Sammlerpaar Ingrid und Manfred Rotert.

 

Joseph Beuys, Telephon S——Ǝ, 1974, Schenkung Ingrid und Manfred Rotert © VG-Bild-Kunst Bonn, 2018, Foto: LWL / Sabine Ahlbrand-Dornseif

Ein zentrales Thema im Werk von Beuys ist die Kommunikation zwischen Menschen. So zeigt die Arbeit „Telephon S—Ǝ“ ein Kindertelefon aus zwei Blechdosen, die einfachste Methode des „fernmündlichen“ Gesprächs. Der Sender (S) und der Empfänger (Ǝ) sind verbunden mit einer Schnur, die den Schall übermittelt, der Empfänger neigt sich dem Sender zu, was das umgedrehte „E“ symbolisiert. Eine der bekanntesten Materialien im Werk von Beuys veranschaulicht der Filzanzug. Filz war für Beuys ein Wärmespeicher, wobei der Begriff „Wärme“ als Metapher für einen regen Geist, Kreativität und gestalterischen Willen zu verstehen ist. Der Künstler sagte über diesen Anzug, er sei einerseits ein Haus, eine Höhle, die den Menschen nach außen abschirmt, darüber hinaus sei er ein Zeichen für die Isolation des Menschen in unserer Zeit.

Capri-Batterie, 1985, Glühlampe mit Steckerfassung, in Holzkiste, Zitrone 8 x 11 x 6 cm, Schenkung Ingrid und Manfred Rotert © VG-Bild-Kunst, Bonn 2018, Foto: LWL / Anne Neier

Mit der „Capri-Batterie“ schuf Beuys kurz vor seinem Tod ein ikonisches Multiple, das die Frage nach der Endlichkeit natürlicher Ressourcen aufwirft: Mit der Glühbirne, die Energie aus einer Zitrone erhält, zeigte er woher die Menschheit ihre Lebensenergie bezieht. Das Kunstwerk ist auch ein Appell an die Gesellschaft, Verantwortung dafür zu tragen, dass das ökologische Gleichgewicht nicht zerfällt. „Nach 1000 Stunden Batterie auswechseln“, schrieb Beuys in die Gebrauchsanweisung zu diesem Multiple.

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Eröffnung: 29. November, 18 Uhr

Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 10 Uhr – 18 Uhr
Am zweiten Freitag im Monat 10 – 22 Uhr (Langer Freitag)

Weitere Informationen über Öffnungszeiten und Preise erhalten Sie hier: https://www.lwl.org

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