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	<title>USA Archive - Arttrado.de</title>
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		<title>George Lucas eröffnet Museum in Los Angeles: Star Wars, Frida Kahlo und Banksy</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robert Heidemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Sep 2026 14:57:14 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ein Museum, in dem Frida Kahlo, Vincent van Gogh und Norman Rockwell auf „Star Wars“, Comics, Manga und Arbeiten von <br/> <a class="btn btn-xs btn-default" href="https://arttrado.de/news/george-lucas-eroeffnet-museum-in-los-angeles-star-wars-frida-kahlo-und-banksy/">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="isSelectedEnd">Ein Museum, in dem Frida Kahlo, Vincent van Gogh und Norman Rockwell auf „Star Wars“, Comics, Manga und Arbeiten von Banksy treffen, klingt zunächst wie eine ungewöhnliche Zusammenstellung. Genau diese Mischung ist jedoch das Programm des neuen Lucas Museum of Narrative Art in Los Angeles.</p>
<p class="isSelectedEnd">Am 22. September 2026 öffnet das von „Star Wars“-Schöpfer George Lucas und der Unternehmerin Mellody Hobson gegründete Museum erstmals regulär für das Publikum. Es widmet sich nicht einer bestimmten Epoche, Stilrichtung oder Kunstgattung, sondern dem Erzählen durch Bilder.</p>
<p class="isSelectedEnd">Die Sammlung reicht von historischen Gemälden und Illustrationen über Fotografie, Comics und Wandbilder bis zu Kostümen, Entwürfen und Requisiten aus der Filmgeschichte. Mehr als 40.000 Werke gehören inzwischen zum Bestand. Zur Eröffnung sind rund 1.300 Objekte in mehr als 30 Galerien zu sehen.</p>
<p class="isSelectedEnd">Das Lucas Museum will damit nichts weniger, als den Begriff des Kunstmuseums zu erweitern.</p>
<h4>Mehr als ein „Star Wars“-Museum</h4>
<p class="isSelectedEnd">Der Name George Lucas weckt zwangsläufig bestimmte Erwartungen. Viele Besucher dürften vor allem Lichtschwerter, Raumschiffe, Kostüme und Entwürfe aus „Star Wars“ sehen wollen. Diese gehören tatsächlich zur Sammlung – bilden aber nur einen Teil des Museums.</p>
<p class="isSelectedEnd">Lucas begann nach Angaben des Hauses bereits während seiner Studienzeit Kunst zu sammeln. Damals kaufte er originale Comiczeichnungen, weil sie zu den wenigen Arbeiten gehörten, die er sich leisten konnte. Aus diesen frühen Erwerbungen entstand über mehr als fünf Jahrzehnte eine Sammlung von über 40.000 Werken.</p>
<p class="isSelectedEnd">Gemeinsam mit Mellody Hobson entwickelte Lucas daraus die Idee für ein Museum, das unterschiedliche Formen visuellen Erzählens gleichberechtigt nebeneinanderstellt. Eine Illustration, ein Comic oder ein Filmkostüm soll nicht automatisch als kulturell weniger bedeutend gelten als ein Gemälde oder eine Skulptur.</p>
<p class="isSelectedEnd">Das Museum versteht narrative Kunst entsprechend weit: Gemeint sind Bilder, die Geschichten erzählen, Figuren erschaffen, gesellschaftliche Vorstellungen prägen oder gemeinsame Erinnerungen formen.</p>
<p class="isSelectedEnd">Damit ist das Lucas Museum deutlich mehr als ein öffentlich zugängliches Archiv der Filmkarriere seines Gründers.</p>
<h4>Von Höhlenmalerei bis Banksy</h4>
<p class="isSelectedEnd">Die Eröffnungsausstellungen zeichnen eine sehr weit gefasste Geschichte des visuellen Erzählens nach. Sie beginnt bei frühen religiösen und mythologischen Bildwelten und reicht bis zu Comics, Manga, Fotografie, Street Art und modernem Kino.</p>
<p class="isSelectedEnd">Zu den vertretenen Künstlerinnen und Künstlern gehören unter anderem Artemisia Gentileschi, Vincent van Gogh, Frida Kahlo, Norman Rockwell, Charles White, Jacob Lawrence, Diego Rivera, Takashi Murakami, Robert Capa, Gordon Parks, Judith F. Baca, Charles Schulz, Frank Miller und Banksy.</p>
<p class="isSelectedEnd">Einzelne Bereiche widmen sich Themen wie Liebe, Familie, Arbeit, Kindheit, Sport, Abenteuer und Gemeinschaft. Andere untersuchen bestimmte Medien und Genres – darunter Kinderbuchillustration, Comics, Manga, Graphic Novels, Fotografie, Wandmalerei, Fantasy und Film.</p>
<p class="isSelectedEnd">Die Zusammenstellung folgt damit weniger einer klassischen kunsthistorischen Chronologie als menschlichen Erfahrungen und wiederkehrenden Erzählmustern.</p>
<p class="isSelectedEnd">Besonders interessant ist die Einbeziehung von Kunstformen, die in traditionellen Museen lange nur am Rand vorkamen. Illustratoren wie Norman Rockwell, N. C. Wyeth und Jessie Willcox Smith erhalten eigene Galerien. Comiczeichner stehen neben Malern, Filmrequisiten neben Skulpturen und Straßenkunst neben historischen Bildwelten.</p>
<h4>Banksy zieht ins Museum ein</h4>
<p class="isSelectedEnd">Auch Banksy ist im neuen Museum vertreten. Nach Angaben des Hauses werden sowohl bekannte Arbeiten als auch bisher nicht öffentlich gezeigte Erwerbungen präsentiert, die direkt aus dem Studio des Künstlers stammen sollen.</p>
<p class="isSelectedEnd">Das ist bemerkenswert, weil Banksys Werk ursprünglich aus dem öffentlichen Raum kommt und sich wiederholt gegen die Mechanismen des etablierten Kunstmarktes gerichtet hat. In Los Angeles wird diese Kunst nun Teil einer dauerhaften Museumssammlung.</p>
<p class="isSelectedEnd">Damit stellt sich dieselbe Frage, die Banksys Karriere seit Jahren begleitet: Was geschieht mit subversiver Street Art, wenn sie gesammelt, konserviert und institutionell präsentiert wird?</p>
<p class="isSelectedEnd">ARTTRADO hat den Zusammenhang zwischen Künstlername, öffentlicher Erzählung und Marktwert bereits im Beitrag <a href="https://arttrado.de/news/banksy-stallone-dylan-warum-im-kunstmarkt-der-name-mehr-zaehlt-als-das-meisterwerk/">„Banksy, Stallone, Dylan: Warum im Kunstmarkt der Name mehr zählt als das Meisterwerk“</a> untersucht.</p>
<p class="isSelectedEnd">Im Lucas Museum wird Banksy allerdings nicht nur als teurer oder geheimnisvoller Künstler gezeigt. Seine Arbeiten stehen im Kontext öffentlicher Bilderzählungen – gemeinsam mit politischen Wandbildern, Illustrationen und visuellen Erzählformen, die außerhalb klassischer Museumsräume entstanden sind.</p>
<h4>„Star Wars in Motion“ zeigt die Kunst hinter der Bewegung</h4>
<p class="isSelectedEnd">Ganz ohne „Star Wars“ kommt das Museum selbstverständlich nicht aus. Die Eröffnungsausstellung „Star Wars in Motion“ konzentriert sich auf Fahrzeuge und Bewegung innerhalb der ersten sechs Filme der Saga.</p>
<p class="isSelectedEnd">Gezeigt werden Konzeptzeichnungen, Kostüme, Modelle und Requisiten – darunter Entwürfe zu Luke Skywalkers Landspeeder aus „Eine neue Hoffnung“ und der erste physische Bau von General Grievous’ Wheel Bike aus „Die Rache der Sith“.</p>
<p class="isSelectedEnd">Die Präsentation behandelt diese Objekte nicht lediglich als Erinnerungsstücke für Filmfans. Sie zeigt, wie Designer, Zeichner, Modellbauer, Kostümbildner und Spezialeffektteams gemeinsam eine glaubwürdige Bildwelt erschufen.</p>
<p class="isSelectedEnd">Gerade darin liegt ein wichtiger Unterschied zu vielen kommerziellen Filmausstellungen. Das Lucas Museum versucht, die Requisiten in eine umfassendere Geschichte visueller Gestaltung einzuordnen. Ein Raumschiff ist dann nicht nur ein berühmtes Objekt aus einem Film, sondern das Ergebnis von Zeichnung, Design, Modellbau, Erzählung und technischer Innovation.</p>
<p class="isSelectedEnd">Zum Bestand gehört das vollständige Lucas-Archiv aus den Jahren 1971 bis 2012. Es dokumentiert die Entstehung jener Filmwelten, mit denen George Lucas die globale Popkultur nachhaltig geprägt hat.</p>
<h4>Warum Illustration lange nicht als große Kunst galt</h4>
<p class="isSelectedEnd">Das Museum greift damit eine alte Hierarchie des Kunstbetriebs an. Gemälde, Skulptur und später Fotografie wurden in Museen gesammelt, erforscht und kunsthistorisch eingeordnet. Illustrationen, Comics, Plakate, Filmzeichnungen und andere populäre Bilder galten dagegen häufig als angewandt, kommerziell oder massenkulturell.</p>
<p class="isSelectedEnd">Dabei prägen gerade diese Bilder den Alltag vieler Menschen wesentlich stärker als klassische Museumswerke.</p>
<p class="isSelectedEnd">Millionen Menschen kennen Figuren aus Comics, Filmen und Kinderbüchern. Sie erinnern sich an Plattencover, politische Plakate, Werbebilder oder Wandmalereien. Solche Bilder vermitteln Vorstellungen von Heldentum, Familie, Schönheit, Macht, Geschlecht und Gesellschaft.</p>
<p class="isSelectedEnd">Das Lucas Museum argumentiert deshalb, dass ihre kulturelle Wirkung nicht geringer ist, nur weil sie ursprünglich für ein Buch, einen Film, eine Zeitschrift oder den öffentlichen Raum geschaffen wurden.</p>
<p class="isSelectedEnd">Diese Idee wirkt längst überfällig. Dennoch birgt sie ein Problem: Wenn nahezu jedes erzählende Bild zur narrativen Kunst erklärt werden kann, wird der Begriff schnell sehr weit. Das Museum muss deshalb beweisen, dass seine ungewöhnlichen Gegenüberstellungen mehr hervorbringen als prominente Namen und visuelle Überraschungen.</p>
<h4>Ein privater Sammler schreibt Kunstgeschichte</h4>
<p class="isSelectedEnd">So offen das Museum auftreten möchte, seine Sammlung bleibt stark durch die Interessen seiner Gründer geprägt. George Lucas und Mellody Hobson entscheiden mit ihrer Sammlung darüber, welche Illustratoren, Filme, Comics und Bildgeschichten museale Anerkennung erhalten.</p>
<p class="isSelectedEnd">Das ist nicht grundsätzlich ungewöhnlich. Viele bedeutende Museen entstanden aus privaten Sammlungen. Dennoch ist es wichtig, das Lucas Museum nicht als neutrale Gesamtdarstellung visueller Kultur zu betrachten.</p>
<p class="isSelectedEnd">Es zeigt eine bestimmte Vorstellung davon, welche Bilder gesellschaftliche Bedeutung besitzen. Diese Vorstellung ist stark von amerikanischer Illustration, Filmgeschichte, populärer Kultur und den persönlichen Interessen von Lucas geprägt.</p>
<p class="isSelectedEnd">Gerade das macht das Museum jedoch interessant. Es versteckt seinen Ausgangspunkt nicht, sondern entwickelt aus einer privaten Sammlung eine öffentliche These: Narrative Kunst sei keine Nebengattung, sondern eine der ältesten und einflussreichsten Formen menschlicher Kultur.</p>
<h4>Das Gebäude sieht selbst wie ein Raumschiff aus</h4>
<p class="isSelectedEnd">Nicht nur die Sammlung, auch die Architektur dürfte für Aufmerksamkeit sorgen. Entworfen wurde das Gebäude vom chinesischen Architekten Ma Yansong und seinem Büro MAD Architects in Zusammenarbeit mit Stantec.</p>
<p class="isSelectedEnd">Der geschwungene Bau umfasst rund 27.900 Quadratmeter und kommt nach Angaben des Museums ohne eine einzige gerade Außenlinie aus. Mehr als 1.200 individuell geformte Fassadenelemente bilden eine fließende Hülle, die je nach Perspektive an ein Raumschiff, eine Wolke oder eine futuristische Landschaft erinnert.</p>
<p class="isSelectedEnd">Im Inneren stehen rund 9.300 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Hinzu kommen zwei Kinos, Lern- und Veranstaltungsräume, eine Forschungsbibliothek, Gastronomie und öffentlich zugängliche Bereiche.</p>
<p class="isSelectedEnd">Das Museum steht im Exposition Park im Süden von Los Angeles. Die zuvor weitgehend versiegelte Fläche wurde in einen rund 5,3 Hektar großen Campus mit Parkanlagen umgewandelt. Mehr als 300 neu gepflanzte Bäume, Wiesen, ein Amphitheater, ein Hängegarten und monumentale Skulpturen umgeben das Gebäude.</p>
<p class="isSelectedEnd">Damit wird die Architektur selbst Teil der Erzählung. Besucher sollen nicht erst im Ausstellungsraum in eine andere Welt eintreten – der Eindruck beginnt bereits beim Blick auf das Gebäude.</p>
<h4>Kunstmuseum oder monumentales Lebenswerk?</h4>
<p class="isSelectedEnd">Das Lucas Museum lässt sich auf verschiedene Weise lesen. Es ist ein Kunstmuseum, ein Filmarchiv, eine private Sammlung, ein architektonisches Großprojekt und zugleich George Lucas’ kulturelles Vermächtnis.</p>
<p class="isSelectedEnd">Natürlich profitiert das Haus enorm von seinem berühmten Gründer. Ähnlich wie bei prominenten Persönlichkeiten, die selbst Kunst produzieren, stellt sich auch hier die Frage, welchen Anteil der bekannte Name an der Aufmerksamkeit besitzt. ARTTRADO hat diesen Mechanismus zuletzt am Beispiel <a href="https://arttrado.de/news/johnny-depp-als-kuenstler-talent-hype-oder-teures-branding/">Johnny Depps als bildender Künstler</a> betrachtet.</p>
<p class="isSelectedEnd">Der entscheidende Unterschied liegt im Anspruch: Lucas will nicht nur seine eigenen Entwürfe, Filme und Erinnerungsstücke zeigen. Er nutzt seine Sammlung, um eine alternative Kunstgeschichte vorzuschlagen.</p>
<p class="isSelectedEnd">In dieser Kunstgeschichte stehen Gemälde, Comics, Illustrationen, Fotografien, Murals und Filme nicht auf verschiedenen kulturellen Stufen. Sie werden danach betrachtet, was sie erzählen, welche Gefühle sie auslösen und welche gesellschaftlichen Vorstellungen sie verbreiten.</p>
<p class="isSelectedEnd">Ob das auf Dauer überzeugt, wird sich erst im Ausstellungsalltag zeigen. Die bloße Nähe von van Gogh, Frida Kahlo, Banksy und „Star Wars“ ergibt noch keine schlüssige Kunstgeschichte. Sie eröffnet aber eine Diskussion, die viele klassische Museen lange vermieden haben.</p>
<h4>Ein Museum für Bilder, die Menschen tatsächlich kennen</h4>
<p class="isSelectedEnd">Vielleicht liegt genau darin die größte Stärke des Lucas Museum of Narrative Art.</p>
<p class="isSelectedEnd">Es nimmt Bilder ernst, die Millionen Menschen geprägt haben, ohne dass sie diese bisher unbedingt als Kunst wahrgenommen haben. Comics, Filmkulissen, Illustrationen und populäre Bildwelten werden nicht als unterhaltsames Zusatzprogramm behandelt, sondern ins Zentrum eines großen Museums gestellt.</p>
<p class="isSelectedEnd">Das kann populistisch wirken. Es kann aber auch helfen, Menschen einen Zugang zur Kunst zu eröffnen, die sich in klassischen Museen bisher nicht angesprochen fühlten.</p>
<p class="isSelectedEnd">George Lucas und Mellody Hobson haben kein weiteres Museum für einen bereits festgeschriebenen Kanon gebaut. Sie haben ein Haus geschaffen, das darüber streiten möchte, was überhaupt in diesen Kanon gehört.</p>
<p class="isSelectedEnd">Dass dabei „Star Wars“ auf Frida Kahlo, Norman Rockwell auf Banksy und Comics auf historische Malerei treffen, ist deshalb kein Nebeneffekt.</p>
<p class="isSelectedEnd">Es ist die eigentliche Aussage des Museums.</p>
<h4>Lucas Museum of Narrative Art</h4>
<p>Eröffnung: 22. September 2026<br />
Ort: Exposition Park, Los Angeles<br />
Adresse: One Lucas Plaza, 3800 South Vermont Avenue, Los Angeles<br />
Gründer: George Lucas und Mellody Hobson<br />
Architektur: Ma Yansong/MAD Architects mit Stantec<br />
Landschaftsplanung: Mia Lehrer/Studio-MLA<br />
Sammlung: mehr als 40.000 Werke<br />
Eröffnungspräsentation: rund 1.300 Werke in mehr als 30 Ausstellungsbereichen<br />
Schwerpunkte: Malerei, Illustration, Comics, Manga, Fotografie, Street Art, Wandmalerei und Film<br />
Besonderheit: vollständiges Lucas-Archiv von 1971 bis 2012</p>
<div class="entry-content">
<h4>Weitere Informationen</h4>
<p>Titebild: Das von Ma Yansong und MAD Architects entworfene Lucas Museum of Narrative Art im Exposition Park von Los Angeles. Foto: Hufton+Crow / Courtesy Lucas Museum of Narrative Art</p>
<p>Von uns ausgewählte Veranstaltungen finden Sie unter <a href="https://arttrado.de/news/category/kunstveranstaltungen-klare-empfehlung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&gt;&gt;&gt;Events&lt;&lt;&lt;</a></p>
<p>Unsere Interviews finden Sie hier: <a href="https://arttrado.de/news/category/kuenstlerportraets/kunstinterviews/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Künstlerporträts &amp; Interviews</a></p>
<p>Wenn Sie uns über ihr spannendes Kunstprojekt informieren wollen, nutzen Sie unseren <a href="https://arttrado.de/kontakt/">Kontakt.</a></p>
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		<title>Call Me the Breeze: Warum der US-Pavillon 2026 auf politische Eindeutigkeit verzichtet</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robert Heidemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jun 2026 18:30:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausstellungen]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Jeffrey Uslip]]></category>
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					<description><![CDATA[Ästhetik statt Agenda? Warum der US-Pavillon 2026 auf politische Eindeutigkeit verzichtet US-Pavillon Biennale Venedig 2026: Alma Allen und die Rückkehr <br/> <a class="btn btn-xs btn-default" href="https://arttrado.de/news/call-me-the-breeze-warum-der-us-pavillon-2026-auf-politische-eindeutigkeit-verzichtet/">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4>Ästhetik statt Agenda? Warum der US-Pavillon 2026 auf politische Eindeutigkeit verzichtet</h4>
<p>US-Pavillon Biennale Venedig 2026: Alma Allen und die Rückkehr der Form. Der US-Pavillon der Biennale Venedig 2026 gehört zu den nationalen Beiträgen der diesjährigen Ausstellung, die Erwartungen bewusst unterlaufen. </p>
<p>Nicht, weil die Ausstellung <em>Call Me the Breeze</em> mit provokanten politischen Statements arbeitet, sondern weil sie genau darauf verzichtet. Während viele Beobachter angesichts der jüngeren Geschichte des Pavillons eine explizit gesellschafts- oder identitätspolitische Positionierung erwartet hätten, präsentiert Alma Allen eine Ausstellung, die sich stattdessen auf Materialität, Form und skulpturale Erfahrung konzentriert.</p>
<p class="isSelectedEnd">Mit dem Bildhauer Alma Allen präsentiert die Vereinigten Staaten einen Künstler, dessen Werk sich seit Jahrzehnten um Material, Landschaft, Transformation und Form dreht. Kuratiert von Jeffrey Uslip verwandelt <em>Call Me the Breeze</em> den Pavillon in eine skulpturale Umgebung aus Bronze, Stein, Holz und biomorphen Strukturen. Die Ausstellung vereint neue und ältere Arbeiten und setzt auf eine Sprache der Wahrnehmung statt auf eine Sprache der politischen Eindeutigkeit.</p>
<p class="isSelectedEnd">Gerade in einer Biennale, die von geopolitischen Konflikten, Identitätsdebatten und kulturpolitischen Spannungen geprägt ist, wird diese Entscheidung selbst zu einer politischen Aussage.</p>
<h4>Worum geht es in „Call Me the Breeze“?</h4>
<p class="isSelectedEnd">Alma Allen gehört zu den wenigen international etablierten Bildhauern seiner Generation, die sich konsequent einer eindeutigen Lesbarkeit entziehen.</p>
<p class="isSelectedEnd">Seine Skulpturen erinnern an geologische Formationen, organische Körper oder fossile Überreste. Sie wirken vertraut und fremd zugleich. Allen arbeitet mit Stein, Bronze, Holz und anderen natürlichen Materialien, die er durch eine Kombination aus handwerklichen Verfahren und technologischen Prozessen transformiert. Seine Werke erscheinen dabei weniger als Objekte denn als Zustände des Werdens.</p>
<p class="isSelectedEnd">Der Ausstellungstitel <em>Call Me the Breeze</em> verweist auf Bewegung, Offenheit und Unbestimmtheit. Kurator Jeffrey Uslip beschreibt Allens Arbeiten als „sculptural ciphers“ – skulpturale Chiffren, die sich einer abschließenden Bedeutung entziehen. Viele Werke tragen bewusst den Titel <em>Not Yet Titled</em> und bleiben damit in einem Zustand permanenter Interpretation.</p>
<h4>Ein ungewöhnlicher US-Pavillon</h4>
<p class="isSelectedEnd">In den vergangenen Jahren wurde der US-Pavillon häufig als Ort gesellschaftlicher Selbstbefragung verstanden. Fragen von Identität, Diversität, Geschichte und Repräsentation spielten dabei eine zentrale Rolle.</p>
<p class="isSelectedEnd">Vor diesem Hintergrund wirkt die Entscheidung für Alma Allen wie ein Bruch mit jüngeren Entwicklungen. Der Künstler arbeitet weder explizit politisch noch konzeptuell im engeren Sinn. Seine Praxis konzentriert sich auf Materialität, Wahrnehmung und räumliche Erfahrung.</p>
<p class="isSelectedEnd">Dass ausgerechnet ein solcher Künstler die USA im Jahr des 250-jährigen Jubiläums der amerikanischen Unabhängigkeit repräsentiert, wurde von Teilen der Kunstwelt aufmerksam registriert. Die Diskussion entzündete sich weniger an den Arbeiten selbst als an den kulturpolitischen Rahmenbedingungen ihrer Auswahl.</p>
<h4>Die Debatte um den „unpolitischen“ Pavillon</h4>
<p class="isSelectedEnd">Kaum ein Begriff wird in der Gegenwartskunst so kontrovers diskutiert wie der Begriff des Unpolitischen.</p>
<p class="isSelectedEnd">Kann Kunst überhaupt unpolitisch sein?</p>
<p class="isSelectedEnd">Im Fall von Alma Allen lautet die Antwort vieler Beobachter: nein.</p>
<p class="isSelectedEnd">Nicht, weil seine Skulpturen politische Botschaften transportieren würden, sondern weil ihre Weigerung, eindeutige Positionen zu formulieren, selbst als Haltung gelesen wird. Kritiker sehen darin eine Abkehr von den gesellschaftlichen Fragestellungen, die viele internationale Ausstellungen der letzten Jahre geprägt haben. Andere begrüßen gerade diese Konzentration auf Form, Material und Wahrnehmung als notwendiges Gegengewicht zu einer zunehmend diskursiven Kunstproduktion.</p>
<p class="isSelectedEnd">Die Debatte zeigt, wie stark sich die Erwartungen an nationale Pavillons verändert haben. Von ihnen wird längst nicht mehr nur künstlerische Qualität erwartet, sondern häufig auch eine gesellschaftliche Positionierung.</p>
<h4>Alma Allen und das Bild Amerikas</h4>
<p class="isSelectedEnd">Interessant ist dabei, dass Allen selbst kaum dem klassischen Bild eines offiziellen Repräsentanten entspricht.</p>
<p class="isSelectedEnd">Der autodidaktische Künstler lebt und arbeitet seit Jahren in Mexiko. Seine Karriere verlief außerhalb vieler institutioneller Strukturen, die normalerweise mit der Auswahl für den US-Pavillon verbunden werden. Seine Arbeiten handeln nicht von Nation, Identität oder Macht, sondern von Landschaft, Zeit und Transformation.</p>
<p class="isSelectedEnd">Gerade dadurch entsteht ein überraschendes Bild von Amerika.</p>
<p class="isSelectedEnd">Nicht Amerika als politische Idee. Nicht Amerika als gesellschaftlicher Konfliktraum. Sondern Amerika als geologischer, materieller und kultureller Raum, dessen Landschaften und Materialien sich in Allens Werk eingeschrieben haben.</p>
<h4>Zwischen Kontroverse und Kontemplation</h4>
<p class="isSelectedEnd">Die eigentliche Spannung von <em>Call Me the Breeze</em> liegt deshalb nicht in dem, was die Ausstellung sagt, sondern in dem, was sie offenlässt.</p>
<p class="isSelectedEnd">Während viele Biennale-Beiträge auf narrative Klarheit setzen, vertraut Allen auf Ambivalenz. Seine Skulpturen geben keine Antworten. Sie formulieren keine Programme. Sie erzeugen Situationen der Wahrnehmung.</p>
<p class="isSelectedEnd">Genau darin liegt ihre Stärke – und für manche auch ihr Problem.</p>
<p>Denn in einer Zeit, in der Kunst zunehmend als gesellschaftlicher Akteur verstanden wird, wirkt die Rückkehr zur Autonomie der Form fast provokativ.</p>
<h4>Einordnung im Kontext der Biennale Venedig 2026</h4>
<p class="isSelectedEnd">Betrachtet man die bisher diskutierten nationalen Pavillons der Biennale Venedig 2026, zeichnen sich unterschiedliche thematische Schwerpunkte ab.</p>
<p class="isSelectedEnd"><a href="https://arttrado.de/news/urin-im-kunstpavillon-oesterreichs-biennale-beitrag-2026-eskaliert-zum-kultur-shitstorm/" target="_blank" rel="noopener">Der österreichische Pavillon beschäftigt sich mit Körperlichkeit, Performance und gesellschaftlicher Überforderung.</a> <a href="https://arttrado.de/news/deutscher-pavillon-auf-der-biennale-venedig-2026-ruin/" target="_blank" rel="noopener">Deutschland setzt auf Erinnerungskultur, politische Reflexion und historische Verantwortung.</a> <a href="https://arttrado.de/news/daenischer-pavillon-auf-der-biennale-venedig-2026-maja-malou-lyse/" target="_blank" rel="noopener">Der dänische Beitrag verbindet Technologie, Sexualität und Zukunftsentwürfe.</a> <a href="https://arttrado.de/news/litauischer-pavillon-auf-der-biennale-venedig-2026-stiller-hoehepunkt/" target="_blank" rel="noopener">Litauen arbeitet mit Natur, Mythologie und poetischen Narrativen</a>, während <a href="https://arttrado.de/news/vatikan-pavillon-auf-der-biennale-venedig-2026-patti-smith-brian-eno/" target="_blank" rel="noopener">der Vatikan auf Spiritualität, Klang und Reduktion setzt.</a></p>
<p class="isSelectedEnd"><a href="https://arttrado.de/news/nordischer-pavillon-auf-der-biennale-venedig-2026/" target="_blank" rel="noopener">Auch der Nordische Pavillon</a> bewegt sich mit seiner Verbindung aus Skulptur, Imagination und traumartigen Bildwelten im Feld einer offenen, symbolischen Erzählung.</p>
<p class="isSelectedEnd">Vor diesem Hintergrund nimmt der US-Pavillon eine besondere Position ein.</p>
<p class="isSelectedEnd">Während viele Beiträge der Biennale 2026 gesellschaftliche, politische oder technologische Fragestellungen direkt verhandeln, konzentriert sich Alma Allen auf Material, Form und Wahrnehmung. Die Ausstellung <em>Call Me the Breeze</em> entzieht sich weitgehend den dominierenden Diskursen der Gegenwartskunst und setzt stattdessen auf die autonome Kraft der Skulptur.</p>
<p>Der US-Pavillon erscheint dadurch wie ein Reset-Moment innerhalb der Biennale-Erzählung: weniger Statement als Erfahrung, weniger Agenda als Ästhetik. Gerade diese Verschiebung macht den Beitrag zu einem der interessantesten und zugleich kontroversesten nationalen Auftritte der diesjährigen Biennale.</p>





<h4>Fazit: Ästhetik als kulturelle Position</h4>
<p class="isSelectedEnd">Der US-Pavillon 2026 zeigt, dass die alten Gegensätze zwischen Form und Politik, Ästhetik und Engagement längst nicht überwunden sind.</p>
<p class="isSelectedEnd">Alma Allen präsentiert keine politische Ausstellung im klassischen Sinn. Dennoch wird <em>Call Me the Breeze</em> unweigerlich politisch gelesen – gerade weil sie sich einer eindeutigen politischen Lesart verweigert.</p>
<p class="isSelectedEnd">Der Pavillon steht damit exemplarisch für eine der zentralen Fragen der Biennale Venedig 2026:</p>
<p class="isSelectedEnd">Muss Kunst heute Stellung beziehen – oder kann die Konzentration auf Material, Form und Wahrnehmung selbst eine kulturelle Haltung sein?</p>
<p>Der US-Pavillon beantwortet diese Frage nicht. Er macht sie sichtbar.</p>
<p><blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="67gcEnuhbT"><a href="https://arttrado.de/news/russische-rueckkehr-zur-biennale-venedig-2026-kunstfreiheit-oder-politische-normalisierung/">Russische Rückkehr zur Biennale Venedig 2026: Kunstfreiheit oder politische Normalisierung?</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;Russische Rückkehr zur Biennale Venedig 2026: Kunstfreiheit oder politische Normalisierung?&#8220; &#8211; Arttrado.de" src="https://arttrado.de/news/russische-rueckkehr-zur-biennale-venedig-2026-kunstfreiheit-oder-politische-normalisierung/embed/#?secret=kaRTq2yePF#?secret=67gcEnuhbT" data-secret="67gcEnuhbT" width="600" height="338" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe></p>
<h4>Weitere Informationen</h4>
<p>Titelbild: Jennifer 8. Lee/WikiPortraits, CC BY-SA 4.0 &#8211; https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0&gt;, via Wikimedia Commons. </p>
<div class="entry-content">
<p>Von uns ausgewählte Veranstaltungen finden Sie unter <a href="https://arttrado.de/news/category/kunstveranstaltungen-klare-empfehlung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">&gt;&gt;&gt;Events&lt;&lt;&lt;</a></p>
<p>Unsere Interviews finden Sie hier: <a href="https://arttrado.de/news/category/kuenstlerportraets/kunstinterviews/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Künstlerporträts &amp; Interviews</a></p>
<p>Wenn Sie uns über ihr spannendes Kunstprojekt informieren wollen, nutzen Sie unseren <a href="https://arttrado.de/kontakt/">Kontakt.</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Asghar Farhadi: Wenn Infrastruktur zum Kriegsziel wird</title>
		<link>https://arttrado.de/news/asghar-farhadi-wenn-infrastruktur-zum-kriegsziel-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Heidemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 10:45:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kunst und Politik]]></category>
		<category><![CDATA[kunst und politik]]></category>
		<category><![CDATA[Donald Trump]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Iran]]></category>
		<category><![CDATA[Asghar Farhadi]]></category>
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					<description><![CDATA[Asghar Farhadi: Wenn Infrastruktur zum Kriegsziel wird Es sind nicht nur Bomben, die Kriege definieren. Es sind Worte. Drohungen. Narrative. <br/> <a class="btn btn-xs btn-default" href="https://arttrado.de/news/asghar-farhadi-wenn-infrastruktur-zum-kriegsziel-wird/">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h4>Asghar Farhadi: Wenn Infrastruktur zum Kriegsziel wird</h4>
<p>Es sind nicht nur Bomben, die Kriege definieren. Es sind Worte. Drohungen. Narrative. Und manchmal sind es Künstler, die sich dazwischenstellen.</p>
<p>Der iranische Regisseur Asghar Farhadi, zweifacher Oscar-Preisträger, hat in diesen Tagen einen ungewöhnlich direkten Appell formuliert: Künstler weltweit sollten ihre Stimme erheben – gegen die drohende Zerstörung ziviler Infrastruktur im Iran. Seine Worte sind keine abstrakte Geste, sondern eine Reaktion auf eine geopolitische Eskalation, die längst konkrete Formen angenommen hat.</p>
<h4>Die Drohung: Infrastruktur als Kriegsziel</h4>
<p>Ausgangspunkt ist eine Serie weitreichender Aussagen von Donald Trump. Der US-Präsident hatte öffentlich damit gedroht, zentrale iranische Infrastrukturen – darunter Energieversorgung und Verkehrsnetze – zu zerstören, sollte Teheran nicht auf politische Forderungen eingehen.</p>
<p>Diese Drohungen sind kein rhetorisches Beiwerk. Seit Ende Februar 2026 eskaliert der Konflikt militärisch – begleitet von Luftangriffen, Cyberattacken und wachsender regionaler Instabilität.</p>
<p>Besonders brisant: Angriffe auf zivile Infrastruktur gelten nach internationalem Recht als potenzielle Kriegsverbrechen – eine Einschätzung, die von Juristen ebenso geteilt wird wie von internationalen Organisationen.</p>
<p>Für die Bevölkerung bedeutet das etwas sehr Konkretes: die Angst vor Stromausfällen, zusammenbrechender Versorgung und einem Alltag, der innerhalb weniger Stunden kollabieren kann.</p>
<h4>Farhadis Intervention: Kunst als moralische Instanz</h4>
<p>Hier setzt Asghar Farhadi an – nicht als Politiker, sondern als Erzähler.</p>
<p>„Die Infrastruktur gehört dem Volk“, erklärt er. Ihre Zerstörung sei nicht nur ein Angriff auf Gebäude, sondern auf „Leben und Würde“. Zugleich bezeichnet er solche Angriffe explizit als Kriegsverbrechen und ruft Künstler dazu auf, sich öffentlich dagegen zu positionieren.</p>
<p>Das ist bemerkenswert. Denn Farhadi ist kein staatstreuer Kulturschaffender. Im Gegenteil: Seine Filme – darunter Nader und Simin – Eine Trennung und The Salesman – sind international gefeiert, gerade weil sie die Widersprüche der iranischen Gesellschaft offenlegen.</p>
<p>Dass ausgerechnet ein Regisseur, der das eigene System immer wieder kritisch beleuchtet hat, nun zur Verteidigung der Zivilgesellschaft aufruft, verschiebt die Perspektive:<br />
Es geht nicht um Regime oder Ideologie – sondern um Menschen.</p>
<h4>Die stille Front: Zivilgesellschaft im Ausnahmezustand</h4>
<p>Während politische Akteure mit Ultimaten operieren, reagiert die iranische Gesellschaft auf andere Weise. Berichte sprechen davon, dass Bürger symbolische Schutzketten um Energieanlagen bilden – aus Angst vor Angriffen auf lebenswichtige Infrastruktur.</p>
<p>Diese Bilder wirken beinahe surreal: Menschen, die Kraftwerke schützen – nicht aus militärischer Logik, sondern aus existenzieller Notwendigkeit.</p>
<p>Hier berührt sich Farhadis Appell mit der Realität auf der Straße. Seine Forderung nach einer „gemeinsamen Stimme“ ist keine abstrakte Utopie, sondern spiegelt eine bereits existierende Praxis: zivilen Widerstand gegen die Logik der Eskalation.</p>
<h4>Was kann Kunst in einem Krieg bewirken?</h4>
<p>Die eigentliche Frage bleibt unbequem:<br />
Was bringt ein solcher Appell?</p>
<p>Künstler stoppen keine Raketen. Sie verhandeln keine Waffenstillstände. Und doch verschieben sie etwas Entscheidendes: die Wahrnehmung.</p>
<p>Farhadi erinnert daran, dass Infrastruktur keine strategische Variable ist, sondern die Grundlage des Lebens. Wasser, Strom, Kommunikation – all das bleibt unsichtbar, bis es zerstört wird.</p>
<p>Indem er diese Perspektive ins Zentrum rückt, entzieht er der militärischen Logik ihre scheinbare Neutralität. Ein Angriff auf Infrastruktur wird wieder zu dem, was er ist: ein Angriff auf Zivilisten.</p>
<h4>Zwischen Moral und Ohnmacht</h4>
<p>Farhadis Appell ist letztlich auch ein Dokument der Ohnmacht – und genau darin liegt seine Stärke.</p>
<p>In einer Zeit, in der politische Sprache zunehmend entgrenzt wirkt („eine ganze Zivilisation könnte sterben“, wie Donald Trump formulierte), setzt er auf eine andere Form von Sprache: eine, die verbindet statt eskaliert.</p>
<p>Ob diese Stimme gehört wird, bleibt offen.<br />
Aber sie existiert – und sie widerspricht.</p>
<p>Vielleicht ist das heute die wichtigste Funktion von Kunst.</p>
<h4>Wer ist Asghar Farhadi?</h4>
<p>Asghar Farhadi zählt zu den bedeutendsten Gegenwartsregisseuren des internationalen Kinos. Der 1972 im Iran geborene Filmemacher wurde vor allem durch seine präzisen, moralisch vielschichtigen Dramen bekannt, in denen private Konflikte gesellschaftliche Spannungen sichtbar machen.</p>
<p>Sein Film Nader und Simin – Eine Trennung gewann 2012 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film, ebenso wie The Salesman einige Jahre später. Beide Werke erzählen keine großen politischen Geschichten im klassischen Sinne – und sind doch hochpolitisch, weil sie die Fragilität von Wahrheit, Gerechtigkeit und sozialer Ordnung im Alltag zeigen.</p>
<p>Typisch für Farhadi ist eine Erzählweise, die auf eindeutige Schuldzuweisungen verzichtet. Stattdessen zwingt er sein Publikum, Ambivalenzen auszuhalten. Genau darin liegt auch die Verbindung zu seinem aktuellen Appell: Wer die Komplexität menschlicher Lebensrealitäten ernst nimmt, kann die Zerstörung ziviler Grundlagen nicht als „strategische Option“ akzeptieren.</p>
<p>Dass Farhadi sich nun öffentlich äußert, ist deshalb mehr als eine politische Stellungnahme – es ist die konsequente Fortsetzung seines künstlerischen Denkens mit anderen Mitteln.</p>
<h4>Weitere Informationen</h4>
<div class="entry-content">
<p>Von uns ausgewählte Veranstaltungen finden Sie unter <a href="https://arttrado.de/news/category/kunstveranstaltungen-klare-empfehlung/" target="_blank" rel="noopener">&gt;&gt;&gt;Events&lt;&lt;&lt;</a></p>
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		<title>Werk der Woche #120 – SunForceOceanLife (2019) – Ernesto Neto</title>
		<link>https://arttrado.de/news/werk-der-woche-120-sunforceoceanlife-2019-ernesto-neto/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Heidemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Mar 2026 16:34:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kunstwerk der Woche]]></category>
		<category><![CDATA[Ist das Kunst? Diskussionen]]></category>
		<category><![CDATA[Amerika]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst in den Staaten]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst entdecken]]></category>
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		<category><![CDATA[Museum of Fine Arts]]></category>
		<category><![CDATA[Houston]]></category>
		<category><![CDATA[MFAH]]></category>
		<category><![CDATA[SunForceOceanLife]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>
		<category><![CDATA[Ernesto Neto]]></category>
		<category><![CDATA[Frida Kahlo]]></category>
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					<description><![CDATA[Werk der Woche #120 – SunForceOceanLife (2019) – Ernesto Neto SunForceOceanLife ist eine monumentale, immersive Installation des brasilianischen Künstlers Ernesto <br/> <a class="btn btn-xs btn-default" href="https://arttrado.de/news/werk-der-woche-120-sunforceoceanlife-2019-ernesto-neto/">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h4>Werk der Woche #120 – SunForceOceanLife (2019) – Ernesto Neto</h4>
<p>SunForceOceanLife ist eine monumentale, immersive Installation des brasilianischen Künstlers Ernesto Neto, die 2019 entstand. Das Werk besteht aus handgehäkelten Netzstrukturen aus polymerem Garn, die den Raum in kräftigen Farben (Orange, Gelb, Grün) füllen. Besucher:innen können durch die Bögen und Tunnel wandeln, die wie organische, lebendige Formen wirken, die zugleich natürlich und surreal erscheinen. Ergänzt wird die Erfahrung durch weiche Unterlagen und plastische Elemente auf dem Boden, die Bewegung, Balance und Körperwahrnehmung spürbar machen.</p>
<p>Die Installation fordert die klassische Distanz zwischen Betrachter:in und Kunstwerk heraus: Statt die Arbeit nur zu betrachten, wird der Raum körperlich erlebbar. Jede Bewegung der Besucher:innen verändert das Raumgefühl und erzeugt kleine Interaktionen mit den weichen, biegsamen Netzstrukturen. Dadurch entsteht ein einzigartiger Dialog zwischen Materialität, Farbe und menschlicher Präsenz.</p>
<p>SunForceOceanLife ist eine Symbiose aus Handwerk, Sinnlichkeit und Konzeptkunst: Häkeln als traditionelle Handarbeit trifft auf moderne Installationskunst, wodurch eine greifbare, sinnliche Erfahrung entsteht, die im digitalen Zeitalter besonders wertvoll wirkt. Die Balance aus Leichtigkeit und Struktur, aus Freiheit der Bewegung und gezielter Komposition macht das Werk formal wie inhaltlich besonders.</p>
<h4>Warum ist das Werk so besonders?</h4>
<p>SunForceOceanLife ist heute unser Werk der Woche, weil es zeitlos relevant, sinnlich erfahrbar und visuell spektakulär ist. Die Installation ist beeindruckend 12 Meter hoch, überspannt den Raum mit einer Fläche von mehreren hundert Quadratmetern und wiegt schätzungsweise über 1,5 Tonnen, einschließlich aller Netzstrukturen, Polymerböden und hängenden Elemente. Für die Umsetzung arbeitete Ernesto Neto fast ein Jahr zusammen mit einem Team aus Handwerker:innen und Assistent:innen, um die filigranen Netze, die handgehäkelten Bögen und die weichen Unterlagen perfekt aufeinander abzustimmen.</p>
<p>In einer Welt voller digitaler Reize bietet Neto einen Raum, der langsames, körperliches Erleben fordert. Die Kombination aus Bewegung, Farbe, Materialität und Interaktion macht das Werk aktuell besonders spannend und bietet Inspiration für alle, die über Kunst, Raum und menschliche Erfahrung nachdenken.</p>
<p>Zum Verkauf steht SunForceOceanLife nicht – die Arbeit wurde speziell für die Ausstellung im Museum of Fine Arts, Houston (MFAH) produziert und ist als museale, begehbare Installation konzipiert. Dies unterstreicht die Exklusivität und Einzigartigkeit des Werkes: Es ist ein Erlebnis, das nur vor Ort und aktuell für die Besucher:innen zugänglich ist.</p>
<h4>Aktuelle Ausstellung</h4>
<p>SunForceOceanLife ist derzeit im Museum of Fine Arts, Houston (MFAH) zu sehen:</p>
<p>Ort: Museum of Fine Arts, Houston – Main Campus, Cullinan Hall.<br />
Zeitraum: bis 7. September 2026.<br />
Besonderheit: Die Installation ist begehbar, immersive Erfahrung garantiert. Besucher:innen können die Netzstrukturen direkt erleben und Teil des Kunstwerks werden. (mfah.org)</p>
<p>Die Ausstellung zeigt, wie Neto Handwerk, Farbe und Raum kombiniert, um eine körperlich erfahrbare, poetische Welt zu erschaffen, die den Betrachter in den Mittelpunkt rückt.</p>
<p>Während SunForceOceanLife das Zentrum der aktuellen Ausstellung im MFAH bildet, bietet das Museum zusätzliche Begleitprogramme und Künstler‑Workshops an, die das Erlebnis vertiefen. Außerdem sind im gleichen Zeitraum andere Ausstellungen mit eigenständigen Arbeiten, wie beispielsweise Frida Kahlo im Museum zu sehen.</p>
<h4>Über Ernesto Neto</h4>
<p>Ernesto Neto (*1964, Rio de Janeiro, Brasilien) gehört zu den weltweit bedeutendsten Künstlern der zeitgenössischen Installationskunst. Seine Arbeiten sind multisensorisch, begehbar und körperlich erfahrbar. Seit den 1990er Jahren präsentiert er Installationen, in denen Handwerk, organische Formen und Materialien in immersive Räume verwandelt werden.</p>
<p>Neto will die Trennung zwischen Betrachter:in und Kunstwerk aufheben. In seinen Installationen werden die Besucher:innen selbst zum Bestandteil des Werkes. Haptik, Geruch, Farbe und Form verbinden sich zu einem körperlich-intellektuellen Erlebnis, das den Raum selbst zum Kunstwerk macht.</p>
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<h4>Weitere Informationen</h4>
<p>Mehr über das Museum finden Sie hier: <a href="https://www.mfah.org/" target="_blank" rel="noopener">https://www.mfah.org/</a></p>
<p>Besondere Kunstwerke finden <a href="https://arttrado.de/shop/" target="_blank" rel="noopener">Sie auch bei uns im Shop!</a></p>
<p>Von uns ausgewählte Veranstaltungen finden Sie unter <a href="https://arttrado.de/events/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&gt;&gt;&gt;Events&lt;&lt;&lt;</a></p>
<p>Unsere Interviews finden Sie hier: <a href="https://arttrado.de/news/category/kuenstler-portraits/interview/">Interview| Arttrado.de</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Bruce Munro: Lichtkunst: Field of Lights in Kalifornien</title>
		<link>https://arttrado.de/news/bruce-munro-lichtkunst-field-of-lights-in-kalifornien/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Heidemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Apr 2021 09:13:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kunstveranstaltungen ← klare Empfehlung]]></category>
		<category><![CDATA[Kurioses aus der Kunstwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst und Technologie]]></category>
		<category><![CDATA[Aufgeschnappt aus der Kunstszene]]></category>
		<category><![CDATA[Ist das Kunst? Diskussionen]]></category>
		<category><![CDATA[Kurz und Knapp]]></category>
		<category><![CDATA[Lichtkunst]]></category>
		<category><![CDATA[Field of Lights]]></category>
		<category><![CDATA[Kalifornien]]></category>
		<category><![CDATA[Bruce Munro]]></category>
		<category><![CDATA[Sensorio]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Installation]]></category>
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					<description><![CDATA[Bruce Munro: Lichtkunst: Field of Lights in Kalifornien Der britische Künstler Bruce Munro ist bekannt für seine gigantischen Lichtinstallationen. Die <br/> <a class="btn btn-xs btn-default" href="https://arttrado.de/news/bruce-munro-lichtkunst-field-of-lights-in-kalifornien/">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3>Bruce Munro: Lichtkunst: Field of Lights in Kalifornien</h3>
<p>Der britische Künstler Bruce Munro ist bekannt für seine gigantischen Lichtinstallationen. Die Idee für das Field of Lights bekam Bruce Munro 1992 bei Uluru nach acht Jahren in Australien. Das Lichtkunstwerk befindet sich im kalifornischen Paso Robles. 60.000 Glasfaser-Lampen auf 15 Hektar Fläche ergeben ein riesiges Gesamtkunstwerk. Angrenzend befindet sich die Installation &#8222;Light Towers&#8220; diese besteht aus 69 Licht-Türmen. Für diese Türme wurden insgesamt 17.000 Weinflaschen verwendet. Eine Anspielung auf die Weingegend von Paso Robles.</p>
<p>Tagsüber könnte man die riesige Installation auf den ersten Blick für eine Blumenwiese halten, doch sobald die Sonne untergeht, zeigt sich das Field of Lights in seiner vollen Pracht.</p>
<h4>Field of Lights in Kalifornien</h4>
<p><iframe title="YouTube video player" src="https://www.youtube.com/embed/qN3xMDMhgmE" width="560" height="315" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<h4>Bewunderer und Kritiker</h4>
<p>Wie bei jedem guten Kunstwerk gibt es natürlich nicht nur Befürworter der Aktion, es finden sich auch viele Kritiker. So wird auf die Lichtverschmutzung hingewiesen und auf den unnatürlichen Störfaktor für die Tierwelt. Bei dem Stromverbrauch muss man loben, dass darauf geachtet wurde, dass das Field of Lights mit Solarenergie betrieben wird.</p>
<p>Für den Besuch im Sensorio Paso Robles werden Tickets benötigt. Die Tickets sind, da es sich um eine Open-Air Besichtigung handelt, in der aktuellen Situation sehr begehrt. Momentan sind die Tickets bis Juni 2021 erhältlich, wobei darauf zu achten ist, dass die Präsentation nicht täglich geöffnet ist. Tickets für Juli bis September werden in Kürze folgen &#8211; bitte schauen Sie dafür auf der Seite des Parkes: <a href="https://sensoriopaso.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">https://sensoriopaso.com/</a></p>
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</a></p>
<h4>Weitere Informationen</h4>
<p>Titelbild: Field of Lights Bruce Munro</p>
<p>Mehr über den Künstler Bruce Munro: <a href="https://www.brucemunro.co.uk/">www.Munro-Studio.co.uk</a></p>
<p>Von uns ausgewählte Veranstaltungen finden Sie unter <a href="https://arttrado.de/events/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&gt;&gt;&gt;Events&lt;&lt;&lt;</a></p>
<p>Unsere Interviews finden Sie hier: <a href="https://arttrado.de/news/category/kuenstler-portraits/interview/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interview| Arttrado.de</a></p>
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<p>Wenn Sie unser Projekt ARTTRADO unterstützen möchten, können Sie das über PayPal.</p>
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