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	<title>Zeichnungen Archive - Arttrado.de</title>
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		<title>Gerd Jansen im Interview: über Ordnung, Freiheit und fünf Jahrzehnte Kunst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Robert Heidemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Sep 2026 11:34:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kunstinterviews]]></category>
		<category><![CDATA[Künstlerporträts]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarzer Planet]]></category>
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					<description><![CDATA[Gerd Jansen im Interview: über Ordnung, Freiheit und fünf Jahrzehnte Kunst Gerd Jansen, geboren 1956 in Goch am Niederrhein, bewegt <br/> <a class="btn btn-xs btn-default" href="https://arttrado.de/news/gerd-jansen-im-interview-ueber-ordnung-freiheit-und-fuenf-jahrzehnte-kunst/">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: 16px;">Gerd Jansen im Interview: über Ordnung, Freiheit und fünf Jahrzehnte Kunst</span></p>
<p class="PDq2pG_selectionAnchorContainer" data-start="289" data-end="720">Gerd Jansen, geboren 1956 in Goch am Niederrhein, bewegt sich seit mehr als fünf Jahrzehnten zwischen Zeichnung, Skulptur, Installation und konzeptueller Kunst. Bevor er sich vollständig der Kunst zuwandte, begann er zunächst ein Physikstudium in Göttingen. 1979 wechselte er an die Kunstakademie Düsseldorf, wo er unter anderem bei Rolf Sackenheim, Tony Cragg und Erwin Heerich studierte. 1985 wurde er Meisterschüler von Heerich.</p>
<p data-start="722" data-end="1183">Naturwissenschaftliches Denken verschwand mit diesem Wechsel allerdings nicht aus seiner Arbeit. Im Gegenteil: Systeme, elementare Formen, Wiederholung, Variation und später insbesondere natürliche Zahlen und Primzahlen wurden zu zentralen Werkzeugen seines künstlerischen Werks. Dabei versteht Jansen die Systematik nicht als Selbstzweck. Ordnung schafft für ihn vielmehr den Ausgangspunkt, von dem aus bildnerische Freiheit überhaupt erst möglich werden kann.</p>
<p data-start="1185" data-end="1681">Stationen wie ein Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen in Paris 1986, ein DAAD-Stipendium in der Schweiz sowie der Kunstpreis des Basler Kunstvereins begleiteten seine Entwicklung. Seit Ende der 1980er-Jahre lebt und arbeitet Jansen im Raum Basel, heute im schweizerischen Nusshof. Im Jahr 2000 gründete er gemeinsam mit seiner Frau, der Pianistin Christine Jansen, das „Institut für bildnerisches Denken“, in dem Kunst, Musik und philosophische Fragestellungen miteinander verbunden wurden.</p>
<p data-start="1683" data-end="2311">Sein über Jahrzehnte entstandenes Hauptwerk gliedert Jansen in verschiedene Werkgruppen, die von frühen Versuchen einer bildnerischen Übersetzung musikalischer Strukturen über Skulpturen und serielle Zeichnungen bis zum digitalen und partizipativen Internetprojekt „countune“ reichen. Seit 2017 entstanden daneben die von ihm als „Nachträge“ bezeichneten Werkgruppen „Der Schwarze Planet“, „Nullpunkt“ und „Wandlungen“. Während das frühere Hauptwerk weitgehend aus einer kunstimmanenten Beschäftigung mit Struktur und Komposition hervorging, treten darin zunehmend gesellschaftliche, ökologische und philosophische Fragen hinzu.</p>
<p data-start="2313" data-end="2783">Sein Gesamtwerk hat Jansen umfangreich dokumentiert. In inzwischen 19 Werk- und Dokumentationsbänden lässt sich eine künstlerische Entwicklung nachvollziehen, die trotz ihrer unterschiedlichen Erscheinungsformen immer wieder um dieselben Grundfragen kreist: Wie viel Ordnung benötigt ein Bild? Wann wird aus einer Regel Freiheit? Welche Rolle spielen Zahlen für unsere Wahrnehmung der Welt? Und was bleibt vom Kunstwerk, wenn am Ende vor allem die Idee entscheidend ist?</p>
<p data-start="2785" data-end="2869" data-is-last-node="" data-is-only-node="">Über genau diese Fragen spricht Gerd Jansen im ausführlichen Interview mit ARTTRADO.</p>
<h4 class="PDq2pG_selectionAnchorContainer" data-start="1386" data-end="1450">Ordnung und Freiheit: Was vom jungen Künstler geblieben ist</h4>
<p data-start="1452" data-end="1678"><strong data-start="1452" data-end="1465">ARTTRADO:</strong> Wenn Sie heute, nach mehreren Jahrzehnten künstlerischer Arbeit, vor einer neuen Arbeit stehen: Wie viel von dem jungen Künstler, der Ihr Hauptwerk begonnen hat, ist in Ihrer heutigen Arbeitsweise noch vorhanden?</p>
<p data-start="1680" data-end="1923"><strong data-start="1680" data-end="1696">Gerd Jansen:</strong> Alles. An meinem Temperament, systematisch zu arbeiten, hat sich nichts verändert. Die guten Sachen waren immer irgendwie geometrisch bestimmt und dazu angelegt, nicht nur ein Bild, sondern gleich mehrere in der Art zu machen.</p>
<p data-start="1925" data-end="2438">Allerdings hat mich diese Systematik und Geometrie, aus heutiger Sicht betrachtet, bis zur fünften Werkgruppe immer auch eingeengt. Es fehlte der spielerische Atem, alles war sehr kopfig. Um 1986 erkannte ich dann überraschenderweise in der äußersten Reduktion der Systematik den Schlüssel zu einem freieren Umgang mit Regeln, Plänen und Strategien. Diese Reduktion des Systematischen konnte ich zehn Jahre später noch einmal verschärfen, und zwar durch die Verwendung der natürlichen Zahlen als Arbeitsfundament.</p>
<p data-start="2440" data-end="2752">In den sogenannten Nachträgen zu meinem Hauptwerk verbinden sich seit 2017, auf der Grundlage meiner bildnerischen Erfahrungen, in hohem Maße Freiheitsgrade mit genau gegliederter Ordnung. Es scheint auch, dass sich dieser Wunsch nach Ordnung in allem, was ich tue, von Anfang an immer wieder verwirklichen will.</p>
<p data-start="2754" data-end="3014"><strong data-start="2754" data-end="2767">ARTTRADO:</strong> Ihr Werk ist über lange Zeit stark von Systemen, Regeln, Zahlen, Wiederholungen und konzeptuellen Überlegungen geprägt worden. Was hat Sie ursprünglich daran interessiert, Kunst nicht nur als Bild oder Objekt, sondern als ein System zu begreifen?</p>
<p data-start="3016" data-end="3207"><strong data-start="3016" data-end="3032">Gerd Jansen:</strong> Ich begreife die Kunst nicht als System. In der Kunst, der Musik oder auch der Dichtung sollte es meines Erachtens gerade darum gehen, das System, den Verstand zu überwinden.</p>
<p data-start="3209" data-end="3570">Uns Menschen sind dazu aber nun einmal nur die Möglichkeiten der bildnerischen und sprachlichen Mittel und der mehr oder weniger konzeptuelle Einsatz dieser Mittel gegeben. Ein Bild, ein Objekt, ein Musikstück oder eine Dichtung sind lediglich Hilfsmittel, die unser Alltagsbewusstsein an den größeren Zusammenhang, den wir meist ausblenden, heranführen können.</p>
<p data-start="3572" data-end="3963">Darum habe ich auch mit dem Studium der Physik aufgehört, weil ich mich in der Kunst freier und meinem Temperament entsprechend bewegen konnte. Wenn du ein naturwissenschaftliches Studium beginnst, bekommst du Bücher und besuchst Vorlesungen. Wenn du ein Kunststudium beginnst, stehst du vor einem leeren Raum, und nur du bestimmst, was nun in diesem Raum nach welchen Regeln passieren wird.</p>
<figure id="attachment_20205" aria-describedby="caption-attachment-20205" style="width: 2048px" class="wp-caption aligncenter"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-full wp-image-20205" src="https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Serielle-Linienzeichnung-Gerd-Jansen-scaled.jpg" alt="Serielle LinienzeichnungNachzeichnung der Papierecken mit überstehendem Zeigefinger Graphit, 60 x 60 cm, 1987 - Gerd Jansen im Interview mit ARTTRADO Plattform für Kunst und Kultur. " width="2048" height="2046" srcset="https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Serielle-Linienzeichnung-Gerd-Jansen-scaled.jpg 2048w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Serielle-Linienzeichnung-Gerd-Jansen-300x300.jpg 300w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Serielle-Linienzeichnung-Gerd-Jansen-1024x1024.jpg 1024w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Serielle-Linienzeichnung-Gerd-Jansen-150x150.jpg 150w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Serielle-Linienzeichnung-Gerd-Jansen-768x767.jpg 768w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Serielle-Linienzeichnung-Gerd-Jansen-1536x1536.jpg 1536w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Serielle-Linienzeichnung-Gerd-Jansen-800x799.jpg 800w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Serielle-Linienzeichnung-Gerd-Jansen-600x599.jpg 600w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Serielle-Linienzeichnung-Gerd-Jansen-100x100.jpg 100w" sizes="(max-width: 2048px) 100vw, 2048px" /><figcaption id="caption-attachment-20205" class="wp-caption-text">Serielle Linienzeichnung, Nachzeichnung der Papierecken mit überstehendem Zeigefinger, Graphit, 60 x 60 cm, 1987.</figcaption></figure>
<h4 data-start="4095" data-end="4133">Vom Hauptwerk zu den „Nachträgen“</h4>
<p data-start="4135" data-end="4436"><strong data-start="4135" data-end="4148">ARTTRADO:</strong> Sie unterscheiden selbst zwischen Ihrem „Hauptwerk“ und den seit 2017 entstandenen „Nachträgen“. Ist diese Bezeichnung wörtlich zu verstehen? Sind die Nachträge Ergänzungen zu etwas grundsätzlich Abgeschlossenem oder ist daraus inzwischen längst ein neues Kapitel Ihres Werks entstanden?</p>
<p data-start="4438" data-end="4672"><strong data-start="4438" data-end="4454">Gerd Jansen:</strong> Eigentlich sollte das nahezu gesamtkunstwerklich angelegte Internetprojekt „countune“ der Endpunkt meiner Arbeit sein. Aber das habe ich nicht durchhalten können. Da waren noch zu viele Ideen in mir, die raus wollten.</p>
<p data-start="4674" data-end="5283">Wie gesagt, hat sich an meiner Arbeitsweise nie wirklich etwas geändert. Das gilt für das Hauptwerk und auch für die Nachträge. Natürlich gibt es zwischen beiden Bereichen einen großen Unterschied. Alles, was ich als Hauptwerk zusammenfasse, ist wertfrei in Bezug auf Außerkünstlerisches. Es geht um Geometrien, Strukturen, Strategien, Materialisierungen und so weiter. Es gab nichts Erzählerisches in oder hinter den Arbeiten. Die Arbeiten stehen nur für sich selbst. Jede war wie ein wissenschaftlicher Beweis. Alles war in dem begründet, was zu sehen war, getragen von der jeweiligen Kompositionsstrategie.</p>
<p data-start="5285" data-end="5644">Bei den Nachträgen ist es von der Optik nicht viel anders. Jede Arbeit steht für sich und repräsentiert das gesamte Ordnungssystem der Werkgruppe. Nur ist dieses Ordnungssystem nicht mehr ganz wertfrei: Gesellschaftspolitische und ökologische Gedanken sind die Basis und die treibenden Kräfte, von denen ich ausgehe und auf die hin ich die Werkgruppe anordne.</p>
<p data-start="5646" data-end="6173">Wichtig ist für mich, dass diese gedankliche Grundlage nicht plakativ nach vorne getragen wird, sondern dass es eine Übersetzung in meine bildnerische Sprache ist. Diese Sprache verbindet natürlich beide Bereiche sehr eng. Man könnte die Nachträge, was das gedankliche Gerüst dahinter angeht, aber durchaus als neues Kapitel meiner Arbeit sehen. Die Untertitel „Bilderbuch einer neuen Erde“, „Bilderbuch eines neuen Bewusstseins“ und „Bilderbuch der transzendenten Wirklichkeit“ unterstreichen diesen Unterschied zum Hauptwerk.</p>
<h4 data-start="6175" data-end="6213">„Zu viel Theorie schreckt sie ab“</h4>
<p data-start="6215" data-end="6601"><strong data-start="6215" data-end="6228">ARTTRADO:</strong> Sie haben geschrieben, dass Menschen nicht gerne mit Konzepten überfordert werden und dass Sie seit 2017 versuchen, das Konzeptuelle stärker mit dem Spielerischen und optisch Einladenden zu verbinden. War das ausschließlich eine künstlerische Entwicklung oder auch die Erkenntnis, dass Sie mit Ihrer früheren Arbeit Teile des Publikums möglicherweise nicht erreicht haben?</p>
<p data-start="6603" data-end="6945"><strong data-start="6603" data-end="6619">Gerd Jansen:</strong> Natürlich habe ich in den vielen Jahren einige Publikumsreaktionen erlebt, aber ich würde nicht sagen, dass diese Einfluss auf meine künstlerischen Entscheidungen hatten. Dafür war ich zu sehr wie ein Wissenschaftler, der zielstrebig, auch bei Fehlschlägen, immer wieder etwas versucht, bis er seine Theorie bestätigt findet.</p>
<p data-start="6947" data-end="7282">Es war mir klar, dass ein solcher künstlerischer Weg für ein großes Publikum wahrscheinlich zu langweilig ist: immer diese endlosen Serien mit unzähligen Strichen und Linien, kaum Farbe. Da passiert ja nichts. Aber ich musste diese Erfahrungen machen, wie ein Musiker, der sich durch Etüden stark macht für die eigentlichen Musikwerke.</p>
<figure id="attachment_20206" aria-describedby="caption-attachment-20206" style="width: 1918px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="size-full wp-image-20206" src="https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Linienmeditation-Maerz-1993-Tusche-80-×-80-cm.jpg" alt="Serielle LinienzeichnungNachzeichnung der Papierecken mit überstehendem Zeigefinger Graphit, 60 x 60 cm, 1987 - Gerd Jansen im Interview mit ARTTRADO Plattform für Kunst und Kultur. " width="1918" height="1912" srcset="https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Linienmeditation-Maerz-1993-Tusche-80-×-80-cm.jpg 1918w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Linienmeditation-Maerz-1993-Tusche-80-×-80-cm-300x300.jpg 300w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Linienmeditation-Maerz-1993-Tusche-80-×-80-cm-1024x1021.jpg 1024w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Linienmeditation-Maerz-1993-Tusche-80-×-80-cm-150x150.jpg 150w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Linienmeditation-Maerz-1993-Tusche-80-×-80-cm-768x766.jpg 768w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Linienmeditation-Maerz-1993-Tusche-80-×-80-cm-1536x1531.jpg 1536w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Linienmeditation-Maerz-1993-Tusche-80-×-80-cm-800x797.jpg 800w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Linienmeditation-Maerz-1993-Tusche-80-×-80-cm-600x598.jpg 600w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Linienmeditation-Maerz-1993-Tusche-80-×-80-cm-100x100.jpg 100w" sizes="(max-width: 1918px) 100vw, 1918px" /><figcaption id="caption-attachment-20206" class="wp-caption-text">Linienmeditation, März 1993, Tusche, 80 × 80 cm</figcaption></figure>
<p data-start="7348" data-end="7586">Ab 1997, mit den natürlichen Zahlen als Grundlage, veränderte sich auch die Außenwirkung meiner Arbeit. Die Arbeiten wurden spielerischer, farbiger und handlicher, und ich fand ab dieser Zeit auch mehr Interessierte, die Arbeiten kauften.</p>
<p data-start="7588" data-end="7897">Ein weiterer Grund für die bessere Außenwirkung war natürlich das „Institut für bildnerisches Denken“, das ich im Jahr 2000 gegründet habe. Ausstellungen und Konzerte lockten Publikum an, und es gab viele Gelegenheiten, mit Interessenten und Pressevertretern zu sprechen und ihnen meine Position zu erläutern.</p>
<p data-start="7899" data-end="8082">Eine Galeristin sagte mir einmal: Die Leute wollen schöne Sachen sehen, zu viel Theorie schreckt sie ab. Da ist etwas dran. Es ist aber natürlich gleichzeitig ein gewagter Standpunkt.</p>
<p data-start="8084" data-end="8319"><strong data-start="8084" data-end="8097">ARTTRADO:</strong> Wenn ein komplexes Konzept zugänglicher und visuell attraktiver wird, besteht zugleich die Gefahr, dass der Betrachter nur noch das Bild sieht und das dahinterliegende System übersieht. Beschäftigt Sie dieser Widerspruch?</p>
<p data-start="8321" data-end="8563"><strong data-start="8321" data-end="8337">Gerd Jansen:</strong> Wie bereits erläutert, geht es gerade darum, dass wir es schaffen, in einem Bild oder Objekt das System zu überwinden. Um ein bildnerisches Werk zu konstituieren, brauchen wir natürlich ein Konzept, Werkzeuge und Materialien.</p>
<p data-start="8565" data-end="9052">Ich nehme gerne das Beispiel eines Baums, der auf einer Wiese steht. Wenn wir diesen Baum anschauen, nehmen wir seine Größe wahr, die grünen Blätter, die sich im Wind bewegen, das Rauschen der Baumkrone, den kräftigen, strukturierten Stamm, die Astverzweigungen und wie er sich in die Landschaft einfügt und sich gegen den Himmel abhebt. In diesem Moment denken wir nicht an die unzähligen biologischen Abläufe in seinem Inneren und an deren Gesetzmäßigkeiten. Wir bewundern diesen Baum.</p>
<p data-start="9054" data-end="9243">So ist es auch bei der Bildbetrachtung: Was zählt, ist die Wirkung auf unsere Wahrnehmung. Das schließt aber nicht aus, dass wir unbewusst alles mitwahrnehmen, was dieses Bild konstituiert.</p>
<p data-start="9245" data-end="9562">Bei den interaktiven Bild-Konzepten habe ich beispielsweise auf Grundlage der natürlichen Zahlen eine Struktur vorgegeben, die der Interessent nach Belieben verändern und mit Farben ausstatten kann. Dabei muss er meine unterlegte Struktur nicht verstehen. Er muss nur so lange „spielen“, bis ihm das Ergebnis gefällt.</p>
<p data-start="9564" data-end="9741">Beim Autofahren ist das ähnlich: Die meisten wissen gar nicht, was unter der Motorhaube geschieht. Man muss nur wissen, wie man das Auto bedient und die Verkehrsregeln beachten.</p>
<figure id="attachment_20207" aria-describedby="caption-attachment-20207" style="width: 783px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" class="size-full wp-image-20207" src="https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/prim-63-98.png" alt="Die Linie wird zum Zahlenstrahl, Primzahlen 63–98, Digitaldruck, 50 × 50 cm, 2002 - Die Linie wird zum Zahlenstrahl, Primzahlen 63–98, Digitaldruck, 50 × 50 cm, 2002" width="783" height="786" srcset="https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/prim-63-98.png 783w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/prim-63-98-300x300.png 300w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/prim-63-98-150x150.png 150w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/prim-63-98-768x771.png 768w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/prim-63-98-600x602.png 600w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/prim-63-98-100x100.png 100w" sizes="(max-width: 783px) 100vw, 783px" /><figcaption id="caption-attachment-20207" class="wp-caption-text">Die Linie wird zum Zahlenstrahl, Primzahlen 63–98, Digitaldruck, 50 × 50 cm, 2002</figcaption></figure>
<h4 data-start="9841" data-end="9887">Einschränkung als künstlerische Strategie</h4>
<p data-start="9889" data-end="10269"><strong data-start="9889" data-end="9902">ARTTRADO:</strong> Das Jahr 2017 scheint für Ihre Entwicklung eine besondere Rolle zu spielen. Sie haben damals unter anderem Ihre große Werkstatt aufgegeben. Inwiefern haben Ihre persönliche Situation und veränderte praktische Möglichkeiten beeinflusst, welche Kunst Sie danach machen konnten und machen wollten? Kann eine Einschränkung selbst zu einem künstlerischen Werkzeug werden?</p>
<p data-start="10271" data-end="10567"><strong data-start="10271" data-end="10287">Gerd Jansen:</strong> Ja, Einschränkung ist immer eine gute Strategie. Leider kommt es oft erst in leidvollen Situationen dazu, aber dann ist die Einschränkung auch sehr echt: finanzielle Engpässe, räumliche Veränderungen, persönliche Schicksalsschläge, Unzufriedenheit mit sich selbst und der Arbeit.</p>
<p data-start="10569" data-end="10761">Ich habe nie die Erfahrung gemacht, dass ich eine einfache Einschränkung ohne Anlass bestimmen konnte, etwa: Heute arbeite ich einmal nur mit einem bestimmten Mittel. Das hat nie funktioniert.</p>
<p data-start="10763" data-end="11269">Die erste wichtige Einschränkung kam bei mir nach den großen Installationen 1981. Ich war kräftemäßig und finanziell am Ende, und es kam noch ein persönliches Schicksal hinzu. Ich habe quasi von vorn angefangen, Giordano Bruno gelesen und dazu Zeichnungen mit einigen Stiften auf A4-Papieren gemacht. Im Laufe der Zeit entstanden auch Objekte, für die ich von meinem damaligen Lehrer Erwin Heerich keine gute Kritik bekam. Das war die Zeit der Gedankenmodelle, eine sehr unsichere Etappe meines Werdegangs.</p>
<p data-start="11271" data-end="11520">Eineinhalb Jahre später suchte ich darum noch einmal einen neuen Ansatz. Diesmal, unter der Obhut von Heerich, etwas kontrollierter. Ich besann mich auf meine physikalische Vergangenheit und baute aus elementaren Bausteinen physikalische Skulpturen.</p>
<p data-start="11522" data-end="11811">So ging es immer weiter, bis ich 1986 in Paris eine so bedeutende Einschränkung erfahren musste, dass ich darin endlich den wirklichen Kern meiner Arbeit finden konnte. Die Übermacht der Stadt, der Museen und die Beschränkung auf ein kleines Zimmer ohne Arbeitsmittel machten dies möglich.</p>
<p data-start="11813" data-end="12199">Weitere Etappen waren die Entscheidung für die natürlichen Zahlen, das Internetprojekt „countune“ und schließlich 2017 die Auflösung unseres großen Hauses mit Werkstatt und Atelier sowie Ausstellungs- und Konzertraum. Die zeitgleiche Erkenntnis, dass die Computerarbeit und das Internet für mich zunehmend problematisch wurden, brachte mich schließlich zu den Werkgruppen der Nachträge.</p>
<h4 data-start="12201" data-end="12255">„Der Schwarze Planet“: Erst sehen, dann verstehen</h4>
<p data-start="12257" data-end="12553"><strong data-start="12257" data-end="12270">ARTTRADO:</strong> Beginnen wir mit „Der Schwarze Planet“: Wenn jemand eine Arbeit aus dieser Werkgruppe zum ersten Mal sieht und keinerlei Vorwissen über Ihr Werk besitzt, was würden Sie sich wünschen, dass dieser Mensch zunächst wahrnimmt, noch bevor er beginnt, nach dem Konzept dahinter zu fragen?</p>
<p data-start="12555" data-end="12803"><strong data-start="12555" data-end="12571">Gerd Jansen:</strong> Grundsätzlich sollte man, wenn man vor einem Kunstwerk steht, die Sinne „einschalten“ und den Verstand zumindest etwas nach hinten schieben. Eine möglichst vorurteilsfreie Wahrnehmung liefert dann genug Input auch für den Verstand.</p>
<p data-start="12805" data-end="13024">Genaues Hinschauen ist wichtig: die Größe des Bildes, die Materialität, die Technik, die Farbigkeit und schließlich das Motiv selbst. Sie alle geben Aufschluss über Intentionen, die zu diesem Bild geführt haben könnten.</p>
<p data-start="13026" data-end="13251">Ich habe bereits von der Betrachtung eines Baumes gesprochen. Hier scheint uns eine neutrale Betrachtung meist mühelos zu gelingen. Bei einem Bild kommen Fragen und Urteil oft schneller, als die reine Wahrnehmung beendet ist.</p>
<p data-start="13253" data-end="13562">Die Werkgruppe „Der Schwarze Planet“ ist in vier Bereiche gegliedert: Mineral, als Kombination von Collage, Zeichnung und Malerei; Seismogramm, als Zeichnung mit Graphit und Tusche; Pflanze, als Skulptur aus Draht und verschiedenen Materialien; und Rätsel, als digitale Kombination von Fotografien der Bilder.</p>
<p data-start="13564" data-end="13837">Der Betrachter nimmt in jeder dieser Arbeiten eine mehr oder weniger komplexe Struktur wahr. Mein Wunsch wäre, dass er allein durch die Betrachtung stärker in eine solche Struktur hineingezogen wird und ein Gefühl der Übereinstimmung mit seiner eigenen Gestimmtheit findet.</p>
<p data-start="13839" data-end="14045">Dass das Werk dann noch zu einer großen Gruppe von Arbeiten gehört, die durch eine gedankliche Klammer zusammengehalten wird, könnte seine Ausstrahlung weiter verstärken. Aber das ist schon wieder Verstand.</p>
<h4 data-start="14047" data-end="14102">„Nullpunkt“: Stillstand und potenzieller Neuanfang</h4>
<p data-start="14104" data-end="14317"><strong data-start="14104" data-end="14117">ARTTRADO:</strong> „Nullpunkt“ ist ein ungewöhnlich offener Titel. Was bedeutet der Nullpunkt für Sie persönlich und künstlerisch: Ende, Anfang, Reduktion, Stillstand oder die Möglichkeit, wieder von vorne zu beginnen?</p>
<p data-start="14319" data-end="14556"><strong data-start="14319" data-end="14335">Gerd Jansen:</strong> Wir haben darüber bereits beim Thema Einschränkung gesprochen. In der Werkgruppe „Nullpunkt“ habe ich gewissermaßen versucht, diese bildnerische Thematik in den Bereichen Gesetz, Aura, Kondensat und Resonanz zu erfassen.</p>
<p data-start="14558" data-end="14727">Dabei habe ich als elementare Struktur, als Nullpunkt, nur das Quadrat gewählt. Alle Arbeiten nehmen davon ihren Ausgang beziehungsweise lassen sich darauf zurückführen.</p>
<p data-start="14832" data-end="15155">Im Nachwort des zugehörigen Dokumentationsbuches beschreibe ich Einschränkungssituationen aus meinem eigenen Leben, aus der Existenz einer Gesellschaft und auch aus der Physik, etwa den absoluten Temperatur-Nullpunkt. In allen Fällen gilt es, den Nullpunkt zu überwinden und aus der Erstarrung wieder in Bewegung zu kommen.</p>
<p data-start="15157" data-end="15431">Aus meiner Erfahrung heraus tendiere ich dazu, dass man an einen solchen Nullpunkt nicht zurückgehen sollte. Dieser Nullpunkt sollte vielmehr wagemutig übersprungen werden, hinein in einen ungewissen Bereich, der den großen Vorteil hat, unbelastet von alten Mustern zu sein.</p>
<p data-start="15433" data-end="15556">Im Nullpunkt treffen sich alle Gegensätze: ein Ende und der potenzielle Neuanfang, Stillstand und potenziell neue Bewegung.</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_20220" aria-describedby="caption-attachment-20220" style="width: 2048px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-20220" src="https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Bestellnummer-23-scaled.jpg" alt="Gerd Jansen im Interview: über Ordnung, Freiheit und fünf Jahrzehnte Kunst - Titelbild: Gerd Jansen mit Dmitry Garanin. Seit 2005 Professor im Fachbereich Physik des Lehman College der City University, New York. Seine Frau ist die bekannte Pianistin Elena Kuschnerova, mit der Gerd Jansen bereits drei Klavierabende veranstaltete." width="2048" height="2048" srcset="https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Bestellnummer-23-scaled.jpg 2048w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Bestellnummer-23-300x300.jpg 300w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Bestellnummer-23-1024x1024.jpg 1024w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Bestellnummer-23-150x150.jpg 150w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Bestellnummer-23-768x768.jpg 768w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Bestellnummer-23-1536x1536.jpg 1536w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Bestellnummer-23-800x800.jpg 800w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Bestellnummer-23-600x600.jpg 600w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/Bestellnummer-23-100x100.jpg 100w" sizes="(max-width: 2048px) 100vw, 2048px" /><figcaption id="caption-attachment-20220" class="wp-caption-text">Aus der Werkgruppe &#8222;Nullpunkt&#8220; (Resonanz ag20221108) fotographische Kombination von Malerei und Zeichnung, 50cm*50cm, 2022.</p>
<p></figcaption></figure>
<h4 data-start="15623" data-end="15920"><span style="font-size: 16px;">„Wandlungen“ und die gesellschaftliche Bedeutung von Kunst</span></h4>
<p data-start="15623" data-end="15920"><strong data-start="15623" data-end="15636">ARTTRADO:</strong> Bei „Wandlungen“ scheint bereits der Titel etwas zu beschreiben, das sich durch Ihr gesamtes Werk ziehen könnte. Was wandelt sich in diesen Arbeiten eigentlich am stärksten: die Form, das zugrunde liegende System, Ihre Arbeitsweise oder vielleicht auch Ihre eigene Haltung zur Kunst?</p>
<p data-start="15922" data-end="16102"><strong data-start="15922" data-end="15938">Gerd Jansen:</strong> Es verändern sich die Erscheinungsweisen der zugrunde liegenden künstlerischen Strategien. Das Temperament und die dadurch bestimmten Arbeitsweisen bleiben gleich.</p>
<p data-start="16104" data-end="16263">Auch in der Werkgruppe „Wandlungen“ habe ich die einzelnen Bereiche wieder in vier Ausdrucksweisen gegliedert: Schöpfung, Entfaltung, Auflösung und Augenblick.</p>
<p data-start="16265" data-end="16616">Weil ich diese Wandlungsprozesse in der eigenen Arbeit immer wieder selbst erlebt habe, sind sie vielleicht deshalb in dieser Werkgruppe zum Thema geworden, ähnlich wie bei „Nullpunkt“. Da ist in der eigenen Arbeit der Prozess der Schöpfung, der Ideenfindung, oft über die Intuition, dann der Prozess der Entfaltung und schließlich auch der Auflösung.</p>
<figure id="attachment_20209" aria-describedby="caption-attachment-20209" style="width: 2048px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-20209" src="https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/ws45-scaled.jpg" alt="Die Linie wird zum Zahlenstrahl, Primzahlen 63–98, Digitaldruck, 50 × 50 cm, 2002 - Serielle LinienzeichnungNachzeichnung der Papierecken mit überstehendem Zeigefinger Graphit, 60 x 60 cm, 1987 - Gerd Jansen im Interview mit ARTTRADO Plattform für Kunst und Kultur. " width="2048" height="2048" srcset="https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/ws45-scaled.jpg 2048w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/ws45-300x300.jpg 300w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/ws45-1024x1024.jpg 1024w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/ws45-150x150.jpg 150w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/ws45-768x768.jpg 768w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/ws45-1536x1536.jpg 1536w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/ws45-800x800.jpg 800w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/ws45-600x600.jpg 600w, https://arttrado.de/wp-content/uploads/2026/09/ws45-100x100.jpg 100w" sizes="(max-width: 2048px) 100vw, 2048px" /><figcaption id="caption-attachment-20209" class="wp-caption-text">Zeichnungsbeispiel aus Wandlungen: Schöpfung ws45, Collage und Tusche, 37 x 37 cm, 2024.</figcaption></figure>
<p data-start="16722" data-end="17043">Besonders interessant fand ich es in diesem Zusammenhang, mehr über den Augenblick nachzudenken. Sich des Augenblicks bewusst oder seiner gar habhaft zu werden, ist eine ganz starke Kraft, die uns im Schaffensprozess und später bei der Bildbetrachtung aus der alltäglichen, materiellen Empfindungssphäre herausheben kann.</p>
<p data-start="17045" data-end="17255">Im künstlerischen, musikalischen oder dichterischen Bereich ist so etwas vielleicht leichter möglich als in anderen Bereichen. Insofern erachte ich diese Bereiche als besonders lebensnotwendig für die Menschen.</p>
<p data-start="17257" data-end="17372">Da ist meine Haltung kompromisslos: Ohne Kunst, Musik und Dichtung werden wir keine lebenswerte Gesellschaft haben.</p>
<p data-start="17374" data-end="17625"><strong data-start="17374" data-end="17387">ARTTRADO:</strong> Sie sagen, ohne Kunst, Musik und Dichtung werde es keine lebenswerte Gesellschaft geben. Was genau können diese Bereiche Ihrer Ansicht nach leisten, was andere gesellschaftliche Institutionen oder Formen des Denkens nicht leisten können?</p>
<p data-start="17627" data-end="17885"><strong data-start="17627" data-end="17643">Gerd Jansen:</strong> Eine ganz wichtige Aufgabe der Menschen liegt meiner Ansicht nach in der Ausbildung unseres geistigen Vermögens. Damit meine ich nicht Intelligenz oder praktische Geschicklichkeit, welche allerdings wichtig sind für unser Bestehen im Alltag.</p>
<p data-start="17887" data-end="18183">Je stärker unser geistiges Bewusstsein ist, umso achtsamer werden wir als Menschen miteinander, mit den Tieren und mit unserem Planeten umgehen, weil wir in allem unseren geistigen Ursprung erkennen. Die Fähigkeit zu geistigem Bewusstsein ist uns mitgegeben, aber wir müssen immer daran arbeiten.</p>
<p data-start="18185" data-end="18581">Das geht im Prinzip in allen Bereichen, aber natürlich am besten dort, wo die materiellen Erfordernisse des Alltags weniger stark sind. In Kunst, Musik, Dichtung geht es ja darum, Gedankliches in ein Medium zu bringen, als Anstoß für eigenes Weiterdenken oder als Grundlage für ein Gespräch mit anderen Menschen. Hier haben wir dann eine kommunikative Dimension, die auf Erkenntniszugewinn zielt.</p>
<p data-start="18583" data-end="19010">Man könnte auch sagen, dass vor allem diese künstlerischen Disziplinen den Zugang zu Geistigem erleichtern, weil sie selbst aus dem Geistigen entstanden sind. Beispielsweise sind natürlich auch soziale Bestrebungen begrüßenswert. In einer sozialen Gesellschaft gibt es aber nicht unbedingt Kunst und Musik. Umgekehrt kann eine Gesellschaft, die durch Kunst und Musik eine geistige Bildung erfährt, nicht anders als sozial sein.</p>
<h4 data-start="19012" data-end="19060">Wo Hauptwerk und Nachträge auseinandergehen</h4>
<p data-start="19062" data-end="19243"><strong data-start="19062" data-end="19075">ARTTRADO:</strong> Wenn Sie heute Arbeiten aus Ihrem Hauptwerk neben Arbeiten der Nachträge legen: Wo erkennen Sie selbst die stärkste Verbindung und wo sehen Sie einen wirklichen Bruch?</p>
<p data-start="19245" data-end="19440"><strong data-start="19245" data-end="19261">Gerd Jansen:</strong> Auch optisch sehe ich eigentlich nur Verbindungen, selbst wenn die Optik große Unterschiede aufweist. Erst wenn man sich über die Dinge unterhält, kann man Zuordnungen vornehmen.</p>
<p data-start="19442" data-end="19667">Wenn wir überhaupt einen Bruch in Erwägung ziehen, dann liegt er im Unterschied zwischen der wertfreien Arbeitsphase bis 2017 und der sich daran anschließenden Arbeitsphase, die mit außerkünstlerischen Gedanken unterlegt ist.</p>
<h4 data-start="19669" data-end="19717">Wenn die Idee wichtiger wird als das Objekt</h4>
<p data-start="19719" data-end="20128"><strong data-start="19719" data-end="19732">ARTTRADO:</strong> Ein erheblicher Teil Ihres plastischen Hauptwerks befindet sich heute nicht mehr bei Ihnen selbst, sondern wurde verkauft, Institutionen überlassen oder befindet sich beispielsweise im Centre d’Art Contemporain Frank Popper in Frankreich. Wie verändert sich das eigene Verhältnis zu einem jahrzehntelangen Werk, wenn man als Künstler selbst physisch nur noch auf einen Teil davon zugreifen kann?</p>
<p data-start="20130" data-end="20533"><strong data-start="20130" data-end="20146">Gerd Jansen:</strong> Eigentlich lassen sich alle meine Skulpturen wiederholen. Ich hatte einmal den Fall, dass ein Werk aus der vierten Werkgruppe „Das Weltall als Idee“ plötzlich im Museum „verschwunden“ war. Obwohl es keine serielle Skulptur war, habe ich mir die große Mühe gemacht, diese Skulptur noch einmal herzustellen, damit das Museum Schloss Moyland die vollständige Arbeitsgruppe bekommen konnte.</p>
<p data-start="20535" data-end="20775">Bei den seriellen Skulpturen ist das ohnehin kein Problem. Solche Skulpturen, die keine persönliche, einmalige Handschrift besitzen, könnte ich als Auftrag auch an eine Werkstatt geben oder sie im Kleinen als Modell noch einmal wiederholen.</p>
<p data-start="20777" data-end="21024">Für eine Arbeit ist die Idee das Wichtigste, ob sie nun ausgeführt wird oder nicht. Natürlich ist es schön, wenn die Dinge materiell vor einem stehen, beispielsweise bei einigen Großskulpturen. Aber die Möglichkeiten dafür waren nicht oft gegeben.</p>
<p data-start="21026" data-end="21187">Allein die technische Seite verändert sich von einem Modell zur Großskulptur erheblich, und im öffentlichen Raum sieht man häufig auch unschöne „Vergrößerungen“.</p>
<p data-start="21189" data-end="21329">Ich vermisse meine Arbeiten nicht, denn die Ideen bleiben mir erhalten, und dazu die Gewissheit, sie jederzeit noch einmal machen zu können.</p>
<p data-start="21331" data-end="21566"><strong data-start="21331" data-end="21344">ARTTRADO:</strong> Wenn die Idee wichtiger ist als ihre materielle Ausführung: Wann wird aus einer Idee für Sie ein Kunstwerk? Braucht es überhaupt noch die konkrete Arbeit oder kann bereits die gedachte Möglichkeit eines Werkes Kunst sein?</p>
<p data-start="21568" data-end="21873"><strong data-start="21568" data-end="21584">Gerd Jansen:</strong> Zu meiner Arbeit im „Institut für bildnerisches Denken“ habe ich einmal geschrieben, dass Wahrnehmen, Denken und Handeln eine Einheit bilden. Praktische künstlerische Betätigung ist nicht ohne theoretische Auseinandersetzung möglich, und umgekehrt muss die Idee praktisch getestet werden.</p>
<p data-start="21875" data-end="22306">Die Idee ist aber nicht einfach nur ein Hirngespinst, sondern sie hat eine eigene, wirkliche Daseinsform. Der amerikanische Konzeptkünstler Sol LeWitt sagte einmal, die Idee selbst, auch wenn nicht in sichtbare Form gebracht, sei ebenso Kunstwerk wie ein abgeschlossenes Produkt. Und Joseph Beuys würde hier sicher ergänzen, dass ein solches Produkt, das dann in die Sinnlichkeit tritt, dazu dienen kann, die Idee zu kontrollieren.</p>
<p data-start="22308" data-end="22481">Für Beuys war das Denken eine übersinnliche Daseinsform. Also kann man sagen, dass Ideen nicht nur gedachte Möglichkeiten sind, sondern dass sie ein wirkliches Dasein haben.</p>
<p data-start="22483" data-end="22843">Dass wir dennoch eine Idee als konkretes, materielles Kunstwerk vor uns haben möchten, hängt damit zusammen, dass Geistiges und Materielles in uns eine Einheit bilden und dass das, was wir als lebendige Wesen nach außen tragen, wiederum geistig-materiell sein muss. Das muss kein Bild oder keine Skulptur sein, das kann zum Beispiel auch eine Performance sein.</p>
<p data-start="22845" data-end="23187">Schelling sagt, dass das „Ziel unserer Sehnsüchte das vollkommen Leibliche als Abglanz des vollkommen Geistigen“ sei. Die konzeptuelle Kunst ist nun einmal so angelegt, dass eine Ausführung nicht unbedingt erfolgen muss. Allerdings kann man einen Plan, eine schriftliche Anweisung oder eine Partitur auch schon als eine Art Ausführung betrachten.</p>
<h4 data-start="23189" data-end="23241">countune: Wenn der Betrachter zum Mitautor wird</h4>
<p data-start="23243" data-end="23530"><strong data-start="23243" data-end="23256">ARTTRADO:</strong> Mit Projekten wie countune gehen Sie noch einen anderen Weg: Der Betrachter kann selbst Bilder erzeugen, herunterladen und weiterverwenden. Wann ist ein solches Bild für Sie noch ein Werk von Gerd Jansen, wenn ein anderer Mensch seine konkrete Erscheinungsform mitbestimmt?</p>
<p data-start="23532" data-end="23820"><strong data-start="23532" data-end="23548">Gerd Jansen:</strong> Die Idee ist für mich entscheidend. Große Teile meines Hauptwerks bestehen aus Arbeiten, die wir auch Arbeitsanweisungen nennen könnten. Jeder, der möchte, kann nach meinen Vorgaben Bilder herstellen. Es ist dann quasi ein Gemeinschaftswerk von mir und dem Interessenten.</p>
<p data-start="23822" data-end="24079">Ich habe auch Installationssets angeboten, mit denen der Käufer nach meinem Herstellungsplan sein eigenes Wandbild installieren konnte. Mit countune und den Bild-Konzepten habe ich das ins Internet übertragen. Jeder kann dort kostenfrei Bilder ausprobieren.</p>
<p data-start="24081" data-end="24418">Ich betrachte solche Bilder als wirkliche Gemeinschaftsarbeiten. Es ist gut möglich, dass diese soziale Komponente, die aus meiner Beschäftigung mit seriellen Arbeitsweisen hervorging, auch eine Vorstufe für die gedankliche Auseinandersetzung mit meiner eigenen Position innerhalb des gesellschaftlichen Rahmens war, Stichwort Nachträge.</p>
<p data-start="24420" data-end="24692"><strong data-start="24420" data-end="24433">ARTTRADO:</strong> Rund um countune haben Sie zeitweise auch über Parfüm, Mode, Möbel oder Postkarten nachgedacht. Wo verläuft für Sie die Grenze zwischen Kunstwerk, Edition, Produkt und angewandter Gestaltung? Oder ist diese Grenze für Ihre Arbeit gar nicht besonders wichtig?</p>
<p data-start="24694" data-end="24857"><strong data-start="24694" data-end="24710">Gerd Jansen:</strong> Wenn man ein Produkt designt, ist man nicht ganz frei von gewissen Vorgaben. In der reinen Kunst ist der Mensch frei von einer solchen Begrenzung.</p>
<p data-start="24859" data-end="25231">Beim countune-Parfüm war das beispielsweise so: Da sind die Bilder, die entstehen und zu einem Bildband zusammengefügt werden. Dann gibt es Fotos von Freunden als wechselnde Hintergrundbilder, Musik, die zugeschaltet werden kann, und da dachten wir, es wäre schön, countune auch riechen zu können. Meine Tochter hat daraufhin ein Parfüm mit countune-Verpackung entwickelt.</p>
<p data-start="25233" data-end="25501">Einige Leute meinten dann, es wäre auch schön, die selbst erstellten Bilder als Postkarten versenden zu können. Eine Industriefassade gestaltete ich nach dem countune-Prinzip. Einmal kam ein Interessent, der in seiner Firma Seifen mit countune-Bildern gestaltet hatte.</p>
<p data-start="25503" data-end="25813">In diesen Zusammenhängen weitet sich die Bildidee in Produkte hinein. Speziell die countune-Idee als „International Social Art Project“ weicht ja von vornherein vom Verständnis „reiner“ Kunst ab, weil es zumindest im Materiellen keine persönliche Handschrift gibt, auf die Kunstsammler meist großen Wert legen.</p>
<p data-start="25815" data-end="25971">Eine Grenze zwischen Produktkunst und reinem Kunstwerk sehe ich aber sehr wohl in der grundsätzlich unterschiedlichen Absicht, aus der die Sachen entstehen.</p>
<h4 data-start="25973" data-end="26020">„Kunstbetrieb ist ein fürchterliches Wort“</h4>
<p data-start="26022" data-end="26395"><strong data-start="26022" data-end="26035">ARTTRADO:</strong> Sie haben bedeutende Stipendien erhalten und bereits 1989 als damals noch weitgehend unbekannter Künstler den Kunstpreis des Basler Kunstvereins gewonnen. Heute stehen Sie Kunstpreisen und Bewerbungen eher neutral bis ablehnend gegenüber. Hat sich Ihr Verhältnis zum Kunstbetrieb verändert oder schlicht Ihre Vorstellung davon, was Sie von ihm noch benötigen?</p>
<p data-start="26397" data-end="26759"><strong data-start="26397" data-end="26413">Gerd Jansen:</strong> Kunstbetrieb, auch Kunstmarkt, ist ein fürchterliches Wort. Aber es beschreibt wahrscheinlich ziemlich genau den Rahmen, in dem man gegenwärtig Kunstwerke sieht: als Ware, als Spekulationsobjekte, immer gemessen an dem Geldbetrag und dem Renommee, die mit einem Werk verbunden sind und die man durch Verkaufsmechanismen zu manipulieren versucht.</p>
<p data-start="26761" data-end="26979">Das hat in vielen Fällen nichts mit der wahren Bedeutung eines Werks zu tun. Ich kenne großartige Künstler, die komplett vom Kunstbetrieb ignoriert werden und, wie man so schön sagt, nicht von ihrer Kunst leben können.</p>
<p data-start="26981" data-end="27220">Leider sind gerade die Wächter über den Kunstbetrieb, Galeristen, Museumsleute, Kunsthistoriker und Sammler, gegenüber unpopulären Ansätzen oft verschlossen. Das ist verständlich, weil sie in diesem Betrieb finanziell zurechtkommen müssen.</p>
<blockquote>
<p data-start="27222" data-end="27446">Tatsache ist nun einmal: Künstler zu sein ist eine Berufung, finanziell erfolgreich oder nicht. Erwin Heerich sagte einmal zu mir: Entweder ist man Künstler oder nicht. Da kann man nicht wählen. Bei Musikern ist das genauso.</p>
</blockquote>
<p data-start="27448" data-end="27784">Wichtig ist, dass man sich vom Kunstbetrieb nicht sagen lässt, was man machen soll. Das funktioniert nicht. In jedem Fall muss man den eigenen Weg gehen. Wenn dann einmal ein Stipendium oder ein Kunstpreis auf diesem Weg liegt, dann gut, dann nimmt man das mit. Man sollte aber nicht beginnen, nach Stipendien und Kunstpreisen zu jagen.</p>
<p data-start="27786" data-end="27933">Solche Subventionen können eine Arbeit sogar empfindlich stören, weil sie einen manchmal auf einem Weg halten, den man eigentlich verlassen sollte.</p>
<p data-start="27935" data-end="28135">Ich selbst kann gut ohne diesen Kunstbetrieb auskommen. Was ich mir allerdings wünsche, sind mehr Menschen, die Lust haben, eine Arbeit von mir in ihr Umfeld aufzunehmen, als Kauf oder auch geschenkt.</p>
<h4 data-start="28137" data-end="28184">„Das sind vom Umfang her museale Arbeiten“</h4>
<p data-start="28186" data-end="28542"><strong data-start="28186" data-end="28199">ARTTRADO:</strong> Sie haben über Jahrzehnte gearbeitet, ausgestellt, verkauft, publiziert und Werke an Institutionen gegeben. Trotzdem gibt es, wie Sie schreiben, wichtige Arbeiten und Ideen des Hauptwerks, die bislang nie gezeigt wurden. Gibt es etwas in Ihrem Werk, bei dem Sie heute sagen würden: Das wurde bisher noch nicht richtig gesehen oder verstanden?</p>
<p data-start="28544" data-end="28730"><strong data-start="28544" data-end="28560">Gerd Jansen:</strong> Ja, sicher. So viele Ausstellungen waren mir nicht möglich. Auch wenn vielleicht aus jeder Schaffensphase bisher etwas gezeigt wurde, ist das nur ein kleiner Ausschnitt.</p>
<p data-start="28732" data-end="28969">Mehr Ausstellungen hätten die Ideen deutlicher machen können, vor allem den Umfang der Untersuchungen und die Zusammenhänge von seriellem und linearem Arbeiten, die dann folgerichtig zu der Erkenntnis „Linie gleich Zahlenstrahl“ führten.</p>
<p data-start="28971" data-end="29155">Und dann natürlich auch die Frage, ob Zahlen möglicherweise konstituierend für unsere Welt sind und die Primzahlen die wirklichen Atome, die alle übergeordneten Strukturen ermöglichen.</p>
<p data-start="29157" data-end="29385">Ich denke besonders an die großen Tisch- und Zeichnungsserien aus den Jahren zwischen 1993 und 1997. Das sind vom Umfang her museale Arbeiten. Einen starken Kontrast dazu könnten die minimalistischen Schnurinstallationen bilden.</p>
<p data-start="29387" data-end="29611">Ich habe damals ganz bewusst in großen, nahezu, schnellen, sinfonischen Dimensionen gearbeitet. Damit habe ich mir gleichzeitig gegenüber dem Kunstbetrieb, über den wir gerade gesprochen haben, selbst eine ziemliche Hürde aufgebaut.</p>
<p data-start="29613" data-end="29708">Und schließlich sind die Nachträge bisher erst dreimal in kleinen Ausstellungen gezeigt worden.</p>
<p data-start="29710" data-end="29927">Glücklicherweise habe ich mein gesamtes Werk in 19 Bänden dokumentiert, sodass jederzeit eine Beschäftigung mit den Arbeiten möglich ist. Diese Bücher können über meine Website auch vollständig online studiert werden.</p>
<h4 data-start="29929" data-end="29988">Was kommt nach fünf Jahrzehnten künstlerischer Arbeit?</h4>
<p data-start="29990" data-end="30226"><strong data-start="29990" data-end="30003">ARTTRADO:</strong> Sie haben beschrieben, wie Einschränkungen, Veränderungen und neue Ausgangspunkte Ihr Werk immer wieder in eine andere Richtung geführt haben. Was könnte heute noch einen solchen neuen Ausgangspunkt für Ihre Arbeit bilden?</p>
<p data-start="30228" data-end="30477"><strong data-start="30228" data-end="30244">Gerd Jansen:</strong> Ausgangspunkt kann der Abschluss einer Werkgruppe sein. So war das vor allem in den letzten Jahren. Schon in der Endphase eines solchen Themenbereichs nimmt die Intensität ab, und es kommen erste Visionen, wie es weitergehen könnte.</p>
<p data-start="30479" data-end="30712">Das hängt damit zusammen, dass die neuen bildnerischen Erfahrungen in der aktuellen Arbeit weitergehende Möglichkeiten eröffnen. Aber ganz so nahtlos geht das meistens nicht. Es gilt, vom Abgeschlossenen zeitlichen Abstand zu nehmen.</p>
<p data-start="30714" data-end="30948">Das geschieht fast zwangsweise, weil viele Aufgaben, Hausarbeiten und Verpflichtungen nachzuholen und zu erledigen sind. Oft verschwinden dann die Ideen, die gerade noch, etwas diffus zwar, aber so verlockend in den Gedanken kreisten.</p>
<p data-start="30950" data-end="31371">Der Antrieb, künstlerisch tätig zu sein, kehrt dann aber regelmäßig nach zwei bis drei Monaten wieder zurück und mit ihm auch die Vorstellungen von neuen bildnerischen Lösungen. Wieder zu beginnen ist dann oft schwer, und es braucht schon ein paar Tage und viele Versuche, bis ich wieder ganz in die Arbeit eintauchen kann. Dann läuft allerdings die „Produktion“ sehr locker, und die Arbeiten entstehen in guter Stimmung.</p>
<p data-start="31373" data-end="31605">Ich denke, es ist vor allem der künstlerische Impuls, der wie eine Schwingung zu- und abnimmt und der mir nun einmal so auf meinem irdischen Weg mitgegeben wurde. Diese innere Kraft braucht eben manchmal Abstand und Erholungsphasen.</p>
<p data-start="31607" data-end="31726">Einschränkungen, Veränderungen oder der Abschluss einer Werkgruppe vermögen diesen Schaffensimpuls neu zu organisieren.</p>
<h4 data-start="31607" data-end="31726">Weitere Informationen</h4>
<p><a href="http://www.gerd-jansen.de/" target="_blank" rel="noopener">Zur Webseite des Künstlers!</a></p>
<p>Bei Interesse an Arbeiten von Gerd Jansen nutzen Sie gerne <a href="https://arttrado.de/kontakt/" target="_blank" rel="noopener">unseren Kontakt!</a></p>
<p>Von uns ausgewählte Veranstaltungen finden Sie unter <a href="https://arttrado.de/events/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&gt;&gt;&gt;Events&lt;&lt;&lt;</a></p>
<p>Besondere Kunstwerke finden <a href="https://arttrado.de/shop/" target="_blank" rel="noopener">Sie auch bei uns im Shop!</a></p>
<p>Unsere Interviews finden Sie hier: <a href="https://arttrado.de/news/category/kuenstler-portraits/interview/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interview| Arttrado.de</a></p>
<p>Wenn Sie uns über ihr spannendes Kunstprojekt informieren wollen, nutzen Sie unseren <a href="https://arttrado.de/kontakt/">Kontakt.</a></p>
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			</item>
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		<title>REZENSION: Richild Holt – 25 Jahre Reisezeichnungen</title>
		<link>https://arttrado.de/news/rezension-richild-holt-25-jahre-reisezeichnungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Heidemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Aug 2024 11:32:59 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Urlaub]]></category>
		<category><![CDATA[Baron Maximilian von Koskull.]]></category>
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		<guid isPermaLink="false">https://arttrado.de/?p=17132</guid>

					<description><![CDATA[REZENSION: Richild Holt – 25 Jahre Reisezeichnungen Beim Verfassen dieser Rezension habe ich festgestellt, das länger keine Rezensionen mehr erschienen <br/> <a class="btn btn-xs btn-default" href="https://arttrado.de/news/rezension-richild-holt-25-jahre-reisezeichnungen/">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h4>REZENSION: Richild Holt – 25 Jahre Reisezeichnungen</h4>
<p>Beim Verfassen dieser Rezension habe ich festgestellt, das länger keine Rezensionen mehr erschienen sind. Hier liegt aber auch nicht mein Hauptgeschäft – trotzdem freue ich mich, wenn Künstler, Autoren oder Verlage mich nach meiner ehrlichen Meinung fragen. Ein paar Mal wurde ich bereits darauf angesprochen, warum; wenn es meine ehrliche Meinung ist es nie Kritik gibt und die Rezensionen meist Empfehlungen gleichen. Nun ja, wenn Bücher mir nicht gefallen, dann berichte ich nicht über sie &#8211; auch wenn sich Hetze und Clickbait besser vermarkten lassen, freue ich mich, das wir es nun seit fasst 7 Jahren ohne schaffen.</p>
<p>Aufmerksame Leser werden sich sicherlich an unser<a href="https://arttrado.de/news/werk-der-woche-58-falling-von-richild-von-holtzbrinck/" target="_blank" rel="noopener"> Werk der Woche #58 – „Falling“ von Richild von Holtzbrinck</a> erinnern. Damals erschien grade ihr Werk &#8222;Farbe und Linie&#8220;. Mit über 70 Bildern und begleitenden Texten von Baron Maximilian von Koskull und Martin Langanke entstand ein umfassendes Werk über das Leben und Schaffen der Künstlerin. <a class="" href="https://schillo-verlag.de/buchvostellung-richild-holt-farbe-und-linie-in-stuttgart">Die Buchverstellung fand im Literaturhaus in Stuttgart statt.</a></p>
<p>Jetzt, 2 Jahre später widmen wir uns dem Buch &#8222;Richild Holt – 25 Jahre Reisezeichnungen&#8220;. Die gebundene Ausgabe misst im Umfang: 96 Seiten, Softcover. Format: 20,0 x 24,5 cm. ISBN: 978-3-944716-23-7</p>
<p>Es finden sich auch Worte von Prof. Dr. Karl-Josef-Kuschel im Werk. Der Literaturwissenschaftler und Theologe ist mit den Arbeiten von Richild Holt eng verbunden. Er hielt unter anderem am 10. Juni 2022 in Stuttgart den Einführungsvortrag zur Präsentation des Buches „Farbe und Linie“.</p>
<h4>Richild Holt – 25 Jahre Reisezeichnungen</h4>
<p>Das Vorwort übernimmt die Künstlerin natürlich selbst. Sie lässt den Leser wissen, dass sie auf ihren Reisen mit der gleichen Tinte zeichnet, mit der sie auch schreibt – ebenso teilt sie die Erfahrung, dass man das, was man einmal gezeichnet hat – kaum wieder vergessen kann – der Moment ist intensiver als bei einem Foto.</p>
<p>Ebenso teilt die Künstlerin ein Detail über die ersten zwei Zeichnungen mit dem Leser, wie diese 1998/1999 entstanden sind. Wie bei all meinen Rezensionen möchte ich nicht zu viel spoilern. Aber das Vorwort lässt erahnen, dass das folgende persönlich war, ist und wird.</p>
<p>Vorab: Auch wenn es sich um Reisezeichnungen handelt, empfehle ich diese im Gegensatz zu den meisten Büchern und Bildbändern nicht auf Reisen zu betrachten. Beschäftigen Sie sich mit dem Werk lieber zu Hause. In einem ruhigen Moment &#8211; vielleicht wenn der nächste Urlaub oder Trip noch eine Weile entfernt ist. Wenn Sie Vorfreude oder Inspiration suchen. Vielleicht verzichten sie bei der nächsten Reise auch auf das Lesen und nehmen ihre Ausflüge bewusster wahr, &#8211; Austausch, Kommunikation – die Liebe im Detail finden – vielleicht gibt ihnen das Werk Inspiration für ihre erste eigene Künstlerreise. Was weiß ich schon, auf jeden Fall ist das Werk etwas, was es wert ist, sich Zeit zu nehmen und nicht zwischen Tür und Angel durchgeblättert zu werden.</p>
<p>Nach weiteren Zeichnungen schwarz/weiß und in Farbe ergreift der Baron Maximilian von Koskull das Wort. Der Herausgeber eröffnet mit einem beliebten Zitat von Johann Wolfgang von Goethe die Komposition. Der Autor geht auf die Tradition von Künstlerreisen ein und verweist auf gute Quellen. Seine Quellen und „Fußnoten“ enthalten dabei ausführliche Informationen und ermöglichen auch Lesern, die nicht direkt aus der Materie kommen einen leichten und nachvollziehbaren Einstieg.</p>
<h4>Kuratiert, sortiert &#8211; Liebe zum Detail!</h4>
<p>Generell ist die Wortwahl des Autors sehr leserfreundlich und setzt kein Kunststudium voraus – benötigtes Wissen oder Informationen zum Kontext werden geliefert. Das Werk enthält Zeichnungen aus Sri Lanka, Venedig, Paris, Split, Griechenland, Lissabon, Istanbul, Moskau, New York und London. Dabei wird auch noch einmal verdeutlicht, dass es sich nicht um alle Reisen der Künstlerin handelt – sondern schon eine gewisse Vorauswahl getroffen wurde – um dem Werk einen zusammenhängenden Kontext zu geben. Das Ziel war offensichtlich nicht einfach möglich „viele Zeichnungen zusammenhangslos in das Buch zu klatschen“. Die Zeichnungen wurden bewusst gewählt.</p>
<p>Einige Zeichnungen stehen für sich, andere werden von dem Herausgeber erklärt bzw. genauer unter die Lupe genommen – durch den engen Kontakt zur Künstlerin selbst, lässt sich mit Sicherheit sagen, dass hier keine Spekulation in den Raum geworfen werden – sondern nachvollziehbare Erklärungen, zu Details, Techniken und Entstehungen der Zeichnungen.</p>
<p>Das Buch enthält auch diverse intime Zeichnungen von Menschen, die die Künstlerin auf ihren Reisen getroffen hat – die Texte dazu enthalten zwischen den Zeilen schon fast eine Anleitung – bzw. Tipps, wie man gewisse Effekte beim Zeichnen selbst erzielen kann.</p>
<h4>Prof. Dr. Karl Josef Kuschel</h4>
<p>Prof. Dr. Karl Josef Kuschel widmet sich ab der Mitte des Buches den Landschaftszeichnungen der Künstlerin. Es werden im letzten Teil des Buches noch architektonische Zeichnungen gezeigt und auch hier – geben die beiden Schreiberlinge Aufschlüsslung, wie und warum gewisse Effekte bei den Zeichnungen entstehen und nehmen den Leser an die Hand.</p>
<p>Das Werk endet mit der beeindruckenden Biografie der Künstlerin und einem Einblick in die chronologisch geordneten Reisen. Wobei es noch einmal zu betonen gilt, das die Zeichnungen im Werk selbst bewusst nicht chronologisch geordnet sind – sondern immer einen Text/Bild Bezug haben. Hier wurde ein harmonisches Gesamtwerk geschaffen – was Kunstfreunde und jenen die es werden möchten, anspricht.</p>
<p>Gut, was weiß ich schon – aber auf jeden Fall, bin ich froh, dass ich dieses Werk in meiner Sammlung habe. Irgendetwas sagt mir, das es nicht das letzte gemeinsame Buch der Künstlerin und des Herausgebers sein wird! Kunstliebhaber die nichts verpassen möchten, <a href="https://kunsthandel-koskull.de/" target="_blank" rel="noopener">sollten die Webseite im Blick behalten!</a></p>
<h4>Richild Holt &#8211; Die Künstlerin</h4>
<p>Richild Holt, ist in Österreich geboren, sie lebte und arbeitete 23 Jahre lang in Stuttgart und New York. Seit 2008 in Stuttgart und München. Zu ihrem künstlerischen Ausbildungsweg gehören »The New School for Social Research«, New York (1968-70), und die »Akademie der Bildenden Künste«, Stuttgart (1981-85).</p>
<p>Die Künstlerin ist Ehrenmitglied der »Deutschsprachigen Gesellschaft für Kunst und Psychopathologie des Ausdrucks«. Und Ehrenmitglied des National Arts Club, New York. 1988-2005 Mitglied des Vorstands des Galerievereins der Staatsgalerie Stuttgart. 2006 Ehrenmitglied des Galerievereins der Staatsgalerie Stuttgart. Ab 2006 Mitglied des Vorstandes der Freunde des Literaturhauses Stuttgart.</p>
<p>Mehr über die Künstlerin erfahren Sie auch auf der Webseite: <a href="https://richild-holt.de/die-kuenstlerin/">www.richild-holt.de</a></p>
<h4>Weitere Informationen</h4>
<p>Zur Webseite des Verlages und der Möglichkeit das Buch zu bestellen: <a href="https://schillo-verlag.de/produkt/richild-holt-25-jahre-reisezeichnungen">www.schillo-verlag.de</a></p>
<p>Ausgewählte Kunstwerke finden <a href="https://arttrado.de/shop/">Sie bei uns im Shop!</a></p>
<p>Von uns ausgewählte Veranstaltungen finden Sie unter <a href="https://arttrado.de/events/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&gt;&gt;&gt;Events&lt;&lt;&lt;</a></p>
<p>Unsere Interviews finden Sie hier: <a href="https://arttrado.de/news/category/kuenstler-portraits/interview/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interview| Arttrado.de</a></p>
<p>Wenn Sie uns über ihr spannendes Kunstprojekt informieren wollen, nutzen Sie unseren <a href="https://arttrado.de/kontakt/">Kontakt.</a></p>
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		<title>Interview mit der Schweizer Künstlerin V.F &#8211; Anonyme Zeichnungen</title>
		<link>https://arttrado.de/news/interview-mit-der-schweizer-kuenstlerin-v-f-anonyme-zeichnungen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Heidemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Dec 2023 12:58:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kunstinterviews]]></category>
		<category><![CDATA[Tipps für Galerien]]></category>
		<category><![CDATA[Aufgeschnappt aus der Kunstszene]]></category>
		<category><![CDATA[interview]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst aus der Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[schwarz weiß]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst entdecken]]></category>
		<category><![CDATA[Zeichnungen]]></category>
		<category><![CDATA[Pashmin Art Gallery]]></category>
		<category><![CDATA[V.F]]></category>
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					<description><![CDATA[Interview mit der Schweizer Künstlerin V.F &#8211; Anonyme Zeichnungen V.F ist in der Blüte Ihres Lebens, die Künstlerin zeichnet bereits <br/> <a class="btn btn-xs btn-default" href="https://arttrado.de/news/interview-mit-der-schweizer-kuenstlerin-v-f-anonyme-zeichnungen/">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h4>Interview mit der Schweizer Künstlerin V.F &#8211; Anonyme Zeichnungen</h4>
<p>V.F ist in der Blüte Ihres Lebens, die Künstlerin zeichnet bereits seit über 12 Jahren &#8211; trotzdem wissen privat die wenigsten davon. Es würde die Reaktionen auf Ihre Kunstwerke verfälschen, wenn sie Feedback von Freunden oder Bekannten bekommt, die Ihre Arbeiten aufgrund Ihrer Person loben oder kritisieren. V.F möchte auch nicht, das Kritiker sagen können, das Ihre Kunstwerke gehandelt werden, weil Sie Person XY ist. Ihre Zeichnungen sind zutiefst persönlich und können auch biografisch verstanden werden &#8211; aber Ihre Kunst steht im Vordergrund, nicht die Person. Zuletzt war V.F im Sommer 2023 über die Pashmin Art Gallery Hamburg präsent.</p>
<p>Die Pashmin Art Gallery schrieb über V.F: &#8222;&#8230; <em>dringt mit ihren psychologischen Schwarz-Weiß-Kunstwerken tief in die menschliche Psyche ein. Mit akribischer Liebe zum Detail deckt Fernandes die Feinheiten menschlicher Emotionen auf und hinterlässt beim Betrachter eine tiefgreifende Reflexion über die Komplexität des menschlichen Daseins.&#8220;</em></p>
<p>V.F lebt in den Schweizer Bergen, treibt sehr gerne Sport und liebt es mit ihrem Hund und ihrer Katze Zeit zu verbringen. Sie liest und hört gerne Musik. Doch die meiste Zeit beschäftigt sie sich mit ihren Zeichnungen. Eine ganz normale Frau von nebenan, deren tiefgründigen Zeichnungen im mittleren dreistelligen Bereich gehandelt werden &#8211; größere Arbeiten beginnen im 4-stelligen Bereich.</p>
<p>Im Interview wollen wir mehr über die Künstlerin und über ihre Arbeitsweise und Kunstwerke erfahren.</p>
<h4>Zwischen Anonymität und &#8222;Seelenstriptease&#8220; in den Zeichnungen &#8211; V.F im Interview</h4>
<p><strong>Wo bist du grade, wie geht es dir und wodran arbeitest du aktuell? </strong></p>
<p><em>Grade bin ich in der Schweiz, aber meistens gehe ich für 3-4 Monaten ins Ausland. Ich reise sehr gerne und lerne neue Kulturen kennen. Sonst bin ich zu Hause und mache viel Sport oder gehe gerne mit meinem Hund spazieren. Überall wo ich gehe, nehme ich meinem Bleistift und leere Blätter mit. Ich zeichne jeden Tag, oft mehrere Stunden. Zeichnen ist wie meine persönliche Therapie, welche mich beruhigt, und wo ich meinem Herz leeren kann.</em></p>
<p><strong>Wie hast du überhaupt zur Kunst gefunden? </strong></p>
<p><em>Ich zeichne seit ich 13 Jahre alt bin. In einen von vielen schwierigen Lebensabschnitt habe ich das Zeichnen für mich entdeckt. Zeichnen war und ist für mich die beste Art mich auszudrücken. Ich muss nicht sprechen oder was erklären. Auf einem Blatt Papier mit einem Bleistift kann ich meine Gefühle freien Lauf lassen und verschiedene Gedanke verarbeiten. Zeichnen ist für mich mehr als ein Hobby,<br />
es ist ein Hauptbestandteil meines Lebens.</em></p>
<p><strong>Gab es einen bestimmten Moment für den Entscheid deine Werke mit der Öffentlichkeit zu teilen?</strong></p>
<p><em>Das war ein Schritt welche ich mir lange nicht zugetraut habe. Einerseits weil meine Zeichnung sehr persönlich sind und meine Erfahrungen und Emotionen zum Teil 1:1 beschreiben und anderseits, weil Zeichnen für mich etwas Privates war. Etwas was ich in aller Ruhe in meinem Zimmer gemacht habe und mit niemandem Teilte. Es war lang mein Geheimnis.</em></p>
<p><em>Den Entscheid meine Kunst mit der Öffentlichkeit zu teilen war nicht einfach… Meine Familie hat mich dazu motiviert und gezeigt, dass ich Talent habe und, dass es schade wäre, wenn ich meine Zeichnungen nur für mich behalte. So habe ich mir den Schritt zugetraut und probiere jetzt Fuß zu fassen und mit meiner Kunst Menschen zu erreichen und Ihnen die Schönheit die sich hinter aller Art von Gefühle verbirgt zu zeigen.</em></p>
<p><strong>Wie kann man sich den Entstehungsprozess von deinen Werken vorstellen? </strong></p>
<p><em>Es ist in meinem Augen einer sehr natürlichen Prozedere… Da das Zeichnen so eine Art Verarbeitungskanal für meine Gefühle ist. Ich spüre, dass ich was zeichnen will &#8211; und muss &#8211; um mich gerade besser zu fühlen. Die Ideen kommen&#8230; sprudeln schon bevor ich den Zeichnungsblock rausnehme. Und dann lasse ich meinen Gefühlen und der Hand freien Lauf.</em></p>
<p><em>Meine Zeichnung reflektieren zu 100% persönliche Erfahrungen. Meine Zeichnung sind immer ein Spiegel, meiner momentanen Gefühlslage oder einen bestimmten jetzigen oder frühere Ereignis. Es gibt kein Filter und ich denke überhaupt nicht beim zeichnen. Deshalb habe ich mich dazu entschieden anonym zu bleiben, auch ein bisschen um ein Schutzschild für meine Gefühle aufzubauen, da meine Zeichnungen so Intim und persönlich sind und gleichzeitig, ist das Feedback von Betrachtern auf die Kunstwerke so ehrlicher. </em></p>
<p><strong>Wie hältst du die Balance zwischen dem Wunsch nach Privatsphäre und der Welt deine Kunst zu präsentieren?</strong></p>
<p><em>Es ist ein innerlicher Kampf für mich. Einerseits will ich meine Zeichnungen sogar für mich behalten, da wie erwähnt &#8211; sie sehr Intim sind &#8211; und meine Seele dort schwarz auf weiß liegt. Anderseits freue ich mich, wenn andere Freude an meiner Kunst haben. Wenn sich vielleicht sogar jemandem darein versetzen oder sich darin sehen kann… Meine Kunst hat auch viel mit der Psyche zu tun und vielleicht können sich auch manche damit identifizieren oder andere können eventuell besser verstehen was für ein Gefühlschaos in einem drinnen sein kann&#8230; und wenn es jemand nicht versteht, dann lädt Kunst zur Diskussion ein.</em></p>
<p><strong>Inwiefern ist Anonymität ein Mittel, um dich von Gesellschaftlichen Erwartungen zu befreien?</strong></p>
<p><em>Ich würde nicht sagen um mich von Erwartungen zu befreien, doch eher um mich von Erklärungen zu schützen. Gespräche über meine Werke fallen mir auch schwer, weil sie in mir immer gewisse Gefühle, Schmerz oder genaue Emotionen hervorrufen und ich eher ein Einsamer Mensch bin der gerne für sich selber ist.</em></p>
<p><strong>Deine Kunst spricht für sich selbst, während viele Künstler ihre Persönlichkeit in ihre Werke integrieren, bzw. über diese Aufmerksamkeit generieren &#8211; hast du es dadurch schwerer, mit dem Betrachter in Kontakt zu treten? </strong></p>
<p><em>Es ist mir wichtig, dass auf meinen Zeichnungen auch passende Texte dazu stehen. Manchmal höre ich ein Lied und die Texte beschreiben<br />
mich, meine Gefühle in dem Moment, der Zeichnung ganz genau. Vielleicht ist es eine Art zwischen dem Betrachter<br />
und mich eine Bindung zu schaffen. Ich hoffe, das man sich durch diese Art der Kommunikation besser in meine Werke einfinden kann. </em></p>
<p><strong>Ist der Dialog zwischen deiner Kunst und dem Betrachter mölich, wenn deine persönliche Geschichte im Dunklen bleibt?</strong></p>
<p>Ich glaube durch meine Zeichnung kann sich der Betrachter einen relativ genaues Bild von mir und meiner Geschichte machen. Denn Rest überlasse ich der Phantasie des Betrachters. Das ist in meinen Augen noch spannender, da es den Betrachter dazu verleitet, sich eine Person hinter den Bildern vorzustellen.</p>
<p><strong>Gibt es eine spezielle Botschaft oder Emotion, die du durch deine Zeichnungen vermitteln möchtest?</strong></p>
<p><em>Ich würde sagen meine Zeichnungen können den Menschen einen Einblick in die Menschliche Psyche eingeben. Und sicherlich können sie auch vermitteln, dass man immer wieder aufstehen kann, auch in den schwierigsten und aussichtslosen Augenblicken.</em></p>
<p><strong>Wieso sind deine Zeichnungen immer ohne Farbe? </strong></p>
<p><em>Meine Zeichnungen sind immer schwarz-weiß. Ich habe das Gefühl, der Betrachter kann sich darin seine eigenen Farben vorstellen. Ich glaube, meine Zeichnungen sind so für jeden Einzelnen am ehrlichsten. Maximal durch Schatten und Kontraste gebe ich meinen Bildern<br />
eine gewisse Farbe.</em></p>
<p><strong>Welche Herausforderungen begegnen dir häufig beim Zeichen und wie gehst du damit um?</strong></p>
<p><em>Meine Bilder zeigen sehr intensive Gefühle. Ich bin gezwungen, mich damit auseinander zu setzen. Es ist eine sehr präzise Arbeit welche von viele Stunden Detailarbeit erfordert. Aber genau das brauche ich um meine Emotionen zu verarbeiten.</em></p>
<p><strong>Welche Rolle spielt die Natur in deinen Zeichnungen?</strong></p>
<p><em>Sicher auch eine große Rolle. Tiere, Landschaften, Blumen, Sonne&#8230; der Mond… All diese Elemente sind ein wichtiger Teil meiner Zeichnungen und ich inspiriere mich gerne an der Natur. </em></p>
<p><strong>Wie beeinflusst generell deine Umgebung und dein Lebensstil deine zeichnerische Kreativität?</strong></p>
<p><em>Wo ich mich gerade im Leben befinde, hat für mich eine große Bedeutung. Meine Zeichnungen leben von Ereignissen meiner Kindheit aber auch mein Erwachsenes Leben. Ich lasse auch gerne die Umgebung in welche ich mich gerade befinde auf mir einwirken und in meiner Zeichnungen mit einfließen. Auch Lieder die ich höre haben einen Einfluss auf das Endergebnis.</em></p>
<p><strong>Gibt es spezielle Rituale oder Gewohnheiten, die deine zeichnerische Produktivität fördern?</strong></p>
<p><em>Musik hören ist ein wichtiger Bestandteil des Entstehungsprozesses meiner Werke. Musik beruhigt und inspiriert mich. Mein alltägiges Leben und meine Gedanken helfen mir dabei neue Motive und Hintergründe für meine Zeichnungen zu kreieren. Doch das Alleine sein ist mir auch sehr wichtig. Zeit für mich zu haben und auf mich selbst zu hören, mich so konzentrieren und fokussieren zu können, ist auchein Ursprung für die Entstehung meiner Werke.</em></p>
<p><strong>In welcher Weise möchtest du, dass deine Zeichnungen auf die Betrachter wirken oder sie inspirieren?</strong></p>
<p><em>Das ist für mich noch schwierig zu sagen… Ich will sicherlich, dass der Betrachter meine Bilder verstehen kann. Dass er die Emotion darin sieht, der Schmerz, das Glück, die Angst… und all das zusammen auf sich wirken lässt. Das die Menschliche Psyche viel komplexer und Tiefgründiger ist, sollte auch in meinen Bilder dargestellt werden.</em></p>
<h4>Weitere Informationen</h4>
<p>Titelbild: Wrong direction ( B.24cm, L.32cm.) von V.F</p>
<p>Besondere Kunstwerke von V.F finden <a href="https://arttrado.de/shop/" target="_blank" rel="noopener">Sie auch in Kürze bei uns im Shop!</a></p>
<p>Von uns ausgewählte Veranstaltungen finden Sie unter <a href="https://arttrado.de/events/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">&gt;&gt;&gt;Events&lt;&lt;&lt;</a></p>
<p>Unsere Interviews finden Sie hier: <a href="https://arttrado.de/news/category/kuenstler-portraits/interview/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Interview| Arttrado.de</a></p>
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		<title>Louis Müller unterstützt PEOPLE IN UNIFORM e.V</title>
		<link>https://arttrado.de/news/louis-mueller-unterstuetzt-people-in-uniform-e-v/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robert Heidemann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Mar 2022 11:03:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kunst und Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstmarkt und Trends]]></category>
		<category><![CDATA[kunst für den guten zweck]]></category>
		<category><![CDATA[Louis Müller]]></category>
		<category><![CDATA[Grafit]]></category>
		<category><![CDATA[Zeichnungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gefangen im eigenen Körper]]></category>
		<category><![CDATA[People in Uniform]]></category>
		<category><![CDATA[art against war]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://arttrado.de/?p=11485</guid>

					<description><![CDATA[Louis Müller unterstützt PEOPLE IN UNIFORM e.V Der junge Künstler Louis Müller bietet Grafit-Zeichnungen aus seiner Serie &#8222;Gefangen im eigenen <br/> <a class="btn btn-xs btn-default" href="https://arttrado.de/news/louis-mueller-unterstuetzt-people-in-uniform-e-v/">Weiterlesen</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h3>Louis Müller unterstützt PEOPLE IN UNIFORM e.V</h3>
<p>Der junge Künstler Louis Müller bietet Grafit-Zeichnungen aus seiner Serie &#8222;Gefangen im eigenen Körper&#8220; zum Kauf an. Der Erlös soll dem Verein &#8222;People in Uniform&#8220; zu Gute kommen. Über Vereins- und Verbandsgrenzen hinweg steht der Verein wir vor allem für ein Ziel: Kameradschaft &#8211; die Verbundenheit, um sich gegenseitig zu helfen und zu stützen.</p>
<p>Das Team von „People in Uniform“ möchte in der Gesellschaft bewegen, so haben sich die Verantwortlichen entschlossen, Sprinter und LKW mit wie Verbänden, Kochsalzlösungen und weiteren Medizinischen-Hilfsgütern zu beladen und direkt an die Front zu fahren, um im Kriegsgebiet in der Ukraine ihren Beitrag zu leisten. Der Künstler Louis Müller, der einen direkten Draht zu den Vereinsmitgliedern hat, möchte sie bei ihrem Vorhaben finanziell unterstützen, den &#8222;Medi-Kits&#8220; und Defibrillatoren werden in der Ukraine dringend benötigt.</p>
<p>Die Grafit-Zeichnungen waren Teil der Bachelorarbeit von Louis Müller, die Kunstwerke wurden regelmäßig auf seinen Ausstellungen gezeigt, ursprünglich aber nicht für den Verkauf gedacht. Das hat sich nun geändert, der Erlös kommt abzüglich der Versandpauschale von 10€ &#8211; 100% dem Vorhaben des Vereins zu gute.</p>
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</blockquote>
<p><script async src="//www.instagram.com/embed.js"></script></p>
<h4>Gefangen im eigenen Körper von Louis Müller</h4>
<p>Die Werke aus der Serie sind alle 20cm *20cm und wurden mit Grafit auf Karton gemalt. Der Preis je Zeichnung, liegt bei 200€ zzgl. 10€ Versanspauschale, bei Interesse nutzen <a href="https://arttrado.de/kontakt/" target="_blank" rel="noopener">Sie unseren Kontakt. </a></p>

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<p>Um die Werke zu vergrößern, klicken Sie einfach auf die Galerie. Mehr über den Künstler erfahren Sie auf seinem Instagram-Profil oder auf seiner Webseite: <a href="https://louis-jure.jimdofree.com/">Louis Jure Müller</a></p>
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